"Ich spreche den Grünen jede Kompetenz für Landwirtschaft ab"

Landesbauernverbands-Präsident Wolfgang Vogel über Frust bei Bauern, große Felder und die Düngeproblematik

Grimma.

Am Donnerstag wird beim Sächsischen Landesbauernverband ein neuer Vorstand gewählt. Der jetzige Präsident Wolfgang Vogel tritt nach zwölf Jahren nicht mehr an. Jan-Dirk Franke sprach mit ihm über eine Regierungsbeteiligung der Grünen, den Glyphosateinsatz und die Verschärfung der Düngeverordnung.

Freie Presse: In Sachsen läuft nach der Wahl alles auf eine Kenia-Koalition hinaus. Gut möglich, dass dann die Grünen das Landwirtschaftsministerium übernehmen. Was sagen Sachsens Bauern dazu?

Wolfgang Vogel: Meine Meinung dazu ist: Den Grünen darf man dieses Ministerium nicht überlassen, weil sie nicht frei von Ideologie sind. Ich möchte auch davor warnen, die Landwirtschaft in den Koalitionsgesprächen zum Spielball zu machen. Was mich aufregt, ist die immer wiederkehrende Diskussion der Grünen um die Schlagworte Massentierhaltung, den Einsatz von Pestiziden und zu viel Dünger auf den Feldern. Dies unterstellt uns ja, dass wir bewusst unsere Böden schädigen. Dagegen wende ich mich entschieden. Ich habe zudem bis heute nicht wahrgenommen, dass sich die Grünen dafür einsetzen, dass unsere Lebensmittel eine andere Wertschätzung und wir eine vernünftige Wertschöpfung für unsere Produkte erhalten. Natürlich sind wir zum Dialog bereit - aber nur auf einer fachlich-sachlichen Basis. Ich spreche den Grünen aber jede Kompetenz für die Landwirtschaft ab. Zutiefst gekränkt hat mich nicht zuletzt auch deren Wahlwerbung (Anmerk. der Red.: Auf einem Plakat stand: "Mach dich vom Acker, Gift!") Ich vergifte meinen Boden nicht!

Wie ist eigentlich die Stimmung bei den Landwirten?

Nicht gut. Es herrscht viel Frust bei den Leuten. Was sie am meisten bewegt, ist, dass es keine Impulse für die Landwirtschaft von der Bundesregierung gibt. Wir werden mit Verordnungen, Geboten und Verboten überhäuft, die nicht weniger, sondern mehr werden. Es wird überall nur davon gesprochen, was nicht mehr geht. Es redet niemand davon, was geht. Aber das ist nur in Deutschland so. Ob Polen, Frankreich, Italien, Tschechien, Ungarn und Rumänien - alle sehen zu, dass die Landwirtschaft vernünftig produzieren kann. Nur hier wird ein Verbot nach dem anderen rausgehauen. Das regt die Leute auf.

Und dann passt auch noch das Wetter nicht ...

Wir haben schon das zweite Jahr infolge katastrophale Witterungsbedingungen, infolgedessen die Ernteerträge an der Grenze sind. Die Getreideernte war in diesem Sommer zwar nicht so schlecht wie im vorigen Jahr. Wir liegen aber dennoch unterhalb des langjährigen Mittels. Sorgen mache ich mir um die Futtersituation. Die Maisbestände sehen in einigen Regionen schlimm aus. Ich mache mir ernsthaft Gedanken, wie die Betriebe über den Winter kommen. Die Reserven aus dem Vorjahr sind ja aufgebraucht. Der eine oder andere trägt sich mit dem Gedanken, aus der Milchproduktion auszusteigen.

Was würde helfen?

Wir brauchen ein vernünftiges Risikomanagement. Schon seit zehn Jahren fordern wir eine steuerneutrale Risikorücklage. Allerdings würde die im Moment nicht viel bringen. Man muss ja erst mal Gewinne haben, um etwas zurücklegen zu können. Ich möchte eine Lösung, ein Versicherungsmodell, mit dem sich die Betriebe gegen diese Risiken absichern können. Dafür brauchen wir aber eine Anschubfinanzierung vom Staat.

Wieso?

Es muss ja erst ein gewisser Versicherungsstock aufgebaut werden. Die Versicherung sollte aber von Beginn an für den Landwirt bezahlbar sein. Wir haben uns das in den USA angeschaut. Wird der Zuschuss einmal nicht ausgeschöpft, muss die Versicherung das Geld zurück an den Staat zahlen. Und wenn es nicht reicht, tritt der Staat in die Haftung ein. Auch die Dänen haben ein solches System aufgesetzt und die Polen tun es auch. Warum machen wir das hier nicht?

Die Bundesregierung muss die Düngeverordnung nachschärfen. Gerade erst haben die beiden zuständigen Bundesministerinnen ihre Vorschläge in Brüssel vorgelegt. Was bedeutet das für die Landwirte?

Wir werden uns, wenn das so weitergeht, von der Qualitätsgetreideproduktion verabschieden. Wir werden nicht mehr weltmarktfähig sein und müssen höherwertiges Getreide, wie es zum Backen von Brot und Brötchen benötigt wird, eben importieren. Da fragt dann leider keiner danach, wie das produziert wurde.

Sie meinen, die Düngemengen werden nicht mehr ausreichen, um hochwertiges Getreide zu erzeugen?

Ja. Und das Schlimme daran ist: Es ist auch noch Nonsens, den Ausbringungszeitpunkt von Dünger im Herbst zu verkürzen. Wir reden doch von Klimaveränderung. Die Vegetation hat sich nach hinten verschoben, sie geht länger in den Herbst hinein und beginnt im Frühjahr eher. Wir brauchen aber im Herbst eine vernünftige Andüngung, um ein ordentliches Wurzelwachstum zu erreichen. Beim Wintergetreide muss ich dafür auch im September Gülle ausbringen dürfen.

Ein Sorgenkind der Bauern ist der Raps. Weil das Saatgut nicht mehr gebeizt werden darf, sinken die Erträge. Nun gehen die Anbauflächen zurück. Sie halten Raps als Vorfrucht und Eiweißlieferant aber als unverzichtbar und das Verbot der Neonikotinoide für falsch. Erklären Sie uns das bitte.

