Europa zieht Wegwerfprodukte aus Plastik aus dem Verkehr

Schluss mit der Plastikflut: Per Verbot zwingen die Länder der Europäischen Union Produzenten und Konsumenten zu mehr Umweltverträglichkeit.

Brüssel.

Die Zeit für Plastikteller, Trinkhalme und andere Wegwerfprodukte aus Kunststoff läuft ab. Am Mittwoch haben sich Vertreter des Europaparlaments und der EU-Staaten in Brüssel darauf geeinigt. Das Verbot soll dazu beitragen, die Verunreinigung der Umwelt und der Weltmeere durch Plastik einzudämmen. Allein in der EU gelangen jährlich mehrere 100.000 Tonnen Plastik in die Meere, genaue Zahlen fehlen. Ein Kunststoff-Kaffeebecher wird im Meerwasser erst nach 400 Jahren abgebaut.

Die Richtlinie aus Brüssel wird voraussichtlich bis 2021 in deutsches Recht umgesetzt. Im kommenden Jahr werden sich zunächst die Mitgliedsstaaten, die EU-Kommission und das Europaparlament auf einen Gesetzestext einigen. Für die Umsetzung in nationales Recht bleiben dann zwei Jahre Zeit.

Bei dem Vorhaben sind sich die Mitgliedsländer der EU einig. Kritik kam von den Umweltschützern von Greenpeace und dem WWF: Die Definition als Einwegplastik sei zu eng. Hersteller könnten Wegwerfartikel als wiederverwertbar deklarieren, um das Verbot zu umgehen. Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Judith Skudelny, sagte der "Wirtschaftswoche", die EU lenke von ihrem Politikversagen bei der Bekämpfung von Plastikmüll in den Meeren ab: "Strohhalme zu verbieten und gleichzeitig Plastikmüll in großem Stil unter der Erde zu verbuddeln, ist kein schlüssiges Konzept."

EU-Politiker feierten die Einigung als Erfolg. Nach Angaben aus Brüssel sollen die Verbote eine Senkung des Ausstoßes von Kohlendioxid um 3,4 Millionen Tonnen bewirken. Bis 2030 könnten Umweltschäden von 30 Milliarden Euro vermieden werden. Die Ersparnis für die Verbraucher wird auf etwa 6,5Milliarden Euro geschätzt.

Wissenschaftler gehen nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" davon aus, dass rund 150 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren schwimmen. Auf drei Kilo Fisch komme ein Kilo Kunststoff. Die Hälfte des Plastikmülls in den Meeren geht nach Angaben der Umweltorganisation Ocean Conservancy auf das Konto von nur fünf asiatischen Ländern: China, Indonesien, den Philippinen, Vietnam und Thailand. Bei einer Untersuchung von Speisefischen aus Nord- und Ostsee fand das Alfred-Wegener-Institut Kunststoff im Verdauungstrakt von fünf Prozent der Fische.

Für Unternehmen ist Plastik ein günstig herzustellendes, langlebiges und universell einsetzbares Material. Oft ist es für Firmen günstiger, neues Plastik auf der Basis von Rohbenzin herzustellen, als Altplastik zu recyceln. Laut "Tagesspiegel" werden in Deutschland bislang 36 Prozent der Plastikabfälle aufbereitet und weiterverarbeitet.

Die Plastikindustrie in Europa zählt rund 60.000 Unternehmen, die mit 1,5 Millionen Mitarbeitern 2017 einen Umsatz von 350 Milliarden Euro erwirtschafteten. Nach Angaben des Branchenverbandes Plastics Europe wurden weltweit 2016 rund 335 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Davon entfielen 60 Millionen Tonnen auf Europa, zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Weltweit entfalle knapp ein Fünftel der Kunststofferzeugung auf Europa. Fast ein Drittel der Weltproduktion an Plastik stammt aus China. Deutschland ist der Hauptabnehmer von Kunststoff in Europa. Die kunststoffverarbeitende Industrie verzeichnete 2017 laut Branchenverband GKV mit knapp 64 Milliarden Euro einen Umsatzrekord.

Das Verbot von Einwegplastik zwingt Firmen zum Handeln. Mehrere Supermarktketten haben angekündigt, den Verkauf von Einwegplastik einzustellen. Fastfoodketten arbeiten an Geschirr aus kompostierbarem Material. mit dpa

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