Iran-Sanktionen treiben den Ölpreis erneut nach oben

Geht es nach Donald Trump, wird ab Anfang Mai kein Fass Rohöl mehr den Iran verlassen. Mit seinem Konfrontationskurs schürt er weltweit die Sorge vor Lieferengpässen.

Frankfurt (Main).

Benzin ist so teuer wie zuletzt Anfang Dezember - und es könnte noch schlimmer werden. Denn die Ankündigung der US-Regierung, die Ausfuhr von Öl aus dem Iran komplett zu unterbinden, hat dem Rohstoff einen neuen Kurssprung beschert: Die Nordseesorte Brent verteuerte sich am Dienstag um drei Prozent auf über 74 Dollar pro Barrel (159 Liter). "Die USA verschärfen die Angebotsknappheit am Ölmarkt", kommentierten die Rohstoff-Analysten der Commerzbank. US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Montag erklärt, die Vereinigten Staaten wollten den Verkauf von Öl als wichtigste Einnahmequelle Irans endgültig austrocknen. Bereits im November hatte Washington mit Strafen für Unternehmen und Länder weltweit gedroht, die Geschäfte mit dem islamischen Staat tätigen. Den größten Abnehmern iranischen Öls wurde aber eine sechsmonatige Gnadenfrist gewährt, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich um neue Lieferanten zu bemühen. Diese Frist läuft nach Pompeos Worten am 2. Mai aus. Nur so könne der Iran daran gehindert werden, militante Gruppen wie die Hamas in Israel oder die Hisbollah im Libanon zu unterstützen.

Von der US-Entscheidung unmittelbar betroffen sind China, Indien, Südkorea, die Türkei und Japan. Doch die Verschärfung der US-Sanktionen droht auch Europa zu treffen. Denn wenn die iranischen Ölexporte komplett zum Erliegen kämen, "würde sich das Defizit am Ölmarkt auf bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag ausweiten", schreiben die Experten der Commerzbank. Die Folge wären weitere Preissteigerungen. Allerdings sei fraglich, ob China der Aufforderung der USA Folge leisten werde. Peking hat bereits gegen die Drohungen Washingtons protestiert. Einseitige Sanktionen seien nicht akzeptabel, erklärte Außenministeriumssprecher Geng Shuang. Auch die US-Verbraucher leiden unter steigenden Ölpreisen. Zwar wird ein Großteil des amerikanischen Energiebedarfs aus heimischen Quellen gedeckt, unabhängig vom Weltmarkt sind die Vereinigten Staaten aber nicht. Vergangenen Freitag griff US-Präsident Donald Trump deswegen die Organisation Erdöl produzierender Länder (Opec) scharf an: "Sieht so aus, als wäre die Opec schon wieder am Werk. Die Ölpreise sind künstlich sehr hoch!", schrieb Trump auf Twitter. Tatsächlich hatte das Kartell im Dezember, als sich der Ölpreis im Sinkflug befand, eine Förderkürzung beschlossen. Der starke Rückgang der Opec-Produktion seit Herbst 2018 gehe aber nicht allein auf diese Entscheidung zurück, schreibt LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert in einem Kommentar. Vielmehr hätten auch die bisherigen US-Sanktionen gegen den Iran sowie das politische Chaos in Venezuela dazu beigetragen. Die US-Regierung setzt nun offenbar darauf, dass ihr enger Verbündeter Saudi-Arabien der Opec seine Förderung wieder hochfährt. Nach Einschätzung der Commerzbank kann das Land seine Produktion aber lediglich um 0,5 Millionen Barrel erhöhen, wenn es seine Partner in der Opec nicht verprellen will. Ein Totalausfall der iranischen Exporte wäre damit nicht zu kompensieren.

Einen Leitartikel zum Thema lesen Sie auf Seite 4.

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