Wir brauchen den Raps in der Fruchtfolge. Er wurzelt zwei bis drei Meter tief und trägt dazu bei, dass der Boden aufgelockert wird. Der Raps liefert Öl und kann für die Biodiesel-Herstellung genutzt werden. Das Schrot dient als Eiweißversorgung in der Tierproduktion. Wenn man weniger Raps anbaut, weil es sich nicht mehr lohnt, fehlt auch eine Menge Eiweißfutter. Wenn das nicht mehr da ist, muss man mehr Soja importieren. Wollen wir das? Deswegen brauchen wir den Raps. Es wird aber immer schwerer, ihn anzubauen. Weil die Betriebe seit dem Verbot der Neonikotinoide kein gebeiztes Saatgut mehr verwenden dürfen, müssen sie bis zu fünf Mal mit der Pflanzenschutzspritze übers Feld fahren, damit der Keimling erhalten bleibt. Das ist viel aufwendiger. Einen besseren Schutz als die Beize gibt es nicht.

Was passiert mit dem Keimling, wenn das Saatgut nicht gebeizt ist?

Dann kommen der Rapserdfloh und die Kleine Kohlfliege und fressen den Keimling ab.

Die Neonikotinoide, die zum Beizen verwendet wurden, sind ja aber nicht nur in Deutschland verboten ...

Ja, aber in Polen gibt es eine Sondergenehmigung, um sie dennoch anzuwenden. In Ungarn und Tschechien auch. Von gleichen Wettbewerbsvorteilen in der EU kann da keine Rede sein.

Es gab doch aber auch einen Grund für das Verbot ...

Ja, die Bienen. Die Neonikotinoide wurden als Insektizide unter anderem für das Bienensterben verantwortlich gemacht. Was Ihnen aber jeder ehrliche Imker sagen wird: Es sind keine zwei Prozent der Bienen, die an Insektiziden sterben. Es gab allerdings in den Jahren 2006 und 2007 einen unsachgemäßen Einsatz von gebeiztem Saatgut. Da stimmte die Technik und das Beizverfahren nicht. Nun wird ein ganzer Berufsstand dafür bestraft.

Was ist da passiert?

Im Bereich des Rheingrabens wurde Maissaatgut ausgelegt, wo die Beize nicht haftete. Es wurde zudem mit einer pneumatischen Maislegemaschine ausgebracht. Durch den Luftdruck wurde das nicht haftende Beizmittel freigesetzt. An den Staubwolken sind jede Menge Bienen kaputtgegangen.

In Deutschland verbieten immer mehr Kommunen den Einsatz von Glyphosat auf Pachtflächen, die Bahn will nur noch halb so viel verwenden, um das Unkraut an den Gleisen in Schach zu halten. Und die Bauern?

Wir sind für eine Reduzierung des Einsatzes, aber nicht für ein Verbot. Der Wirkstoff hat uns in den letzten Jahren geholfen, eine saubere Feldhygiene hinzubekommen. Wir haben keine Quecken mehr und keinen Ackerfuchsschwanz. Den Einsatz von Glyphosat zur Erntebeschleunigung lehnen wir allerdings ab. Damit konnten wir uns aber leider als Landesverband bereits 2015 innerhalb des Deutschen Bauernverbandes nicht durchsetzen.

Ackerland wird immer teurer, weil Investoren nach Land gieren. Darunter leiden vor allem Bauern mit kleineren Höfen. Sachsen-Anhalt will nun den Ausverkauf bremsen. Wie ist die Lage in Sachsen?

Sicher, es gibt solche Investoren. Es sind aber auch Berufskollegen aus anderen Bundesländern darunter, die Land verkauft haben für Straßenbaumaßnahmen oder anderes und die innerhalb von vier Jahren das Geld reinvestieren müssen, um nicht Steuern darauf zu bezahlen. Hinzu kommt: Die BVVG (Red.: Bodenverwertungs- und -verwaltungs-GmbH) hat in den zurückliegenden Jahren durch ihre Ausschreibungspolitik den Flächenkauf durch branchenfremde Investoren begünstigt.

Warum?

Weil da teilweise Preise aufgerufen wurden, die so hoch waren, dass wir nicht mitbieten konnten. Es geht aber nicht nur um den Verkauf von Flächen, sondern auch um das Pachten. Da ist die Entwicklung schon besorgniserregend. Wir brauchen hier eine Art Pachtbremse.

Als eine Ursache für das Insektensterben werden gern auch die Feldstrukturen angeführt, die zu großflächig sind. Es gibt zu wenige Blühstreifen, Hecken und Baumlandschaften dazwischen. Müssen da die Landwirte nicht ein wenig umdenken?

Was sind denn Lebensräume für Insekten? Offene Gewässer, Gräben, Blühwiesen. Aber Getreide, Mais oder Raps ist auch für die Insekten da. Wir stellen uns der Frage der Blühstreifen, das machen wir auch. Ich kann aber persönlich nicht feststellen, dass wir weniger Insekten haben. Wenn ich bei uns in der Region unterwegs bin, muss ich jeden Tag die Autoscheibe putzen. Was ich mich aber auch  frage: Weshalb konzentriert man sich immer nur auf die Landwirtschaft und grenzt die Städte, Dörfer und Gewerbebetriebe aus? Man muss nur einmal schauen: Wie viel Acker- und Grünland gab es 1990 und was steht dem heute gegenüber an Gewerbegebieten, Wohnbebauungen und so weiter. Wie viele Flächen sind inzwischen versiegelt?

Dennoch spricht doch nichts dagegen, die großen Feldflächen etwas aufzulockern ...

In der Lommatzscher Pflege mag es Felder geben, wo noch eine Hecke oder ein Blühstreifen ratsam wären. Aber ansonsten haben wir in Sachsen - anders als vielleicht in Mecklenburg-Vorpommern - nicht die großen ausgeräumten Landschaften. Auf der anderen Seite: Man kann auch nicht alles von Groß auf Klein umstrukturieren, das funktioniert nicht. Dann müssten die Produkte teuerer werden.

Nach 2020 soll die nächste EU-Agrarreform kommen. Was kommt da auf die Bauern zu?

Ich kann diese Frage heute nicht vollständig beantworten. Wir als Bauernverband kämpfen darum, dass das Zwei-Säulen-System erhalten bleibt. Die erste Säule dient als Einkommensausgleich, die zweite ist für Agrarumweltmaßnahmen und den ländlichen Raum gedacht. Was ich mir wünsche, wäre ein Bürokratieabbau. Aber den wird's wohl nicht geben. Die Bürokratie wird eher zunehmen. Das ist das Schlimmste von allen.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Landwirtschaft aus?

