Siemens-Konzern trotzt der Krise in der Kraftwerkssparte

Der Elektrokonzern steckt im Umbruch. Es gibt viele Baustellen. Doch Konzernchef Joe Kaeser gibt sich zuversichtlich.

München.

Trotz der Krise in der Kraftwerkssparte hat der Siemens-Konzern gestern eine grundsolide Bilanz vorgelegt. Der Umsatz stieg leicht um zwei Prozent auf 83 Milliraden Euro, obwohl der Umsatz der Power & Gas (PG) genannten Sparte um 14 Prozent zurückging. Der Gewinn nach Steuern erhöhte sich um 26 Millionen Euro auf 6,12 Milliarden Euro. "Wir haben wieder geliefert, was wir versprochen haben, und unsere zum Halbjahr angehobene Jahresprognose voll erreicht", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser.

Die Kraftwerkssparte leidet nach den Worten von Kaeser unter anhaltendem Preisdruck, Überkapazitäten bei Gasturbinen und dem Markttrend hin zu den erneuerbaren Energien. Der Münchner Konzern hatte deshalb schon im Frühjahr angekündigt, weltweit rund 6900 Stellen zu streichen. Ursprünglich sollte auch das Siemens-Werk mit rund 700 Mitarbeitern in Görlitz geschlossen werden. Später wurde sich darauf geeinigt, in Görlitz die Zentrale für das internationale Geschäft mit Industrie-Gasturbinen anzusiedeln und nur 170 Arbeitsplätze abzubauen.

"Wir haben die richtigen Maßnahmen eingeleitet, um das Geschäft den veränderten Marktbedingungen anzupassen und es zukunftsfähig aufzustellen", sagte Kaeser. Der Umbau kostet allerdings und ließ den Gewinn im vierten Quartal des Geschäftsjahres (bis 30. September) um nahezu die Hälfte einbrechen. Statt 1,25 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum verdiente Siemens diesmal nur 681 Millionen Euro. Allein bei PG erreichten die Kosten für den Personalabbau 301 Millionen Euro.

Etwas Luft verschaffen könnte der Kraftwerkssparte ein Großauftrag im Irak. In dem krisengeschüttelten Land will Siemens die Kapazitäten zur Stromerzeugung um elf Gigawatt ausbauen. Hinzu kommen Ausbildungsprogramme und Jobs vor Ort. Zwar hat der Siemens-Chef im Irak eine Absichtserklärung unterzeichnet, doch ob und in welcher Form Siemens zum Zuge kommt, steht in den Sternen. US-Konkurrent General Electric hat ebenfalls ein Angebot zum Ausbau vorgelegt und kann offenbar mit der Unterstützung von US-Präsident Donald Trump rechnen, wie US-Medien berichteten.

"Wir verkaufen keine Kampfhubschrauber, wir schicken auch keine Truppen hin, wir wollen einfach nur Geschäfte machen und diese nachhaltig abwickeln, und genau das haben wir angeboten", sagte Kaeser und gibt sich betont gelassen: "Alles andere sind Dinge, die wir nehmen, wie sie kommen."

In Sachsen gehört der Münchner Siemens-Konzern mit derzeit mehr als 4000 Mitarbeitern zu den großen industriellen Arbeitgebern im Freistaat. Mit rund 520 Auszubildenden und Studierenden, davon rund 150 für Kooperationspartner, zählt Siemens zudem zu den größten industriellen Ausbildungsbetrieben. Allein im Chemnitzer Siemens-Werk für Kombinationstechnik (WKC) sind rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Dort wird ein Umsatz von rund 450 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Betrieb gehört zur Siemens-Sparte Digital Factory. "Die Digital Factory ist das Maß der Dinge in der industriellen Digitalisierung", sagte gestern Siemens-Chef Kaeser. In diesem Bereich sei der Konzern Weltmarktführer.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...