Pünktlicher, klimafreundlicher, moderner: Das plant die Bahn

Die Fernzüge der Deutschen Bahn sind im Mai im Durchschnitt pünktlicher als in den Vorjahresmonaten. Auf bestimmten Strecken kommen die Fahrgäste aber bald später ans Ziel.

Berlin (dpa) - Die Bahn muss besser werden - das fordern nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Bundesregierung. Und der Staatskonzern arbeitet daran: Fernverkehrszüge waren im Mai bereits etwas pünktlicher.

Außerdem saniert die Bahn ab der kommenden Woche zwei wichtige Schnellstrecken grundlegend. Und sie verspricht, in den nächsten Jahren deutlich klimafreundlicher zu werden.

Im vergangenen Monat waren 79,8 Prozent der Fernzüge pünktlich, wie das Unternehmen mitteilte. Damit kam zwar immer noch gut jeder fünfte ICE, Intercity oder Eurocity zu spät. Aber es ist der beste Mai-Wert seit sieben Jahren. Bislang liegt die Bahn damit in diesem Jahr über ihrer eigenen Zielmarke.

Verglichen mit April stieg die Pünktlichkeit um 1,1 Prozentpunkte. Als pünktlich wertet der Konzern alle Züge, die weniger als sechs Minuten nach Fahrplan eintreffen.

Konzernchef Richard Lutz sprach von erfreulichen Fortschritten. «Zufrieden sind wir aber erst, wenn wir diesen Trend verstetigen können. Das bedeutet für uns, im Kampf um jede Minute nicht nachzulassen.»

Ein Grund für viele Verspätungen ist die veraltete Infrastruktur. Seine ersten beiden Schnellfahrstrecken will der Konzern daher jetzt sanieren: Knapp 30 Jahre nach Inbetriebnahme der ersten ICE-Strecken Hannover-Würzburg und Mannheim-Stuttgart beginnt die Bahn mit einer Grundsanierung der beiden Verbindungen. Als erstes wird von Dienstag kommender Woche an bis zum 14. Dezember die Strecke Hannover-Göttingen gesperrt.

ICE-Reisende zwischen Nord- und Süddeutschland sowie Berlin und Frankfurt/Main müssen sich auf eine 30 bis 45 Minuten längere Fahrzeit einrichten, die aber schon in die Fahrpläne eingearbeitet wurde. Die Züge fahren während der Arbeiten über die herkömmliche Strecke - dort gibt es deswegen Ausfälle und Anpassungen im Regionalverkehr.

Bei den Bauarbeiten werden Gleise, Weichen, Schotter, aber auch die Oberleitungsmasten sowie die Strom- und Sicherungstechnik erneuert. Für die Arbeiten von Hannover bis Göttingen hat die Bahn 175 Millionen Euro veranschlagt.

Ein weiteres Versprechen des Unternehmens: Der Klimaschutz soll in der neuen Strategie der Deutschen Bahn eine zentrale Rolle spielen. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) könne sich darauf verlassen, dass die Bahn ein ebenso ehrgeiziges wie belastbares Programm vorlegen werde, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Er reagierte damit auf Äußerungen des Ministers. Scheuer hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt, er habe die Führung der Bahn aufgefordert, zügig ein Konzept vorzulegen, «wie wir zwölf Jahre früher als bisher geplant auf 100 Prozent Ökostrom umstellen - nämlich ab 2038 statt 2050».

Der Bahn-Sprecher sagte, der Vorstand werde dem Aufsichtsrat in zwei Wochen eine neue Strategie für die Deutsche Bahn vorstellen. «Die Bahn wird in jedem Fall ihre ökologische Vorreiterrolle weiterhin konsequent ausbauen und verteidigen. Denn die Schiene zu stärken, bedeutet aktiven Klimaschutz.» Schon Ende dieses Jahres werde die Bahn 60 Prozent ihres Stroms mit erneuerbaren Energien abdecken.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer kritisierte Scheuers Forderung als «Luftnummer». Die elektrifizierten Strecken lassen sich seiner Ansicht nach bereits vor dem Jahr 2030 auf 100 Prozent Ökostrom umstellen. «Da könnte man umgehend loslegen, stattdessen gibt es wieder irgendwelche unverbindlichen Ziele, die 20 Jahre entfernt liegen.» Das Problem sei, dass zu viele Strecken noch gar nicht elektrifiziert seien und daher Dieselloks eingesetzt werden müssten.

FDP-Verkehrspolitiker Torsten Herbst hingegen sieht in den Plänen bloßen «Klima-Aktionismus»: «Gerade die Bahn als einer der größten Stromabnehmer Deutschlands ist in besonderem Maße auf eine sichere und bezahlbare Energieversorgung angewiesen.»

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