Ich gehe davon aus, dass es weiterhin Landwirtschaft geben wird. Ich rechne damit, dass wir uns irgendwann einmal darauf besinnen, was Landwirtschaft zu aller erst leisten muss: die Ernährung der Bevölkerung. Es wäre schön, wenn die Landwirtschaft in der Wertschöpfung und in der Wertschätzung wieder die gesellschaftliche Stellung erhält, die sie verdient. Die Landwirtschaft gehört in die Mitte der Gesellschaft. Aber der Weg ist weit. Was dazu gehört, ist eine Einigkeit des Berufsstandes. Da habe ich aber momentan eher das Gefühl, dass die Branche auseinanderdriftet.

Die Bundesregierung hat als Zielmarke einen Anteil von 20 Prozent ökologischer Landwirtschaft in Deutschland ins Auge gefasst. Halten sie das für realistisch?

Meine Meinung ist: Um die zehn bis zwölf Prozent sind in Ordnung. Alles, was über 15 Prozent hinausgeht, macht den Markt kaputt. Und wenn die ökologischen Produkte keine vernünftige Wertschöpfung haben, lohnt sich die Produktion nicht. Ich kenne auch Betriebe, die inzwischen wieder aussteigen.

Die Bundesregierung will 2020 ein Tierwohllabel auf den Markt bringen. Bringt das etwas für die Bauern? Es gibt ja nun schon einige solcher Labels.

Ich halte davon nichts. Weil für den Bauern dabei nicht mehr bei rumkommt. Wir brauchen eigentlich nur ein Label.

Sie haben gut zwölf Jahre als Präsident den Landesbauernverband vertreten - und sich mit einer Menge Dinge beschäftigen müssen. Das Hochwasser 2013, die Milchkrise 2008. Das Jahr 2010, wo die Ernte fast abgesoffen ist. Das Krisenjahr 2016 mit Preiseinbrüchen, die Russlandsanktionen, der Dürresommer 2018. Was hat Sie am meisten Nerven gekostet?

Gute Frage! Das alles hat schon Nerven gekostet. Ich denke, die Milchkrise war eines der schlimmsten Dinge, die wir hatten. Das war schon heftig. Was mich 2018 bewegt hat: Wir dachten, es ist richtig, wenn wegen der Dürre die nationale Katastrophe ausgerufen wird. Ich bin mit rumgereist, um in anderen Bundesländern für Unterstützung zu werben. Damit die Bundesregierung mit einsteigt, müssen mindestens drei Bundesländer betroffen sein. Doch das kam als Bumerang zurück.

Inwiefern?

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte die Auszahlung der Dürrehilfen an eine Bedürftigkeitsprüfung geknüpft. Die Leute mussten sich ausziehen bis aufs Letzte, um das Geld zu kriegen. Schauen Sie: Für den Wald gibt's die staatliche Unterstützung jetzt einfach so. Ist das gerecht?

Sie haben vor fast zehn Jahren einmal gesagt: Wir müssen als Bauern lernen, Produkte in größeren Einheiten zu vermarkten: Ist das gelungen?

Zu der Aussage stehe ich nach wie vor. Wir haben Erzeugergemeinschaften aufgebaut. Mein Betrieb gehört einer an, die 110 Mitglieder hat und über 20 Millionen Euro Umsatz erzielt. Leider sind auch eine Reihe von Erzeugergemeinschaften aus verschiedenen Gründen wieder zerfallen. Da müssen wir weiter ran. Der Weg ist richtig.

 

 

Wolfgang Vogel

Der heute 67-Jährige war 2007 erstmals zum Präsidenten des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB) gewählt worden. Der SLB ist die größte Interessenvertretung der Bauern im Freistaat. Bei der Wahl des neuen Vorstandes am Donnerstag in Coswig tritt Vogel nicht mehr an. Sein Amt als Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes will der Agraringenieur noch bis Juni 2020 ausüben. Er ist auch Geschäftsführer der Bauernland GmbH in Beiersdorf bei Grimma.

Bewertung des Artikels: Ø 4.6 Sterne bei 10 Bewertungen
30Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    Inke
    17.09.2019

    Danke, cn3boj00! Viele verstehen hierzulande leider auch nicht, dass sich Umweltschutz und Wohlstand nicht ausschließen, sondern eher begünstigen. Anderswo hat man das auch schon begriffen. Zum Beispiel in weiten Teilen Süddeutschlands. Bei manchen Kommentatoren vermutet man sogar, sie machen auch gern Urlaub in Industrie- oder Katastrophengebieten. Die Umwelt- und Klimaprobleme sind leider real und nicht fiktiv. Irgendwann werden es alle einsehen müssen. ZDF: Klimawandel - Die Fakten mit Harald Lesch

  • 8
    2
    cn3boj00
    17.09.2019

    Ich hätte einen Gegenartikel mit der Überschrift: "Ich spreche dem Bauernverband jegliche Kompetenz bei Natur- und Landschaftsschutz ab".
    Zu den Fakten: auf der Internetpräsenz des Sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, welches seit 30 Jahren fest in CDU-Hand ist, kann man folgende Aussagen lesen:
    - In Sachsen hat in den letzten Jahrzehnten die Zahl der ausgestorbenen, vom Aussterben bedrohten oder in ihrem Bestand gefährdeten Arten stark zugenommen.
    - Hauptursache für den Bestandsrückgang der Pflanzen- und Tierarten ist die Zerstörung ihrer Lebensräume.
    - Über die Hälfte aller in Sachsen vorkommenden Lebensraumtypen gelten als gefährdet.
    - Die naturschutzgerechten Bewirtschaftungsformen weichen häufig von der aktuell gängigen Bewirtschaftungspraxis ab.
    - Die Gefährdung von Tier- und Pflanzenarten des Lebensraums Acker hat in den letzten Jahrzehnten drastisch zugenommen.

