Prosecco soll Rotkäppchen die Türen zum Weltmarkt öffnen

Deutschlands größter Sekterzeuger lebt bislang nur vom Heimatmarkt. Das soll sich ändern. Ein Zukauf in Italien wird dabei helfen.

Leipzig/Freyburg.

Rotkäppchen-Mumm-Chef Christof Queisser geriet fast ein wenig ins Schwärmen, als er bei der Jahrespressekonferenz am Dienstag in Leipzig das Thema Prosecco anschnitt. Grund dafür ist der jüngste Zukauf der Freyburger Firmengruppe. Erst im Februar hatte Rotkäppchen-Mumm die angesehene Prosecco-Manufaktur Ruggeri im italienischen Valdobbiadene erworben. Die Kellerei hebt mit zwei Millionen Flaschen pro Jahr den Absatz von Deutschlands größtem Schaumweinerzeuger (2016: 178 Millionen Flaschen Sekt) zwar nur unwesentlich an. Doch für den Ausbau des Auslandsgeschäftes sei der Kauf ein großer Schritt, hieß es.

Ruggeri ergänze das eigene Profil optimal, sagte Queisser. Eine "kleine, feine" Manufaktur habe man gekauft, deren Sekte kontinuierlich von der Fachwelt ausgezeichnet würden. Der Gambero Rosso - Italiens maßgeblicher Weinführer - kürte zuletzt einen Ruggeri-Prosecco zum "Sekt des Jahres". Noch wichtiger dürfte dem Vorsitzenden der Geschäftsführung aber jener Punkt sein: Ruggeri ist an 30 Standorten weltweit vertreten - in New York ebenso wie in Hanoi und Sydney. "Das bringt einen immensen Schub für die Internationalisierung unseres Geschäfts." Rotkäppchen könne man so Huckepack mitnehmen.

Vor vier Jahren hatte das sachsen-anhaltische Unternehmen damit begonnen, das Geschäft jenseits der Landesgrenzen ins Visier zu nehmen. Geschehen soll das zum einen durch den Export der eigenen Produkte, zum anderen über Firmenkäufe im Ausland. Seit Herbst 2015 ist Rotkäppchen in Tschechien aktiv - mit elf Produkten, die speziell für den dortigen Markt gemacht wurden. "Wir sind dort sehr gut vorangekommen", sagte Queisser. Rotkäppchen sei heute der drittgrößte Anbieter. Im Fernsehen laufe jetzt Werbung für die Sekte, zudem sponsere man die tschechische Variante der TV-Show "Let's Dance". Innerhalb von fünf Jahren soll Rotkäppchen-Mumm im Nachbarland auf Platz zwei im Marktanteilsranking stehen. "Und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch schaffen."

Im Blick hat der Manager neben den Nachbarländern auch Asien und die USA. Mit Ruggeri habe man im "italienlastigen" US-Markt nun auch gute Karten. Queisser weiß aber: "Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns." Bislang setzte Rotkäppchen-Mumm nach eigenen Angaben drei Millionen Flaschen im Ausland ab, mit Ruggeri steigt der internationale Anteil auf fünf Millionen. Hierzulande verkauft die Gruppe mehr als fünfzig Mal so viel.

2016 gingen rund 271 Millionen Flaschen Sekt, Spirituosen, Wein und weinhaltige Getränke an den Handel und die Gastronomie - und damit 18 Millionen Flaschen mehr als im Jahr davor. Der Umsatz stieg um über acht Prozent auf 986 Millionen Euro. Es war für Rotkäppchen-Mumm das erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte.

Alle Produktbereiche seien 2016 im Plus gewesen, hieß es. Einer der Erfolgstreiber dabei: die Marke Rotkäppchen. Gut 70 Prozent der im Vorjahr ausgelieferten 178 Millionen Flaschen Sekt trugen die Rotkäppchen-Banderole, der Rest verteilte sich auf die übrigen Marken Mumm, Jules Mumm, MM Extra und Geldermann. Die Gruppe setzte alles in allem 11,4 Millionen Flaschen Sekt mehr ab - das Plus ging vollständig auf das Konto der Ostmarke, die laut Queisser auch im Westen Marktführer ist. Unterschiede zwischen Ost und West gebe es hier nicht mehr. Mit der Sektmarke, die im Fernsehen kräftig beworben wird, kommt die Gruppe auf einen Marktanteil von knapp 40 Prozent. Mumm & Co. hinzugerechnet, stammt jede zweite bundesweit verkaufte Sektflasche aus dem Hause Rotkäppchen-Mumm.

Die Gruppe beschäftigt 636 Mitarbeiter, davon 189 in Freyburg. Größter Standort ist Eltville (Hessen) mit 278 Leuten. Produziert wird zudem in Nordhausen und Breisach. Zum Portfolio gehören auch Spirituosen wie Chantré, Echter Nordhäuser und die Weinmarke Blanchet.

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