Deutsche Bank zahlt zwei Jahre keine Dividende

Die deutsche Bank startet neu und räumt auf. Die Kosten dafür sind immens und werden aus eigener Tasche bezahlt.

Frankfurt (Main).

Den Stimmungskiller überlässt Bankchef Christian Sewing seinem Finanzvorstand. James von Moltke muss am Morgen nach Ankündigung des radikalen Konzernumbaus einräumen, dass die Kosten für die Umstrukturierung zwei Jahre lang die Einnahmen der Bank auffressen dürften: "2019 werden wir wohl einen operativen Verlust erwirtschaften, für 2020 gehen wir davon aus, dass wir plusminus Null herauskommen oder sogar noch besser", sagte der Finanzvorstand in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Der Aktienkurs der Bank, der zum Börsenstart noch zugelegt hatte, drehte daraufhin ins Minus.

Sewing versprach, nach dieser neuen Durststrecke werde sich zeigen, "welchen wahren Wert die Deutsche Bank hat". Der 49-Jährige, der vor 30 Jahren als Lehrling beim damals noch unangefochtenen Branchenprimus angefangen hatte, beklagte: "In den letzten beiden Jahrzehnten ist uns unser innerer Kompass abhandengekommen" - eine Anspielung auf die zahlreichen Skandale, die das Geldhaus erschütterten.

Sewing will nun eine "Wiederbelebung unserer traditionellen Werte und eine Rückbesinnung auf unsere Stärken" erreichen. Dazu wolle man nicht weniger als "die am stärksten kundenzentrierte Bank der Welt" werden.

Ohne solche Superlative kommt ein Deutsche-Bank-Chef offenbar nicht aus. Sewing war hörbar bemüht, verschiedenen und durchaus widersprüchlichen Erwartungen an das Geldhaus gerecht zu werden: Dass nämlich - einerseits - mit der geplanten Verkleinerung des Investmentbankings die vor allem von dieser Sparte zu verantwortenden Skandale endgültig der Vergangenheit angehören. "Es geht nicht um kurzfristige Gewinne, die langfristig eine Belastung sein können", sagte Sewing mit Blick auf die milliardenschweren Rechtsstreitigkeiten der vergangenen Jahre. Gleichzeitig hob er hervor, die Investmentbank solle dauerhaft 30 Prozent der konzernweiten Erträgen erwirtschaften. Auf ihren verbleibenden Geschäftsfeldern soll sie zu den fünf führenden Anbietern weltweit gehören.

Auch bekannte sich der Bankchef ausdrücklich zu den umstrittenen Bonuszahlungen für die verbleibenden Investmentbanker. Diese seien "schon aus Wettbewerbsgründen" unverzichtbar - also um die Abwanderung von Talenten zu verhindern. Viele Investmentbanker werden ihre Arbeitsplätze verlieren - auf das Kapitalmarktgeschäft entfällt ein Großteil der insgesamt 18000 Stellen, die bis 2022 abgebaut werden sollen. In Hongkong und Singapur mussten laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bereits am Montagmorgen die ersten Aktienhändler der Deutschen Bank ihre Büros räumen. Die Einstellung des weltweiten Aktienhandels betreffe Standorte weltweit, neben Asien auch London, die USA und Deutschland, sagte Sewing. Zu den Jobs auf der Streichliste gehören auch Stellen, die der Integration der Postbank in die Deutsche Bank zum Opfer fallen. Allein hier geht es um bis zu 2000 Arbeitsplätze.

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