    Und so weiter und so fort... Was will ich damit sagen? Herr Vogel irrt, und wenn man das Insektensterben leugnet dürfte klar sein, wie man tickt. Da nützt es auch nichts, wenn man das Interview gut findet, weil es die Sicht "der Bauern" darstellt - wenn man nicht bereit ist sich zur Faktenlage zu informieren. Warum aber Grünen-Bashing? Die Zitate zeigen, dass die Probleme der Naturzerstörung durch die Landwirtschaft allbekannt sind, auch einer "schwarzen" Regierung. Das sind also keine grünen "inkompetenten" Hirngespinste. Doch es gibt einen Unterschied: Bisher hat die CDU erfolgreich dafür gesorgt, das trotz der bekannten Probleme der Landwirtschaft ein "weiter so" zugestanden wird. Das sieht man am zunehmenden Nitrateintrag ins Grundwasser, gegen den nichts unternommen wird. Das Ministerium von Herrn Schmidt kann zwar die Fakten nicht leugnen, aber dafür sorgen, dass man nicht darüber redet, um ungestört weiter der Bauernlobby, welche vorrangig die Interessen der Großagrarier vertritt (und aus der Herr Schmidt herkommt), zu dienen.
    Die Grünen wollen nun dummerweise, dass endlich etwas getan wird, das längst überfällig ist. Denn die Folgen der Lebensraumzerstörung werden meist erst nach Jahren sichtbar. So ist es wie beim Klimawandel: betroffen sind vor allem die Folgegenerationen. Was geht das uns, was geht das die Großagrarier, was geht das die CDU an?

  • 6
    8
    Interessierte
    14.09.2019

    Ich auch , wenn man nur mal diese Psychologin Dalbert her nimmt !
    Und aus welchen Berufen kommen die anderen "Grünen" ..... ?

  • 3
    9
    Lesemuffel
    13.09.2019

    tfr Eine Empfehlung. Lesen Sie doch bitte erst mal das Interview. Vielleicht unterlassen Sie dann die persönlichen Beleidigungen von Herrn Vogel. Seine vollkommen zutreffende der GRÜNEN haben Sie allerdings nicht dementiert. Gut so.

  • 2
    7
    CPärchen
    13.09.2019

    Danke für das Interview! Es ist schön, mal die Sicht von Bauern zu lesen.
    Auch Danke an Herrn Vogel!

  • 11
    5
    tfr
    13.09.2019

    Der Herr Vogel ignorierert alle wissenschaftlichen Studien und zeigt endlich mal das wahre Gesicht des Bauernverbandes, finster, einziger Lichtblick ist, dass sich da nicht alle Bauern vertreten fühlen und mitmachen. Es gibt also auch noch wirklich "schlaue Bauern"....

  • 8
    1
    Nixnuzz
    13.09.2019

    Vor kurzem gab es einen Bericht über die personellen Zusammenhänge von Verbänden mit der "Chemie-Industrie" und deren Regularienfestlegung. Die wichtigen Kanäle zur Geldumleitung anhand von EU-Vorschriften aus eigener, nationaler Feder liegen doch nur bei wenigen Personen bzw. in Personalunion. Zur Zeit scheint es noch peinlich zusein, das die Verbandsoberen das Wetter noch nicht in ihrem Sinne beeinflussen können! Was wann angebaut, wie gedüngt und wann geerntet wird, ist doch durchgestylt.

  • 14
    3
    cn3boj00
    13.09.2019

    @saxon, gut dass Sie anerkennen dass es Defizite gibt, das freut mich. Auch dass hier mal nicht die bekannten Stimmen Grünen-Bashing machen, was mich echt schockiert, wie da geredet wird. Es gibt sogar Parteiredner welche die Grünen zusammen mit den Arabern in ein Flugzeug stecken würden.
    Ich bin übrigens nicht parteiaffin und habe die Grünen aus verschiedenen Gründen nicht gewählt, aber Tatsache ist dass wir es Ihnen zu verdanken haben, dass inzwischen über das Thema Nachhaltigkeit und Biodiversität gesprochen wird, wenn auch viel zu wenig. Allein dass in der FP so ein Aufreißer gemacht wird, der den Grünenhassern in Sachsen wie Öl runter geht, wöährend die Stimmen der anderen untergehen. Ich würde gern für ein Interview zur Verfügung stehen, welches die Überschrift hat "Ich spreche dem Bauernverband jegliche Kompetenz für den Schutz der Natur und der Landschaft ab".
    Dabei richte ich mich nicht gegen die Landwirte. Die tun, was vermeintlich - dank solcher Leute wie Vogel - richtig erscheint. Die pfluglose Bearbeitung z.B. ist politisch propagiert, von fragwürdigen Studien "schwarzer" Landwirtschaftsministerien gestützt, nicht von unabhängigen Wissenschaftlern. Mein Abgeordneter meint sogar, dass sei von der EU vorgegeben. Das glaube ich nicht, bestenfalls, dass es dafür noch mehr Geld gibt als für konventionelle Bearbeitung.
    Was Vogel zu den Insekten sagt ist Unsinn. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass es inzwischen mehr Insekten in der Stadt als auf dem Land gibt! Natürlich nicht in Betonwüsten, dass ist klar. Gleiches gilt für Vögel. Die Feldvögel überleben inzwischen nur noch dank Ganzjahresfütterung von Kleingärtnern und Häuslebauern. Mais ist für die Biodiversität völlig nutzlos, auch das ist erwiesen. Und Raps blüht 4 Wochen, dann ist es vorbei.
    Dass wir von Parteien regiert werden ist ja richtig, aber nicht alternativlos. Jeder kann eine Wählervereinigung bilden und mit Unterstützerunterschriften kandidieren. Aber die Wählermehrzahl ignoriert das. Auch die 5% Hürde ist daran schuld. Aber das führt jetzt zu weit.
    Jedenfalls meine ich, dass es nicht unsere Aufgabe ist, Alternativen zum jetzigen intensiven Großagrariertum zu finden. Was dieser Mann zur ökologischen Landwirtschaft sagt ist genau so dumm. Ich denke die Mehrzahl der Menschen würde z.B. lieber Fleisch von Weidetierhaltung essen als von Gülleerzeugern. Schuld sind die Kostenstrukturen und Freihandelsabkommen, durch die der Markt mit Billigprodukten überschwemmt wird, die im Ausland produziert werden. Die Landwirtschaft hier ist dagegen so oder so nicht konkurrenzfähig. Deshalb sollte de EU nicht länger eine Landwirtschaft fördern, die gegen den Druck aus Südamerika oder Asien bestehen will, sondern die sich davon abhebt ,it nachhaltiger Wirtschaft.
    Übrigens zum Thema Kompetenz: Auf Druck auch wieder der EU gibt es z.B. in Sachsen eine Programm "Biologische Vielfalt 2020", vom Gülleministerium beauftragt, und zwar 2010. Denn seitdem wissen die Politiker ums Artensterben, nein eigentlich schon seit den 90ern, denn es gab vorher schon ein misslungenes Programm. Man weiß es, aber der Ball wird gaaanz flach gehalten. Denn kaum einer kennt dieses Programm, selbst umweltpolitische Sprecher ihrer Fraktion stutzen. Und das wundert nicht, denn in diesem Programm wurden 80 Maßnahmen bis 2020 beschlossen, und der Zwischenbericht 2018 zeigt den Erfüllungsgrad: 3 (drei) Maßnahmen wurden bisher erfüllt. Soviel zur Kompetenz des CDU-Ministeriums.

