Sachsen will Anzahl ausländischer Fachkräfte bis 2030 verdoppeln

Nach bisheriger Prognose fehlen auf dem sächsischen Arbeitsmarkt in elf Jahren um die 300.000 Menschen. Jetzt gibt es Vorschläge.

Dresden.

Ein Zitat von Mahatma Gandhi ist der 90-seitigen "Fachkräftestrategie 2030 für den Freistaat Sachsen" vorangestellt, die am Mittwoch in Dresden vorgestellt wurde. Es lautet: "Die Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun." Im Vorwort daneben mahnt Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), dass es nur dann Erfolg gebe, "wenn alle beteiligten Akteure an der Umsetzung dieser Strategie mitarbeiten".

Die erste Voraussetzung dafür liegt vor. Immerhin haben sich die in der 2015 gegründeten Fachkräfteallianz versammelten Kammern, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Berufs- und Branchenverbände am Mittwoch per Erklärung zu der zuvor vom CDU/SPD-Kabinett verabschiedeten Strategie 2030 bekannt.

Damit einher gehen eine Reihe von Zielvorgaben, um trotz der bisher vorhergesagten deutlich sinkenden Anzahl an potenziellen Erwerbspersonen perspektivisch ausreichend Fachkräfte zur Verfügung zu haben. "Derzeit gibt es noch keinen flächendeckenden Fachkräftemangel in Sachsen, in einigen Berufen, Branchen und Regionen aber zunehmende Mangelsituationen und Engpässe", heißt es. Schon jetzt sollen mehr als 40 Prozent der Unternehmen auf der Suche sein.

Ins Visier wird auch die Zahl der Ausbildungsabbrecher genommen. Schon in der Schule soll der derzeit bei acht Prozent liegende Anteil der Abgänger ohne Abschluss auf den um zwei Prozentpunkte niedrigeren Bundesdurchschnitt gesenkt werden - und das unter Beibehaltung der Bildungsstandards. Die Regierung sichert dazu eine tragfähige Schulstruktur in allen Regionen sowie eine "angemessene Versorgung mit qualifizierten Lehrkräften" zu.

Studienabbrecher sollen durch flächendeckende Anlaufstellen gezielt für den Beginn einer beruflichen Ausbildung gewonnen werden. Mithilfe fairer Entlohnung und des neuen Azubi-Tickets soll es weniger Ausbildungsabbrüche und mehr Ausbildungsverträge geben.

Zur "Fachkräftesicherung" halten die Allianz-Partner zudem den Ausbau einer "arbeitsmarktorientierten, qualifizierten Zuwanderung" für erforderlich. Dazu soll die Anzahl ausländischer Fachkräfte in den kommenden zehn Jahren verdoppelt werden. Laut Klaus-Peter Hansen, Sachsens Regionalchef der Bundesarbeitsagentur, kam im Vorjahr bundesweit jeder elfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus dem Ausland. In Sachsen dagegen waren es nur 4,7 Prozent - umgerechnet waren das weniger als 80.000. "Ein Großteil dieser Menschen sind Grenzgänger aus Polen und Tschechien", sagte Hansen.

Konkret ist die Zielvorgabe, die Weiterbildungsquote von derzeit 39 Prozent der Beschäftigten auf mehr als 50 Prozent zu erhöhen. In der Strategie 2030 ist zudem auch von "guter Arbeit" und der "Stärkung der Tarifbindung" die Rede - einer der innerhalb der Fachkräfteallianz besonders heiß diskutierten Streitpunkte. Letztlich haben sich aber auch die Arbeitgeber dazu durchgerungen, die Strategie mitzutragen - und für die Umsetzung im eigenen Zuständigkeitsbereich "eigenverantwortlich" einzutreten.

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