Die Beschäftigung in Branchen mit einem hohen Teilzeitanteil wie dem Gesundheits- und Sozialwesen nahm laut IAB im vergangenen Jahr zu.
Die Beschäftigung in Branchen mit einem hohen Teilzeitanteil wie dem Gesundheits- und Sozialwesen nahm laut IAB im vergangenen Jahr zu. Bild: Sebastian Kahnert/dpa
Wirtschaft
Teilzeitbeschäftigung in Deutschland erreicht Höchststand

So viele Beschäftigte wie noch nie arbeiten in Teilzeit. Was ist der Grund?

Nürnberg.

Die Teilzeitbeschäftigung hat in Deutschland nach einer Berechnung 2025 einen Höchststand erreicht. Allerdings arbeiteten die Teilzeitbeschäftigten in der Woche etwas mehr als im Vergleich zum Vorjahr, wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mitteilte. Damit blieb die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Beschäftigten auf dem Niveau von 2024 und lag höher als in früheren Jahren.

Der IAB-Arbeitszeitberechnung zufolge erhöhte sich die Zahl der in Teilzeit Beschäftigten verglichen mit 2024 um 1 Prozent auf 16,88 Millionen. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten ging dagegen um 0,6 Prozent auf 25,43 Millionen zurück. Die Teilzeitquote erhöhte sich damit im vergangenen Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 39,9 Prozent – laut IAB ein Höchststand bei den Jahreswerten.

Beschäftigung in typischen Teilzeit-Branchen steigt

Ein Grund dafür ist laut IAB, dass die Beschäftigung in Branchen mit einem hohen Teilzeitanteil, wie dem Gesundheits- und Sozialwesen, zugenommen hat. In Branchen mit einem hohen Vollzeitanteil wie der Industrie ging diese gleichzeitig zurück. 

"Teilzeit war bisher kein Verlustgeschäft. Dennoch gibt es hier noch viel zu gewinnen, vor allem bei einer stärkeren beruflichen Entwicklung von Frauen", erläutert IAB-Experte Enzo Weber. CDU-Politikerinnen und -Politiker fordern seit Monaten, dass die Menschen in Deutschland mehr arbeiten sollten. Zuletzt hatte die Mittelstands- und Wirtschaftsunion von CDU/CSU den Rechtsanspruch auf Teilzeit zum Teil infrage gestellt.

Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit arbeitete mehr als jede zweite Frau im vergangenen Jahr in Deutschland in Teilzeit, bei den Männern war es nur jeder Siebte. Demnach waren zum Stichtag 30. Juni 16,2 Millionen Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt - ein Plus von 50.000 im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings lag das nur daran, dass mehr Frauen in Teilzeit arbeiteten, die Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen ging zurück.

Arbeitsvolumen geht leicht zurück

Die Zahl der Erwerbstätigen blieb laut IAB im vergangenen Jahr in Deutschland mit 45,98 Millionen in etwa gleich (minus 5.000 Personen). Diese arbeiteten zusammen etwa 61,26 Milliarden Stunden und damit 0,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Durchschnittlich leisteten die Beschäftigten 2025 in Deutschland 30,4 Stunden in der Woche, genauso viel wie 2024. Im Vergleich: 2016 waren es noch 30,12 Stunden. (dpa)

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