  • 10
    2
    saxon1965
    13.09.2019

    @Lesemuffel: Da vermischen sie aber einiges.
    Über die Ansichten des Herrn Vogel kann man streiten und auch ich meine, dass es nicht so einfach schwarz-weiß ist.
    Aber gerade "Urban Farming" oder "Essbare Städte" können mehrere positive Effekte haben. Neben einem höheren Bewusstsein und größeren Nähe zu seinen Lebensmitteln, werden Städte grüner, sinnvoller genutzt, das urbane Klima verbessert und Transportwege minimiert. Dagegen sollte niemand etwas haben.

  • 9
    13
    Lesemuffel
    13.09.2019

    Natürlich hat Herr Vogel Recht. Auch wenn er hier im Forum niedergemacht wird. Die GRÜNEN haben schon Kompetenzen und zwar im Verbieten, Verteuern, Angstmachern. Die Weltbevölkerung wächst und wächst, derweil die natürlichen Ressourcen auf dem Lande an natürliche Grenzen stoßen. Neben der notwendigen Intensivierung der LW werden weitere Möglichkeiten gesucht, um die Ernährung zu sichern. Beispielsweise Urban Farming. Mit GRÜNEN bzw. überhaupt mit Ideologen ist das nicht zu machen.

  • 12
    0
    saxon1965
    13.09.2019

    @Juri: Daumen hoch für ihr flammendes Plädoyer.
    Wir leben in einer s. g. Demokratie, die es ausschließlich (außer wenige Kommunale) Parteien erlaubt zu regieren. Auch dies ist nicht alternativlos!
    Solange sich die Menschen nicht klar machen, für wessen Wohl regiert wird auf dieser Welt, solange kämpfen sie wie "Don Quijote gegen Windmühlen" ohne Wissen wo es den berühmten Hebel anzusetzen gilt.
    Aber noch einmal: Wir müssen uns dann auch ehrlich eingestehen, dass wir nicht so weiterleben können und ja, es kann und sollte Jeder bei sich selber anfangen.
    Beim Beispiel Lebensmittelverschwendung brauchen wir nicht auf die Politik zu warten, da kann jeder Mensch bei sich zu Hause und beim Einkauf anfangen! Dass die Politik verhindern muss, dass am Ende des Tages, Lebensmittel Tonnen weise direkt vernichtet werden, ist auch richtig. Schaut man jedoch in private Haushalte, dann sage ich mir oft, dass unsere Nahrungsmittel viel zu billig zu haben sind.

  • 19
    4
    Juri
    13.09.2019

    Wir brauchen zuallererst keine Partei lieber Saxon 1965. Wir brauchen vor allem die Erkenntnis und das Bewusstsein, unsere Erde gibt es nur einmal. Wenn wir die entgegen jedes besseren Wissen zerteppern, dann war`s das.
    Wir müssen endlich aufhören auf den anderen zu schauen. Wir müssen aufhören die Situation zu verdrängen und wir müssen bei uns anfangen.
    Wer nicht bedingungslos das von cn3boj00 Geschriebene unterschreiben kann, der hat immer noch nicht verstanden wie spät es ist.
    Panik und Hetze sind keine guten Begleiter. Aber Zeit haben wir auch keine mehr. Wir müssen denen, die an verantwortlicher Stelle arbeiten und regieren noch viel mehr Druck machen.
    Es ist doch keinem Menschen zu erklären, warum Glyphosat weiterhin bis 2023 verwendet werden darf und männliche Kücken entgegen jeder menschlichen Moral und Verantwortung vor der Schöpfung vorerst weiter zerhäckselt werden. Warum werden solche unsinnigen, schädlichen Vorgänge nicht sofort unterbunden? Wir werden nicht verhungern. Und der Satz: "Das ist alternativlos", ist total unsinnig und ermuntert niemanden nach neuen Wegen zu suchen. Es gibt immer und für (fast - Sterben) alles eine Alternative. Man muss nur gemeinsam suchen und sie auch finden wollen.
    Ja und wir müssen genau das von den Regenwürmern, den Mäusen, den Vögeln etc., was cn3boj00 geschrieben hat, unseren Kindern erzählen. Wir müssen viel mehr informieren und wir alle müssen mitmachen. Unsere Mitmenschen müssen doch wissen, unter welchen Umständen Blumen für 1,99 € gezüchtet werden. Sonst werden die gekauft.
    Bei der Rettung unserer Welt hilft uns keiner. Das müssen wir schon selber machen. Wie sie aussehen muss, wie sie funktionieren kann, das wissen wir doch.
    Wenn wir weiterhin so wie Herr Vogel argumentieren, dann denken wir zuerst darüber nach wie es nicht geht. Und diese Denkweise, die hat schon viel zu viel Schaden angerichtet.
    Das unsere Menschenwürde unantastbar ist, das haben wir unverrückbar aufgeschrieben. An unser Erde, da darf aber "jeder" Quacksalber nach Belieben rumdoktern.

  • 17
    4
    Inke
    13.09.2019

    Es ist wohl wirklich besser, dass er Platz für Nachwuchs macht. Die Folgen unseres schonungslosen Umgangs mit Umwelt und Ressourcen müssten eigentlich auch ihm mehr als bewusst sein. Seine Argumentation diesbezüglich ist weitgehend unangebracht bzw. falsch. Das Rebhuhn ist in Sachsen längst ausgestorben, der Feldhamster so gut wie, um nur zwei Vertreter zu nennen. Heimische Schmetterlingsarten sind auch stark zurückgegangen. Dass er das verharmlost zeigt, dass er den Posten nicht mehr zeitgemäß erfüllen kann. Landwirtschaftliche Großflächen sind mit Sicherheit keine echten Lebensräume für die allermeisten Insekten. Was soll man dazu sagen, dass selbst in sächsischen Vogelschutzgebieten (z.B. Moritzburger Kleinkuppen) immernoch Glyphosat ausgebracht werden darf (MDR exakt)? Recht hat er allerdings damit, dass der Landwirtschaft und ihren Produkten mehr Wertschätzung entgegengebracht werden muss. 12 Mio. Tonnen weggeworfene Lebensmittel pro Jahr in Deutschland sind einfach unnötiger Wahnsinn. Da muss die Politik endlich mal handeln. Es könnte sehr viel erreicht werden, wenn nur echter Wille zur Veränderung da wäre.

