Die Dekabank profitiert von einer starken Nachfrage von Privatanlegern. (Archivbild)
Die Dekabank profitiert von einer starken Nachfrage von Privatanlegern. (Archivbild) Bild: Helmut Fricke/dpa
Wirtschaft
"Cum-Cum"-Deals: Aufsicht prüft Abschluss der Dekabank

Freie Presse auf Google News folgen

Nach "Cum-Cum"-Aktiengeschäften nimmt die Finanzaufsicht Bafin den Konzernabschluss der Dekabank unter die Lupe. Es geht darum, ob die Bilanzierung bei dem Sparkassen-Dienstleister angemessen war.

Frankfurt/Main.

Frühere "Cum-Cum"-Aktiengeschäfte haben dem Sparkassen-Wertpapieranbieter Dekabank eine Untersuchung der deutschen Finanzaufsicht eingebrockt. Die Bafin prüft in dem Zusammenhang den Konzernabschluss der Dekabank für 2024. 

Man habe konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Dekabank Deutsche Girozentrale gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen habe, teilte die Bafin mit. Dabei geht es um sogenannte Cum-Cum-Aktiengeschäfte, die mit illegalen "Cum-Ex"-Geschäften artverwandt sind.

"Die Bank hat im Konzernabschluss Steuererstattungsansprüche gegen die Finanzverwaltung aus Kapitalertragsteuer in Höhe von insgesamt 478 Millionen Euro bilanziert, die in Bezug zu Aktienhandelsgeschäften über den Dividendenstichtag aus den Jahren 2013 bis 2018 stehen und deren Anrechnung durch die Finanzverwaltung versagt wurde", so die Bafin.

Dubiose Aktiendeals auch bei Sparkassen

"Cum-Cum"-Geschäfte gelten als großer Bruder der "Cum-Ex"-Aktiendeals. Während es bei "Cum-Ex" um die Erstattung gar nicht gezahlter Kapitalertragsteuern ging, generierten Banken bei "Cum-Cum"-Deals Steuervorteile für ausländische Inhaber deutscher Aktien. 

Dem Fiskus entstand geschätzt ein Schaden von 28 Milliarden Euro - weit höher als bei "Cum-Ex"-Deals. Ziel war dabei, das deutsche Steuerrecht zu umgehen: Aktien wurden kurz vor dem Dividendenstichtag zeitweise an inländische Banken oder Fonds übertragen, die sich - anders als ausländische Anleger - die fällige Kapitalertragsteuer erstatten lassen konnten. Das Geld teilten die Beteiligten auf. Die Geschäfte waren auch bei Sparkassen verbreitet.

Banken-Skyline in Frankfurt: In "Cum-Cum"-Geschäfte sind viele Banken verwickelt. (Archivbild)
Banken-Skyline in Frankfurt: In "Cum-Cum"-Geschäfte sind viele Banken verwickelt. (Archivbild) Bild: Boris Roessler/dpa

Die Bafin prüft nicht die steuerliche Wirksamkeit der Aktiengeschäfte an sich, wie es hieß, sondern die Voraussetzungen, unter denen solche Steuererstattungsansprüche in der Bilanz aktiviert werden dürfen. 

Die Bank dürfe Erstattungsansprüche in der Bilanz nach IFRS-Standard nur aktivieren, wenn es überwiegend wahrscheinlich ist, dass Steuerbehörden die steuerliche Behandlung des Unternehmens akzeptieren.

Die Bafin habe "konkrete Anhaltspunkte" dafür, dass die Dekabank fälschlicherweise davon ausging, dass eine Anerkennung der Steuererstattung durch die Finanzverwaltung überwiegend wahrscheinlich sei.

Bank bestätigt Prüfung

Die Dekabank hat inzwischen die fast 500 Millionen Euro an die Finanzverwaltung zurückgezahlt, die aus umstrittenen "Cum-Cum"-Aktiengeschäften stammen. Sie bestätigte die eingeleitete Prüfung der Bafin. "Die Dekabank ist davon überzeugt, dass sich ihre Bilanzierungspraxis nach Abschluss der Prüfung weiterhin als IFRS-konform herausstellen wird." 

