Russland steht als Absatzmarkt auf Platz 17

Sächsische Unternehmen verdienen inzwischen fast jeden dritten Euro durch Exportgeschäfte. Wie schädlich sind Sanktionen?

Dresden.

Es war eine Art Fünf-Jahres-Bilanz, die Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Mittwoch zog. Anlass war die traditionelle Jahresauswertung der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS). Die hält sich für 2018 neun Neuansiedlungen sowie elf Firmen-Erweiterungen und Übernahmen zugute, die zusammen 900 Jobs gesichert hätten, darunter 360 neue.

Das geriet indes zur Nebensache, als WFS-Aufsichtsratschef Dulig unter Verweis auf das nahe Ende der Legislaturperiode an sein zu Amtsbeginn ausgerufenes "Aida"-Ziel erinnerte. Damit hatte er weder Kreuzfahrtschiff noch Oper gemeint. Die Buchstaben standen als Abkürzung für gute "Arbeit", "Innovation", "Digitalisierung" - und eben auch für "Außenwirtschaft".

Aus Duligs Sicht kann sich das Erreichte durchaus sehen lassen. Auch wenn immer noch nur 8,2 Prozent der sächsischen Betriebe Auslandsgeschäfte betrieben, so lag die Exportquote der Wirtschaft des Freistaats insgesamt im Vorjahr bei 32 Prozent. Das heißt: Fast jeder dritte Euro wurde durch Auslandsgeschäfte erzielt, was zu 40 Prozent der Automobilindustrie zu verdanken war.

"Waren im Wert von mehr als 40 Milliarden Euro gingen 2018 von Sachsen in die Welt. Damit sind wir wieder fast beim Rekordjahr 2017 angekommen", sagte Dulig. Tatsächlich macht die Differenz knapp 800 Millionen Euro aus, nachdem die Ausfuhren 2016 knapp 37 Milliarden Euro und auch 2015 nur 38 Milliarden Euro umfasst hatten.

Dulig wertete das als "weithin positive" Entwicklung des sächsischen Außenhandels, verhehlte aber nicht die Herausforderungen durch "aktuelle handelspolitische Unsicherheiten" vor allem durch "protektionistische Tendenzen". Fast die Hälfte der ausgeführten Waren gehe bisher in den europäischen Binnenmarkt. Mit Blick auf Sachsens drei wichtigste Zielmärkte wird klar, wovor Dulig warnt, handelt es sich dabei doch um China (2018: 6,7 Milliarden Euro), USA (3,6 Milliarden Euro) und Großbritannien (2,4 Milliarden Euro). Der Handelsstreit zwischen China und den USA könne Sachsen genauso belasten wie der Brexit, der auf jeden Fall "negative Folgen" haben werde - "egal, wann er kommt und wie er kommt".

Als Absatzmarkt nur eine untergeordnete Rolle kommt Russland zu, in das 2018 nur noch Waren im Wert von 538 Millionen Euro aus Sachsen geliefert worden waren. Im Ranking der sächsischen Handelspartner bedeutet das weiterhin nur Platz 17 - direkt hinter Schweden, auch mit anderen EU-Ländern sowie Taiwan, Schweiz und Japan laufen größere Geschäfte. Dennoch betonte Dulig, dass Russland "unabhängig von aktuellen Diskussionen und Fotos" wichtig sei und bleibe. Damit spielte er auf die neu aufgeflammte Diskussion um die Aufhebung der Sanktionen nach einem Treffen von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) mit Russlands Präsident Wladimir Putin an.

Allerdings wies Dulig zugleich darauf hin, dass die Sanktionen 2014 nur noch als Katalysator für ein durch Energiekrise und Rubel-Verfall ohnehin schon geschrumpftes Russland-Geschäft gewirkt hätten. Ziel bleibe ihre "schrittweise Aufhebung", wenn Russland das Minsker Abkommen einhalte. Bisher hätten Sachsens Firmen das wegbrechende Russlandgeschäft "relativ gut" durch andere Märkte kompensieren könne. Sachsen sei "das einzige Bundesland, was über alle Zeiten hinweg Kontakte gehalten hat", so Dulig.

Eine herausragende Stellung Sachsens in Russland gibt es nach Einschätzung von Germany Trade and Invest (GTAI), der Wirtschaftsfördergesellschaft Deutschlands, dennoch nicht. Ihr Moskauer Büroleiter Gerit Schulze urteilte am Mittwoch: "Im Moment verhindern weniger die Sanktionen viele Geschäfte, als vielmehr der schwache Rubel, die schwierigen Finanzierungsbedingungen in Russland, die allgemeine Wirtschaftsflaute und die seit sechs Jahren sinkenden Realeinkommen in Russland."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...