  • 17
    2
    saxon1965
    13.09.2019

    @cn3boj00: Großteils sehr gute Kommentare, auch ihrer. Die meisten der Menschen sind soweit nicht entfernt mit ihren Meinungen und auch was sie schreiben stimmt. ABER wie sehen die Alternativen aus? Ohne in Abrede zu stellen, dass sich etwas ändern muss!
    Zuerst gehört den Menschen die Wahrheit gesagt. Es gibt keinen s. g. Wohlstand zum Nulltarif und wir sollten den Begriff Lebensqualität neu definieren.
    Letztlich hängt das Alles mit, wie schon erwähnt, dem Wirtschafts- und Finanzsystem zusammen und zwar global.
    Leider gibt es zur Zeit keine bekannte Partei, die das ehrlich und schonungslos sagt, denn das wäre hochgradig unpopulär und wir Menschen müssten Alles in Frage stellen, was unser momentanes Leben aus macht.

  • 22
    4
    cn3boj00
    13.09.2019

    @saxon: doch, sie zerstören ihr Grundkapital, den Boden. Denn das sind Vorgänge, die dauern lange. So ähnlich wie beim Klima. Und was sich nicht von heute auf morgen sichtbar auswirkt wird ignoriert. Denn es sind ja die Folgegenerationen, die es ausbaden müssen.
    @Deluxe: ihr Beitrag ist unqualifiziert und geht am Thema vorbei.

    Halten wir fest: aktuell wird von einem Ministerium, in dem sich die verfeindeten Pole Landwirtschaft und Umweltschutz treffen, natürlich nie ohne Lobbyeinschätzung beurteilt. Der Mensch und erst recht die Natur hat dabei keine Lobby. Die intensive Landwirtschaft ist maßgeblich verantwortlich für das Artensterben, oder den Verlust an Biodiversität, wie man es zwar treffender, aber unpopulärer umschreibt. Und das ist keine grüne Behauptung, sondern wissenschaftlich belegt, auch von staatlichen Stellen! Sogar die EU ist darauf aufmerksam geworden.
    Ich hatte dazu heute einen Ortstermin auf dem Feld mit meinem Abgeordneten. (Nicht dem den ich gewählt habe sondern dem, den andere für mich gewählt haben und der mich nun vertritt. Ich kann jedem empfehlen, diese Möglichkeit zu nutzen, da erfährt man praktisch wie diese Leute ticken.)
    Dass es einen starken Rückgang an Insekten gibt ist inzwischen unumstritten. Dass das gleich im Boden passiert ist noch eher ein Geheimnis. Dass es bei uns - in einem Vogelschutzgebiet! - keine Ackerrand- oder Blühstreifen gibt hat er nun gesehen. Dass am Himmel - in einem Vogelschutzgebiet! - nichts mehr fliegt hat er auch gesehen. Die Bussarde und Rotmilane sind weg (nein, nicht von Windrädern geschreddert!). Stare und Feldsperlinge sind weg. Dass es früher, als die Hälfte der Flächen noch Grünland war, Hasen, Dachs und Hermelin gab löst Schulterzucken aus - man weiß ja gar nicht mehr was das ist.
    Früher rannten die Mäuse noch über den Weg, von einer Feldseite auf die andere. Hier rennen keine mehr. Früher kamen nach einem Regen die Regenwürmer heraus und waren überll auf den Wegen, man musste aufpassen, dass man nicht mit jedem Schritt einen zertrat. Hier nicht mehr. Bitte, mancher mag sagen: bei mir ist das alles gut. Hab ich vor drei Jahren auch gedacht.
    Zum großen Teil Schuld gebe ich der "fortschrittlichen" pfluglosen Bodenbearbeitung. Übrigens damals protegiert von der Firma Gruma Agrar, in deren Vorstand Minister Schmidt war. Letztlich stand in der FP zu lesen: Zitat Schmidt: die Halme, die nach der Ernte einfach auf dem Feld liegenbleiben, werden von den Regenwürmern als Nahrung in ihre Röhren gezogen. Bei uns zieht niemand was. Ich habe nach dem letzten Regen 1 qm Acker aufgegraben (man kommt nur noch ca. 10 cm tief hinein) und keinen Regenwurm gefunden, obwohl die sich doch dank der pfluglosen Bearbeitung vermehren sollen! Meine Theorie: den Bodenlebewesen fehlt es - wie den Insekten - an Nahrung. Früher wurde Mist ausgebracht und untergepflügt. Früher wurde Gründüngung angebaut und untergepflügt. Heute wird Zwischenfrucht angebaut, um die dünner Krume vor dem Wind zu schützen, der sie wegweht, oder dem regen, der sie wegspült. Und was weg ist ist weg. Boden wächst nicht nach. Vor der Aussaat aber wird alles - auch "Gründünger" - mit eine Totalherbizid getötet. Auf das nichts in den Boden komme! Denn dann hat der einen viel höheren Nährstoffbedarf, und es darf nach deutschem Düngerecht viel mehr Gülle ausgebracht werden. Die muss ja weg. Mist gibt es ja dank "moderner" Tierhaltung nicht mehr. Doch die Gülle läuft ins Grundwasser. Nitratgehalt steigend, bei uns inzwischen von 83 (2016) auf 109 (bei 50 erlaubt). Die EU will Deutschland deshalb verklagen. Maßnahmen? Keine. Denn Leute wie dieser Vogel verhindern das.
    Der Abgeordnete war immerhin nachdenklich. Das Problem mit den Grünen wird man lösen, indem die Gemeinschaft Umwelt- und Landwirtschaftsministerium aufgehoben wird. Die Grünen bekommen dann die Umwelt, die Landwirtschaft bleibt schwarz. Nichts ändert sich.
    Ich bin kein Bauer. Ich bin ehemaliger Städter, der keine Ahnung hat. Nur Augen, um zu sehen. Bitte denkt darüber nach.
    Und wer noch mehr wissen will, dem empfehle ich dieses Büchlein, dass ich vor kurzem gefunden habe, als ich mich gefragt habe ob denn niemand sonst das sieht. Susanne Dohrn: Das Ende der Natur. Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür.

