Sparkassen in Sachsen müssen Gewinneinbußen hinnehmen

Das Geschäft der zwölf sächsischen Sparkassen wächst, doch das niedrige Zinsniveau fordert seinen Tribut. Für die Kunden könnte das unangenehme Konsequenzen haben.

Berlin.

Trotz der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank haben sich die sächsischen Sparkassen nach Einschätzung des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) gut behauptet und sind mit einem blauen Auge davongekommen.

"Das Sparkassengeschäft in Sachsen wächst überproportional, der Gewinn sinkt dennoch", sagte Michael Ermrich, geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, am Donnerstag in Berlin. Nach den Angaben des Verbandes sank das Betriebsergebnis vor Bewertung der sächsischen Sparkassen 2019 um 4,6 Prozent.

Für die Kunden kann die Gewinnerosion Konsequenzen haben. Er könne nicht ausschließen, dass sich einzelne Sparkassen dazu gezwungen sähen, Negativzinsen auch für private Einlagen zu verlangen, sagte OSV-Geschäftsführer Wolfgang Zender. Negativzins bedeutet, dass Kunden dafür bezahlen, dass das Institut ihr Geld aufbewahrt. Die Geldhäuser selbst müssen derzeit 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. Der Markt werde immer nervöser, auch was die privaten Kleinkunden angehe, sagte Zender.

Bei größeren Summen verlangten einzelne Sparkassen schon Verwahrentgelte von Privatkunden, sagte Zender. Dabei werde der Zinssatz auf den Teil der Einlagen erhoben, die über bestimmten Freibeträgen liegen. Verbandspräsident Michael Ermrich sagte: "Wenn ein Neukunde kommt, der plötzlich seine Liebe zur Sparkasse entdeckt hat und sagt: ,Ich habe eine Million' - da wird es schwierig." Kürzlich hatte die Sparkasse Vogtland einen Negativzins von 0,7 Prozent für Guthaben von Neukunden ab 5000 Euro angekündigt, diese Ankündigung aber wenig später - nach einem Beitrag darüber in der "Freien Presse" - wieder zurückgezogen.

In Sachsen nutzen die mittelständischen Unternehmen das niedrige Zinsniveau für neue Investitionen. Trotz der schwächeren Konjunktur boomt bei den sächsischen Sparkassen die Kreditnachfrage. 2019 vergaben sie insgesamt neue Kredite in Höhe von 5,4 Milliarden Euro und damit 14,8 Prozent mehr als 2018, davon rund drei Milliarden Euro für Unternehmen und Selbstständige (plus 7,6 Prozent). Das Kreditvolumen bei den zwölf Sparkassen im Freistaat stieg damit im Jahresverlauf 2019 auf 24,6 Milliarden Euro , ein Anstieg um 8,3 Prozent.

Bei den Einlagen bevorzugten die Sparkassenkunden erneut kurzfristig verfügbare Sichteinlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten. Das Volumen der Sichteinlagen stieg im Jahresverlauf um 10,4 Prozent auf 27,8 Milliarden Euro. Die Kunden suchten den sicheren Hafen, erklärte Zender. Aktien und andere Wertpapiere scheuen sie eher: Der Umsatz im Kundenwertpapiergeschäft betrug 3,8 Milliarden Euro, ein Rückgang von 7,7 Prozent. Insgesamt setzte sich das Einlagenwachstum der sächsischen Sparkassenkunden auch 2019 fort, und zwar um 5,4 Prozent auf 45,1 Milliarden Euro.

Die zwölf Sparkassen in Sachsen betreiben 468 Geschäftsstellen und beschäftigen knapp 7500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. (mit dpa)


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