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Neue Probleme beim ICE4

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Die Deutsche Bahn muss bei ihrer neuen Fahrzeugflotte wieder nachbessern: Nach den unbequemen Sitzen sollen nun auch die auffälligen Achsen zum Teil getauscht werden. Intern wächst der Unmut über die Pannen-Baureihe.

Berlin.

Die ICE-Flotte der Deutschen Bahn AG ist bald 30 Jahre in Betrieb. Das Jubiläum des Hochgeschwindigkeitsverkehrs auf der Schiene in Deutschland wird nun durch erneute technische Probleme getrübt. Besonders der ICE 4 entwickelt sich zum Sorgenkind für den verlustreichen Staatskonzern und den Hersteller Siemens Mobility. Nach Informationen unserer Redaktion müssen insgesamt 800 Radsätze der bis Ende 2020 ausgelieferten Hightech-Flitzer wegen Qualitätsproblemen überprüft und teils getauscht werden.

Ein DB-Sprecher bestätigte knapp eine Woche nach Bilanz-Pressekonferenz und Aufsichtsratssitzung die Probleme und erklärte, bereits Ende letzten Jahres seien bei einzelnen Rädern von ICE-4-Zügen Auffälligkeiten festgestellt worden. Dabei gehe es um "Materialeinschlüsse", die nicht den Qualitätsanforderungen entsprächen. Der Hersteller Siemens Mobility soll daher 800 Radsätze bis Sommer im Rahmen der Gewährleistung erneut und verschärft per Ultraschall überprüfen. Erst nach bestandener Prüfung will die DB die Achsen wieder einbauen. Die Aufsicht beim Eisenbahn-Bundesamt wurde informiert.

Der Staatskonzern betont, die Sicherheit im laufenden Bahnbetrieb sei "zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt". Für den Betrieb und die Kunden hätten die verschärften Prüfungen "keine Auswirkungen". Beim ganz neuen 13-teiligen ICE 4 gebe es keine Beanstandungen. Dieses XXL-Modell mit 374 Metern Länge und 914 Sitzplätzen wird von Siemens seit einigen Monaten ausgeliefert, bestellt sind 50 Züge.

Der ICE 4 verstärkt seit Ende 2017 die DB-Flotte, aktuell sind 73Züge in Betrieb. Bestellt wurden insgesamt 137 Stück für rund sechs Milliarden Euro, die bis Ende 2024 aus dem Siemens-Werk Krefeld kommen sollen. Eine Sprecherin des Hightech-Konzerns aus München erklärte, die betroffenen Laufräder habe Bombardier Transportation geliefert. Die Firma wiederum, die vom Konkurrenten Alstom übernommen wurde, soll die auffälligen Räder vom führenden deutschen Hersteller GHH erhalten haben.

Bombardier, einst größter Bahntechnik-Konzern weltweit, wurde durch zahlreiche Qualitäts- und Lieferprobleme zum Sanierungsfall. So ist der Hersteller aktuell unter anderem bei den ICE-2-Doppelstöckern für die DB wegen Softwareproblemen in Verzug. Beim ICE4 musste Siemens die Auslieferung bereits monatelang stoppen, weil die Wagenkästen in einem polnischen Bombardier-Werk nicht nach Vorschrift geschweißt wurden.

Seit dem Start gab es bereits einige Probleme beim ICE4 auch mit Türen, Toiletten und der Zugsteuerung, die nicht richtig funktionierten. Solche Kinderkrankheiten seien bei komplexer Technik nicht ungewöhnlich, heißt es beim Konzern. Besonders peinlich: Weil viele Fahrgäste über mangelnden Komfort klagen, werden nun bei den meisten ausgelieferten Zügen schon nach kurzer Zeit sämtliche Sitze getauscht, mehr als 40.000 allein beim ICE4. In Lokführer-Kreisen sind wenig schmeichelhafte Kommentare zum ICE4zu hören. Der Zug gleiche "einem fahrenden Schrotthaufen", es seien viele Billigteile verbaut worden. Auch beim Konzern hält sich intern die Begeisterung über die Baureihe 412 in Grenzen.

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