  • 25
    3
    Hirtensang
    12.09.2019

    Herr Vogel geht in seinem Frust, den Grünen jegliche Kompetenz für die Landwirtschaft abzusprechen zu weit. Man muss ideologiefrei zwischen Umweltschutz und Existenzsicherung der landwirtschaftlichen Unternehmer einen gesunden Kompromiss finden. Mit einem Anteil von 0,7 bis 0,8 Prozent an der Wertschöpfung des Industriegiganten Deutschlands spielt die Landwirtschaft unter diesem Aspekt eine untergeordnete Rolle, aber sie erzeugt, wie einige andere europäische Länder auch, qualitativ hochwertige Erzeugnisse für die deutsche Bevölkerung. Ihr sollte deshalb von der Bevölkerung eine größere Wertschätzung entgegen gebracht werden.
    Wer im Discounter für 3 Euro einen Strauß Rosen aus Kenia kauft, macht sich gedankenlos an der Natur und an der Gesundheit der Plantagenarbeiter schuldig. Das Beispiel zeigt den komplexen Charakter des Spannungsfeldes Mensch und Natur. Seit der Arbeitsteilung vom Sammler und Jäger in Ackerbauer und Viehzüchter ist der Landwirt ein Akteur in diesem Spannungsfeld, einerseits will er seinen Boden als wertvollsten Besitz schonend nutzen, andererseits muss er für seine Familie die finanzielle Existenz sichern. Bei dem gegenwärtigen Preisdruck auf seine Erzeugnisse, den finanziellen Vorleistungen für Investitionen und den daraus resultierenden Kapitaldienst ist der Landwirt gezwungen sich dem System des gesamten Wirtschaftens (mehr , billiger, aber nicht immer besser!) anzupassen.
    Es wird zu recht im Forum bemängelt, warum Deutschland Milchäquivalente exportiert und annähernd die gleiche Menge importiert - nach dem Grundsatz: "Und ist der Handel auch sehr klein, bringt er doch mehr als Arbeit ein". Auch von diesem "Mehr" profitiert der Landwirt nicht! Der Landwirt ist der letzte und schwächste in dieser Wirtschaftskette.
    Die Ausbeutung der Erde durch die moderne Wirtschaft einschließlich der Nahrungsgüterproduktion ist komplexer Natur und lässt sich nur durch Änderung des Gesamtsystems ändern.
    Übrigens ist der Standpunkt der Grünen zur sinnlosen Ressourcenvergeudung durch Rüstung, Kriege und Manöver viel zu leise. Dies war vor J. Fischer anders.
    Saxon, 1371270 und Acals "grüne" Daumen

  • 11
    5
    Juri
    12.09.2019

    Besseren Vorschlag mit zwei Pferden an Bord? Ja gut die Kutsche, aber wir hatten nur 8 Tage frei.

  • 6
    16
    Hinterfragt
    12.09.2019

    @Juri; Österreichreise mit dem Auto? Ei, ei, ei ...

  • 24
    11
    Juri
    12.09.2019

    Nun Herr Präsident, wenn Sie ihre Autoscheibe täglich putzen, dann ist das löblich und dient der Verkehrssicherheit. Aber aufgegabelte Insekten dürften da nicht die Verursacher sein.
    Ich hab nach unserer letzten Österreichheimreise tatsächlich gezählt. Es waren 14 tote Insekten auf unserer Frontscheibe. Noch vor Jahren habe ich nach zwei Drittel der Heimreise, an einer Tankstelle, flott mal mit einem Wischmopp die Scheibe wieder durchsichtig gemacht.
    Ihre Argumente sind doch albern, passen nicht in die Zeit, verunsichern und damit nehmen Sie Ihre Mitmenschen nicht ernst.
    Und übrigens, Sorgen machen sich schon lange nicht mehr nur die "ungebildeten Grünen". Sorgen macht sich inzwischen fast die ganze Bevölkerung. Ihre Mitbürger sind durchaus auch informiert und gebildet. Auf der Wurstsuppe kommen zunehmend weniger Menschen daher geschwommen.
    Nur die die damit ihr Geld verdienen und eigentlich Fachverstand haben müssten, die erklären der Welt: "Alles nur Panik, alle keine Ahnung - lasst uns mal machen". Nein Herr Präsident, der aktuelle Gegenwind ist keine Panik, der ist echte Sorge um unsere Schöpfung.

  • 28
    15
    christophdoerffel
    12.09.2019

    Der hat die Ideologie der sozialistischen LPGs aber gut verinnerlicht.

    Ich frage mich ob, ich im Sommer mit dem Rad über andere Felder gefahren bin. Das waren riesige Monokulturen soweit das Auge reicht in Mittelsachsen.

    Der gute Mann erfüllt alle Klischees vom Grünenhass über das Preisen der konventionellen Landwirtschaft und das Jammern übers Wetter bis hin zum betteln um mehr Subventionen. Bei solchen Funktionären werden Satiriker arbeitslos.

  • 21
    9
    saxon1965
    12.09.2019

    @ MüllerF: " ... permanent an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen?"
    Es mag sein, dass die industrielle Landwirtschaft in Deutschland Dinge einsetzt bzw. tut, die prinzipiell gesehen umweltschädlich sind. Ihr Grundkapital, den Grund und Boden vergiften oder vernichten, wird auch dieser Unternehmer in der Regel nicht.
    Es stellt sich nur die Frage und da macht man sich leider nicht ehrlich (besonders von Seiten der Grünen), welche Alternativen hat diese unsere deutsche Landwirtschaft?
    Da reden wir über ganz einfache Sachen wie Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Akzeptanz oder wollen sie mindestens das Doppelte für Lebensmittel ausgeben (wehe sie fahren dann zum Einkaufen nach Polen oder Tschechien), in ihrem Urlaub mit der Hacke in der Hand Unkraut bekämpfen (es gab mal s. g. Kartoffelferien) oder möchten sie den Menschen erklären, warum es Samstagabend um 20 Uhr im Kofi keine Steaks mehr gibt?

  • 25
    14
    Deluxe
    12.09.2019

    Mit Verlaub, aber eine Partei, deren Vorsitzende von der Stromspeicherung im Netz spricht, scheint tatsächlich nicht allzuviel naturwissenschaftliches Knowhow zu haben.
    Wenn Ideologie auf Wirklichkeit trifft, wird es eben oft prekär.

  • 38
    16
    MuellerF
    12.09.2019

    "Ich spreche den Grünen jede Kompetenz für Landwirtschaft ab"

    Wie muss es da um die Kompetenz von Landwirten bestellt sein, die mit Monokulturen, Pestiziden & Überdüngung permanent an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen?

