Gründer: Paris überholt Berlin

Europas Jungunternehmen haben im ersten Halbjahr so viel Geld erhalten wie nie zuvor. In Deutschland hält der Aufwärtstrend im dritten Quartal an.

Stuttgart.

Bei der Finanzierung von Start-up-Unternehmen konnte Großbritannien trotz des bevorstehenden Brexits seine Spitzenposition innerhalb der europäischen Start-up-Szene behaupten. An britische Start-ups flossen im ersten Halbjahr dieses Jahres insgesamt 6,7 Milliarden Euro. Das war mit einem Plus von 112 Prozent mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. In Frankreich flossen rund 2,8 Milliarden Euro an Gründerfirmen, 43 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. In Deutschland war das Ergebnis nicht ganz so dynamisch. Mit einem Investitionsvolumen von 2,7 Milliarden Euro (plus 7 Prozent) belegten die deutschen Start-ups den dritten Rang. Das sind Ergebnisse des Start-up-Barometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (früher: Ernst & Young), die am Montag vorgestellt wurden. Die Studie basiert auf einer Analyse der Investitionen in europäische Start-ups. Als Start-ups werden dabei Unternehmen gewertet, die nicht älter als zehn Jahre sind. Berlin gilt weltweit zwar als derzeit angesagte Stadt für Start-ups, doch beim Finanzierungsvolumen ist die französische Hauptstadt Paris an Berlin vorbeigezogen. Insgesamt wurden in Paris 230 Start-up-Investitionen mit einem Gesamtvolumen von 2,2 Milliarden Euro gezählt. In Berlin waren es nur 129 Investitionen in Gründerfirmen. Dafür flossen insgesamt 2,0 Milliarden Euro. Unangefochten vorn liegt London mit 323 Finanzierungen und einer Investitionssumme von 5,7 Milliarden Euro.

Deutschland holt allerdings auf. Der Aufwärtstrend hält im laufenden zweiten Halbjahr an: Im dritten Quartal flossen in Deutschland rund 2,2 Milliarden Euro an Jungunternehmen - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum (965 Millionen Euro). Auffallend ist das starke Ergebnis in Frankreich. EY-Partner Peter Lennartz sagte: "Die französische Politik hat den Start-up-Sektor zur Chefsache erklärt und verfolgt das klare Ziel, Frankreich zum Top-Start-up-Standort in Europa zu machen, indem bürokratische Hürden für Jungunternehmer abgebaut werden und der Staat Investoren und Gründer zusammenbringt." Das zeige Wirkung. In Deutschland hat die Gründungsoffensive "Go" des Bundeswirtschaftsministeriums noch nicht die entsprechende Wirkung erzielt.

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