Der Wirkstoff Glyphosat ist umstritten, aus Sicht vieler Landwirte aber unverzichtbar - das sieht auch das Weiße Haus so.
Der Wirkstoff Glyphosat ist umstritten, aus Sicht vieler Landwirte aber unverzichtbar - das sieht auch das Weiße Haus so. Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Wirtschaft
Trump möchte Glyphosat-Produktion für US-Landwirte absichern

Glyphosat ist ein Reizwort, Tausende US-Klagen machen dem Hersteller Bayer seit Jahren zu schaffen. Das Weiße Haus bewertet den Unkrautvernichter nun als unentbehrlich für die nationale Sicherheit.

Washington.

Der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat bekommt in den USA einen besonderen Status, um eine ausreichende Versorgung der amerikanischen Landwirtschaft sicherzustellen. US-Präsident Donald Trump unterschrieb am Mittwoch (Ortszeit) eine Verordnung, in der Phosphat sowie glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel als entscheidend für die nationale Sicherheit und die Lebensmittelsicherheit der USA bezeichnet werden. Eine ausreichende Produktion solle sichergestellt werden. 

Zu den weltweit größten Herstellern von Glyphosatprodukten gehört der Leverkusener Agrarchemie-Konzern Bayer mit seiner US-Tochter Monsanto, deren Kassenschlager das glyphosathaltige Produkt Roundup ist. Außerdem gibt es noch asiatische Glyphosat-Produkte. 

Ein Bayer-Sprecher sagte, die Verordnung betone "die dringende Notwendigkeit, dass US-Landwirte Zugang zu wichtigen, im Inland hergestellten Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat haben". Man werde der Verordnung Folge leisten.

In Trumps Verordnung heißt es, bisher gebe es in den USA nur einen Produzenten glyphosathaltiger Unkrautvernichtungsmittel. Gemeint ist die Bayer-Tochter Monsanto. Damit seien die Verteidigungsindustrie der USA und die Ernährungssicherheit anfällig für "feindliche, ausländische Akteure".

Das Glyphosat-Produkt Roundup, von dem es mittlerweile auch eine glyphosatfreie Variante gibt, kommt auch in Europa zum Einsatz.
Das Glyphosat-Produkt Roundup, von dem es mittlerweile auch eine glyphosatfreie Variante gibt, kommt auch in Europa zum Einsatz. Bild: Wolf von Dewitz/dpa

Keine negativen Folgen für künftige Produzenten

Der Verordnung zufolge soll Unternehmen zugesichert werden, dass ihnen aus der Produktion keine negativen Folgen entstehen. Konkret heißt es: "Dementsprechend stellt der (Landwirtschafts-) Minister sicher, dass keine gemäß diesem Abschnitt erlassene Anordnung, Vorschrift oder Verordnung die Unternehmensfähigkeit eines inländischen Herstellers von elementarem Phosphat oder Herbiziden auf Glyphosatbasis gefährdet." 

Elementares Phosphat sei auch ein wichtiger Ausgangsstoff für die Herstellung von Herbiziden auf Glyphosatbasis. Diese spielten eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des landwirtschaftlichen Vorsprungs der USA, indem sie es Landwirten ermöglichten, effizient und kostengünstig Lebensmittel und Viehfutter zu produzieren, heißt es weiter. 

Bayer schloss kürzlich milliardenschweren Sammelvergleich

In den US-Klagen führten Kläger Krebserkrankungen auf Glyphosat zurück. Erst kürzlich schloss Bayer in den USA einen milliardenschweren Sammelvergleich zur Beilegung aktueller und künftiger Klagen zum glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup. Die Zahlungen für den Sammelvergleich umfassen maximal 7,25 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren, wie der Dax-Konzern mitteilte. Der Sammelvergleich müsse vom Gericht in St. Louis (Bundesstaat Missouri) genehmigt werden, hieß es von den Leverkusenern. 

Die zur Weltgesundheitsorganisation gehörende Internationale Krebsforschungsagentur hatte den Wirkstoff, der in Roundup enthalten ist, 2015 als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestuft; andere Einrichtungen der WHO waren anderer Ansicht, und auch europäische Einrichtungen folgten dieser kritischen Einstufung nicht. Bayer hat den Verdacht stets zurückgewiesen, dass Glyphosat krebserregend sei. "Glyphosat ist ein sicheres und wichtiges Werkzeug für Landwirte in den USA und überall auf der Welt", sagte Bayer-Chef Bill Anderson kürzlich. Diese "Wahrheit" hätten Wissenschaftler und Aufsichtsbehörden international bestätigt. (dpa)

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