Dürre treibt den Weizenpreis nach oben

Noch halten sich die Folgen der Trockenheit für Verbraucher in Grenzen, 2019 dürfte sich das aber ändern. Alarmismus ist dennoch unangebracht.

Frankfurt (Main).

Der rekordverdächtige Sommer 2018 fordert seinen Tribut. Ernteausfälle in Nordeuropa, Australien und der Ukraine haben den Weizenpreis auf ein Mehrjahreshoch getrieben: An der Pariser Warenterminbörse Matif kostet der maßgebliche Kontrakt für die Lieferung von Weizen im September über 200 Euro pro Tonne, so viel wie zuletzt im Frühjahr 2014.

"Die Matif-Preise schlagen eins zu eins auf die Verkaufspreise der Mühlen durch", sagt der Geschäftsführer des Verbandes deutscher Mühlen, Peter Haarbeck. "Wenn die Getreidepreise weiter steigen, bekommen das irgendwann auch die Verbraucher zu spüren. Für den Kauf von Mehl im Supermarkt gilt das mit Verzögerung, weil die Einzelhändler in der Regel langfristige Lieferverträge mit einzelnen Mühlen schließen. Aber ich denke schon, dass die Kosten für die Herstellung von Brot und Brötchen steigen werden." Inwieweit die Bäcker diese Mehrkosten an die Verbraucher weitergeben, hänge "von der Kalkulation und der Kostenstruktur des jeweiligen Unternehmens" ab, heißt es bei der Werbegemeinschaft des deutschen Bäckereihandwerks. Daher könne "keine pauschale Aussage über eine eventuelle Anpassung getätigt werden".

Auf Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln wie Brot reagieren Verbraucher besonders sensibel - handelt es sich doch um Produkte, die sie fast täglich kaufen. Insgesamt dürfte sich die Teuerung bei Lebensmitteln dieses Jahr allerdings in Grenzen halten, sagt Stefan Schneider, der Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank: Die Preise für Molkereiprodukte seien zuletzt wieder gesunken, auch Obst dürfte wegen des heißen Sommers billiger werden.

Im kommenden Jahr rechnet Schneider dann aber mit einer anziehenden Teuerungsrate: "Man muss schon davon ausgehen, dass die diesjährigen Ernteausfälle einen spürbaren Effekt auf die Nahrungsmittelpreise haben werden und dass es nach einem Rückgang, der bis zum Jahreswechsel anhalten könnte, 2019 zu einem leichten Anstieg kommt." Alarmismus sei dennoch unangebracht: Selbst unter der pessimistischen Annahme, dass sich Lebensmittel um sechs Prozent verteuern sollten - ein solcher Anstieg wurde in Deutschland zuletzt vor zehn Jahren registriert - dürfte die Inflationsrate 2019 im Jahresschnitt höchstens 2,3 Prozent erreichen, schätzt Schneider.

Der Grund: Die Kosten für Nahrungsmittel haben am nationalen Verbraucherpreisindex lediglich einen Anteil von neun Prozent. Das heißt: Die Essensausgaben fallen beim deutschen Durchschnittshaushalt nicht so stark ins Gewicht. "Das einzige, worüber man sich natürlich Sorgen machen kann, sind finanziell schwächere Haushalte", gibt Schneider zu bedenken. "Da machen die Ausgaben für Lebensmittel einen höheren Anteil am Budget aus."

Noch problematischer sind steigende Getreidepreise für viele Menschen in Entwicklungsländern. Erstens machen Nahrungsmittel dort einen erheblichen Anteil der Lebenshaltungskosten aus. Zweitens ist auch der Zusammenhang zwischen Rohstoff- und Verbraucherpreisen enger: "Natürlich trifft Länder, in denen Lebensmittel nicht so viele Verarbeitungsstufen durchlaufen, eine Erhöhung der Rohstoffpreise stärker als uns", sagt Deutsche-Bank-Experte Schneider.

2007 und 2008 lösten die steigenden Getreidepreise sogar Unruhen in mehreren Entwicklungs- und Schwellenländern aus. Damals waren die Kurse an den Rohstoffmärkten allerdings noch weitaus höher als jetzt, der Weizen-Kontrakt an der Matif notierte 2008 bei fast 300 Euro. Und noch aus einem weiteren Grund ist die Lage heute entspannter: "Die globalen Getreidelager sind gut gefüllt, das sollte potenziellen Versorgungsproblemen entgegenwirken", erläutert Schneider.


Hilfe für Viehhalter

In vielen Regionen Deutschlands soll Viehhaltern vor dem Hintergrund der wochenlangen Trockenheit die Futtergewinnung erleichtert werden. Das Kabinett brachte dafür am Mittwoch eine Verordnung von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) auf den Weg. Dadurch soll ausnahmsweise eine stärkere Nutzung von Flächen möglich sein, für die Anbaubeschränkungen zum Umweltschutz gelten. Hintergrund ist, dass gemähtes Gras wegen der Dürre vielfach nicht für den sonst üblichen zweiten und dritten Schnitt nachgewachsen ist. So wird Futter knapp. Mit Blick auf Ernteausfälle hat Klöckner deutlich gemacht, dass über Bundeshilfen erst zu entscheiden ist, wenn Ende August die amtliche Erntebilanz vorliegt. Der Bauernverband fordert Nothilfen von einer Milliarde Euro. (dpa)

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