Bund stellt 340 Millionen Euro Nothilfe für Bauern in Aussicht

Erstmals seit 2003 sieht die Regierung Ernteschäden nationalen Ausmaßes. Die schwerwiegendsten Folgen der Dürre stehen den meisten Landwirten aber noch bevor.

Es sind alarmierende Zahlen, die Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch auf einer Pressekonferenz zur diesjährigen Erntebilanz vorgelegt hat. Bundesweit sind rund 10.000 Agrarbetriebe von der anhaltenden Dürre derart stark betroffen, dass ihre Existenz bedroht ist. Durchschnittlich verzeichneten die Landwirte in Deutschland einen Ernteausfall von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während beim Getreide die Ernte bundesweit mit 35,6 Millionen Tonnen circa 22 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück blieb, ist beim Tierfutter mit einem Ausfall von 50 bis 70 Prozent zu rechnen. In einigen Regionen drohe gar der Totalausfall. Klöckner kündigte angesichts der "Ernteschäden nationalen Ausmaßes" Unterstützung in Höhe von bis zu 340 Millionen Euro an - weit weniger als die vom Deutschen Bauernverband geforderte eine Milliarde Euro. Von den angekündigten Nothilfen soll der Bund zwischen 150 und 170 Millionen übernehmen, die übrigen 170 Millionen sollen auf die Länder entfallen. Die generelle Schwelle für das Beantragen der Hilfen liegt für die Betriebe bei einem Verlust von 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung. Die konkreten Verfahren für die Unterstützung wollen Bund und Länder nun gemeinsam festlegen.

Auch im Freistaat verzeichneten die Bauern in diesem Jahr Ernteausfälle von etwa 30 Prozent, allerdings mit regionalen Unterschieden. Insgesamt gebe es Verluste von 300 Millionen Euro, sagte der sächsische Landesbauernpräsident Wolfgang Vogel. Die vom Bund angekündigten Nothilfen nannte Vogel einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Wichtiger sei jedoch, dass auch in Deutschland eine Ausfallversicherung für die Bauern eingeführt und durch den Bund mitfinanziert werde. Was in anderen Staaten Europas bereits Standard sei, müsse auch in Deutschland umgesetzt werden, um das Risiko für die Bauern zu minimieren, forderte Vogel.

Den meisten Landwirten stehen indes die größten Schwierigkeiten noch bevor. Da bei grünen Futterpflanzen regional Ausfälle bis zu 75Prozent zu verzeichnen sind, bahne sich bereits eine Futtermittelknappheit für den Winter an, warnte Vogel.

Deshalb gab es bei den sächsischen Agrarunternehmen auch kritische Töne zu den Regierungsplänen. "Das Geld ist schon wichtig, allerdings löst es das Futterproblem nicht", sagt Andreas Graf, Vorstand der Agrargenossenschaft See (Landkreis Görlitz). In der Oberlausitz sowie in Nordsachsen sind die Folgen der Dürre besonders schwerwiegend. Zwischen 30 und 50 Prozent Ernteausfall beklagt Graf. Er werde deshalb Hilfsmittel beantragen und hoffe, dass die Vorräte aus den Vorjahren zur Versorgung der Tiere ausreichen.

Angespannt, aber nicht zugespitzt ist die Lage dagegen im Erzgebirge und im Vogtland. Zwischen fünf und zehn Prozent Ernteausfälle bei den Kulturpflanzen verzeichnete laut Vorstand Claudia März die Mavek Agrargenossenschaft in Lugau (Erzgebirgskreis). Aber auch März sagte: "Geld kann nicht gegessen werden." Werde keine Lösung für das Futterproblem gefunden, drohe für die Tiere ab Weihnachten eine Versorgungskrise. (mit dpa)

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