Milliarden-Rückforderungen

"Cum-Cum"-Deals waren weit verbreitet unter Banken - nicht nur bei Sparkassen. Nach einer früheren Bafin-Umfrage haben 54 Banken eingeräumt, an solchen Deals beteiligt gewesen zu sein. Die Aufsicht schätzte die Belastungen durch Rückforderungen aus den Geschäften auf gut 4,6 Milliarden Euro. Der Verein Finanzwende kritisiert, dass "Cum-Cum"-Deals bisher kaum juristisch aufgearbeitet seien. Dabei habe der Bundesfinanzhof schon 2015 entschieden, dass "Cum-Cum"-Geschäfte in ihrer typischen Ausprägung illegal seien. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
08:22 Uhr
2 min.
Polizeieinsatz nach Vorfall bei OB-Wahl: Stimmen-Auszählung in Wahllokal in Bad Schlema unterbrochen
Polizeieinsatz nach Vorfall bei OB-Wahl: Stimmen-Auszählung in Wahllokal in Bad Schlema unterbrochen - Die Polizei wurde zum Wahllokal nach Bad Schlema gerufen.
Ein uneinsichtiger Wahlbeobachter hat am Sonntag in einem Wahllokal in Bad Schlema dafür gesorgt, dass das Auszählen der Stimmen unterbrochen wurde. Hat das Konsequenzen?
Heike Mann
15.05.2026
4 min.
Commerzbank-Chefin: Großteil des Jobabbaus entfällt auf KI
Commerzbank-Chefin: Großteil des Jobabbaus entfällt auf KI - Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp erklärt, wie sie eine Übernahme durch die Unicredit abwehren will.
Die Commerzbank will im Übernahmekampf mit der Unicredit weitere 3.000 Stellen streichen. Nun erklärt Chefin Bettina Orlopp, wo Jobs wegfallen und welche Rolle dabei Künstliche Intelligenz spielt.
19:17 Uhr
1 min.
Kind bei Verkehrsunfall in Bernsbach verletzt
Kind bei Verkehrsunfall in Bernsbach verletzt - Der Unfall ereignete sich am Dienstagabend. Ein Kind wurde dabei verletzt.
Ein Rettungshubschrauber war im Einsatz, um das verletzte Kind zu versorgen. Die Straße wurde gesperrt.
Niko Mutschmann
19:17 Uhr
3 min.
Verfassungsschutzbericht: Sachsens Rechtsextremisten werden immer jünger
Verfassungsschutzbericht: Sachsens Rechtsextremisten werden immer jünger - Die Normalisierung rechtsextremer Positionen sei inzwischen bis in die Mitte der Gesellschaft anschlussfähig, sagte Innenminister Armin Schuster bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts.
Innenminister Schuster spricht von einer „drastischen Verjüngung“ und will das Alter absenken lassen, ab dem Extremisten in Datenbanken der Behörden landen. Die Oberbürgermeisterwahl in Aue belege eine Normalisierung rechtsextremer Positionen.
Tobias Wolf
15:42 Uhr
2 min.
Neun Geschwister: 500. Baby des Jahres am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein geboren
Neun Geschwister: 500. Baby des Jahres am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein geboren - Raquel und Adrian (vorn rechts) freuen sich über die Geburt ihrer Tochter.
Die kleine Carmen kam am Samstag gesund zur Welt. Sie ist bereits das zehnte Kind ihrer Eltern Raquel und Adrian.
Erik Anke
19.05.2026
2 min.
Brorhilker: Kriminelle Finanzgeschäfte laufen weiter
Brorhilker: Kriminelle Finanzgeschäfte laufen weiter - Ex-Ermittlerin Anne Brorhilker fordert ein härteres Durchgreifen bei Steuerkriminalität. (Archivbild)
Als Ermittlerin trieb sie die Aufarbeitung des Cum-Ex-Steuerskandals voran. Nun fordert Anne Brorhilker härtere Schritte der Politik gegen Finanzkriminalität.
Mehr Artikel