  • 19
    12
    saxon1965
    12.09.2019

    @ 1371270: Da ist was Wahres dran!
    @ Lexisdark: Man kann sicher nicht allen "Städtern" Wissen absprechen, aber es stimmt leider auch, dass sehr viele Menschen Zusammenhänge in der Natur nur vom Hören-Sagen kennen.

  • 29
    5
    saxon1965
    12.09.2019

    Das Alles ist sehr kompliziert und, obwohl ich ein wenig in der Materie stecke, möchte ich mir kein Urteil erlauben. Nur mal so viel zum Nachdenken:
    1.) Es gibt eine Überproduktion. Warum?
    2.) Man wird nicht (zu erschwinglichen Preisen) die Masse an (Welt)Bevölkerung mit Öko-Landwirtschaft satt bekommen.
    3.) Soja zu importieren ist ein Politikum (USA - Handelsdefizit u. ä.).
    4.) Einem Bauern sollte man mehr Respekt entgegenbringen als einem Autobauer. (Menschlich gesehen natürlich beiden gleich!)

    Letztlich sind Agrarbetriebe genau wie jedes andere Unternehmen gewinnorientiert, ob durch Erwirtschaften oder Subventionen. Es ist ein Gesetz des Systems, dass alles nur durch Wachstum am Leben gehalten wird!

  • 31
    2
    acals
    12.09.2019

    Ausser jeder Diskussion wird der "Bauernstand" durchaus stiefmuetterlich behandelt bzw. es wird dem ueber Jahrhunderte der Natur abgerungenem Wissen wenig Respekt entgegengebracht. Das ist aber die (Essens)Grundlage unseres Lebens.

    Das bedeutet aber andererseits nicht, dass sich auch ein Bauernpraesident nach bestem Wissen und Gewissen zu informieren hat. Persoenlich spreche ich ihm deswegen die Eignung ab, zeitgemaesse Probleme auch nur ansatzweise abzubilden.

    Fatal: Das uebergeguelle ueber unsere Felder. Noch fataler: Es geht garnicht so sehr um die Versorgung der Anwohner etc, es geht um Export in immensen Dimensionen. Die Niederlande und Daenemark - wieviel Kuehe halten die fuer ihre Milch/Fleisch - wieviele Schweinemastbetriebe gibt es dort? Die freuen sich ueber die deutschen Bauern, die praktisch deren Versorgung mit uebernommen haben ... und nicht nur deren.

    Ich zitiere: https://www.deutschlandfunk.de/antibiotika-guelle-im-boden-foerdert-resistenzen.676.de.html?dram:article_id=294608

    Ich verweise auf das BMBF Projekt Reset (reset-verbund.de)

    Fuer noch mehr fachkompetente Info guggst/googelst Du hier "manfred grote uni paderborn" - der hier angesprochene Analytiker wurde uebrigens von den Nachwuchschemikern der TU Chemnitz zu einem Vortrag eingeladen, nach dem Vortrag war im Saal erstmal komplette Ruhe ... denn die Zeitbombe (sprich Guelle) tickt.

  • 35
    7
    Lexisdark
    12.09.2019

    @ 1371270 ganz unabhängig davon, dass es in Sachsen nicht nur in der Landwirtschaft ökologischer zugehen soll. Speziell die Themen Braunkohle, Wolf, Wälder haben auch einige Wähler zu den Grünen gebracht. Und auch Städter können da nicht nur Interesse sondern auch Wissen vorweisen. Auch wenn man es anhand von Steingarten und massiven Baumfällungen, die die CDU damals quasi ohne Bedenken erlaubt hat, kaum glauben möchte. Ich spreche den Landwirten umgekehrt ja auch nicht mangelnde Kenntnis über Strom und Straßenbau ab. ????

  • 28
    43
    1371270
    12.09.2019

    Endlich mal jemand, der sachlich und vernünftig über die Landwirtschaft und deren Probleme redet.
    Es ist ja auch bezeichnend, dass die Grünen ihre Hochburgen nicht auf dem Lande sondern überwiegend in den Großstädten haben (siehe Leipzig). Die allermeisten können doch kaum ein Weizen- von einem Roggenfeld unterscheiden.
    Und Insekten?! Wehe, es kommt mal eine Wespe in die Nähe!

  • 44
    5
    Lexisdark
    12.09.2019

    "Von 33,1 Mio. Tonnen Milch, die von den deutschen Molkereien verarbeitet werden, sind 16,6 Mio. Tonnen, also die Hälfte, für den Export bestimmt, mit zunehmender Tendez. Dagegen wird vergleichsweise nur ein geringer Anteil an die weiterverarbeitende Industrie und an Großverbraucher geliefert. Deutschland importiert jedoch auch nicht unwesentliche Mengen (12,2 Mio. Tonnen) an Milchprodukten und generiert mit deren Handel Wertschöpfung." Quelle milchindustrie.de

    Vielleicht sollte man langsam mal damit aufhören, Millionen von Tonnen Milch nach Asien zu karren. Dann könnten man die Milchproduktion auf ein gesundes Maß reduzieren.
    Wie bei alle Subventionen sollte man diese nie mit der Gießkanne verteilen. Weder bei Kohle, Landwirtschaft oder im Wald. Und dass man die Düngung einschränkt, hat auch Gründe, auch wenn die Nitrate in tieferen Bodenschichten aus vergangenen Jahrzehnten kommt. Mit weniger Tieren in den Export um die halbe Welt wäre auch die Entsorgung" der Gülle lösbarer.

    Weiß ja nicht, was für Insekten der gute Mann in Mais und Getreide findet. Und Blühstreifen oder Hecken sind auch nicht nur für ein Jahr Pollen und Nektar da. Da soll sich dauerhaft ein Rückzugsort für Insekten, Vögel und kleine Säugetiere bilden. Und irgendwie klingt es beim Herrn Vogel so, als wären ihm die Ökolandwirte egal oder ein Dorn im Auge. Komischerweise können einige nicht wenige ganz gut und teilweise besser damit leben, vor allem finanziell, als konventionelle.
    Am Ende kann es ein weiter so aber auch nicht mehr geben.

  • 39
    27
    Blackadder
    12.09.2019

    Wie soll man einen Landesbauernverband-Präsidenten ernst nehmen, der leugnet, dass es weniger Insekten gibt? Alternative Fakten jetzt auch schon bei den Bauern, die ja eigentlich sehen müssten, was derzeit in Richtung Vogel- und Insektensterben und Klimawandel abgeht? Solange hier kein Umdenken einsetzt, wird sich nichts ändern.



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