Erneute Flugausfälle wegen Germanwings-Streik

Auch der zweite Tag des Flugbegleiter-Streiks bei Germanwings bringt Unannehmlichkeiten für Tausende Passagiere. Doch die Auswirkungen sind überschaubar, Chaos an den Flughäfen bleibt aus. Die Gewerkschaft droht mit einer Verlängerung des Ausstands.

Köln (dpa) - Die Flugbegleiter bei Germanwings haben ihren Streik an Silvester fortgesetzt - aber die Auswirkungen bleiben begrenzt. Laut einer aktuellen Übersicht auf der Eurowings-Homepage sind am Dienstag insgesamt rund 60 Flüge ausgefallen.

Wie erwartet habe zwar die überschaubare Größe der Germanwings dazu geführt, dass es «zu keinem Chaos an den Flughäfen gekommen ist», sagte ein Sprecher der Kabinengewerkschaft Ufo. Dennoch sei die Streikbeteiligung enorm - und eine Verlängerung des Ausstands sei weiterhin möglich.

Der Streik, der am Montag begann, soll nach derzeitiger Planung noch bis einschließlich Neujahr dauern. Schon am ersten Streiktag hatte Ufo aber die Drohung bekräftigt, den Ausstand auszudehnen.

Die Lufthansa-Billigtochter Eurowings erwartet - wie vor Beginn des Streiks angekündigt - weiterhin, dass an den drei Streiktagen insgesamt gut 180 Flüge ausfallen werden. «Wer heute nicht fliegt, der wusste das bereits vor zwei Tagen», sagte ein Eurowings-Sprecher am Dienstag. Auch mit Blick auf den Neujahrstag sei über die angekündigten Streichungen hinaus nicht mit weiteren Flugausfällen zu rechnen. Betroffen seien nicht ausschließlich Germanwings-Flüge, sondern vereinzelt auch andere Verbindungen von Eurowings.

Besonders betroffen von den Flugausfällen waren am Dienstag die Flughäfen Köln-Bonn, Hamburg und Berlin-Tegel. In Köln-Bonn wurden 22 Verbindungen gestrichen. Die Lage sei aber «total überschaubar und absolut ruhig», sagte eine Flughafen-Sprecherin. Vor allem innerdeutsche Strecken seien betroffen, die Passagiere hätten sich rechtzeitig informiert. In Hamburg wurden 22 Starts und Landungen abgesagt, in Berlin-Tegel rund 20, in München 18, in Düsseldorf 8 und an den Flughäfen Dortmund und Nürnberg je 4. Am größten deutschen Airport Frankfurt am Main wurden keine Flüge abgesagt, denn laut einem Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport sind im Frankfurter Winterflugplan gar keine Verbindungen von Germanwings vorgesehen.

Auch für einen Ansturm auf die Bahn als Ausweichmöglichkeit gab es am Dienstag keine Anzeichen. Eine Bahnsprecherin prognostizierte am Morgen einen reibungslosen Betrieb: «Insgesamt und im Speziellen im Zusammenhang mit dem Streik haben wir eine normale Verkehrslage im Fernverkehr», hieß es.

Germanwings ist mit rund 30 Flugzeugen und etwa 1400 Mitarbeitern für Eurowings unterwegs, soll aber mit dem Eurowings-Flugbetrieb verschmolzen werden. Das Management gebe den Mitarbeitern keine klare Perspektive für die Zukunft ihres Flugbetriebs, hatte Ufo-Vize Daniel Flohr kritisiert.

Offizieller Streikgrund sind Regelungen zur Teilzeit für Kabinenbeschäftigte, die laut Ufo unerfüllt sind. Germanwings hatte den Beschäftigten die Teilzeitregelungen der Lufthansa angeboten. Ufo lehnte aber ab, weil sie eigene Tarifregelungen zur Teilzeit will. Eurowings betrachtet den Streik als unangemessen und will in den drei Tagen von geplanten 1200 Flügen mehr als 1000 durchführen.

Lufthansa und Ufo liegen seit längerem im Clinch. Dabei geht es nicht nur um Tariffragen, sondern auch um die Anerkennung der Ufo als Gewerkschaft. Entsprechend sind die Fronten verhärtet. In dem Konflikt hat es bereits einen Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern sowie einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa gegeben. Hier waren im November rund 1500 Flüge mit rund 200 000 betroffenen Passagieren ausgefallen.

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