Umweltbundesamt sieht Probleme beim Recycling von Windrädern

In den nächsten Jahren dürften einige Windräder in Deutschland ausrangiert werden: ausgelaufene Förderung, zu ineffizient, zu leistungsschwach. Doch was passiert eigentlich mit den abgebauten Anlagen?

Dessau (dpa) - Deutschland ist nach Einschätzung des Umweltbundesamtes (UBA) nicht ausreichend auf das Recycling ausrangierter Windräder vorbereitet.

«Es drohen Engpässe bei den Recyclingkapazitäten für die faserverstärkten Kunststoffe der Rotorblätter und Risiken für Mensch und Umwelt beim unsachgemäßen Rückbau», heißt es in einer Mitteilung des Amtes. Das habe ein umfangreiches Forschungsprojekt ergeben. Es sei ab 2021 voraussichtlich mit einem verstärkten Rückbau zu rechnen.

Der Bundesverband Windenergie teilt diese Einschätzung nur teilweise. Eine Zunahme beim Rückbau stehe bevor, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Wolfram Axthelm, der Deutschen Presse-Agentur: «Das ist eine Herausforderung, der wir uns stellen.» Das sogenannte Repowering - das Ersetzen alter, weniger leistungsfähiger Windräder durch neue Anlagen - werde durch die Pläne der Bundesregierung zu Abstandsregelungen allerdings eingeschränkt, hieß es vom Verband. Dadurch werde die Zahl der zurückgebauten Anlagen wahrscheinlich eher niedriger ausfallen als vom UBA angenommen.

Bei vielen Windrädern, die vom Jahr 2000 an errichtet wurden, läuft in den kommenden Jahren die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz aus. Ältere Anlagen sind außerdem nach heutigen Maßstäben ineffizient und leistungsschwach. Windkraftanlagen haben nach Angaben der Behörde eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren.

In der Bundesrepublik gibt es laut UBA bisher nur eine Anlage zum Verwerten des Kunststoffes, aus dem die Rotorblätter der Windräder sind. Dies könne zu Engpässen bei den Recyclingkapazitäten führen. Der Bundesverband Windenergie erklärte dazu, man sei schon seit einem Jahr im Dialog mit Entsorgungsunternehmen. «Wenn mehr Anlagen zurückgebaut werden müssen, werden auch weitere Unternehmen auf diesem Markt aktiv werden», sagte Axthelm. Bisher lohne es sich für die meisten Unternehmen noch nicht.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger forderte Bund und Länder auf, zügig Leitlinien für den Rückbau von Windenergieanlagen zu erarbeiten. Auch Axthelm begrüßte klare Regelungen. «Die Windbranche ist eine nachhaltige Branche und will das auch sein. Deswegen wollen wir auch dazu beitragen, dass der Rückbau geordnet vonstattengeht», sagte er. Für die Hersteller, die nicht nur in Deutschland aktiv seien, wäre dafür aber eine europäische Lösung sinnvoll.

8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    1
    Zeitungss
    02.11.2019

    Für die Entsorgung in der Zukunft gibt es meistens kein Verfahren, dafür eine ausgefeilte Bepreisung. Wohl dem, der geschäftstüchtig ist.

  • 5
    0
    Einspruch
    02.11.2019

    Styropor bekommt man oft kaum noch in größeren Mengen los, wenn es im Zuge von Sanierungsarbeiten anfällt. Problematisch sind mittlerweile auch Gasbeton, Gipskarton, Dämmstoffe, wenn es mal was zu entsorgen gibt. Muss alles auf der Baustelle händisch aufwendig getrennt werden und kostet doch extra.
    Man ahnt, wie es bei alten Akkus von E Autos wird.

  • 4
    0
    Nixnuzz
    02.11.2019

    @Zeitungss: Das war der Fluch der bösen Tat, als man dahinterkam, das die weißen Platten beim thermischen Recycling etliche chemischen Sauereien aus der Treibgas- und Flammschutz-Chemie enthielten. Und da wurde es zum kostenintensiven Sondermüll für besondere Entsorgungsanlagen.

  • 3
    0
    Zeitungss
    02.11.2019

    Erinnert mich etwas an Styropor, kann sich noch jemand erinnern ? Der Preis für die Entsorgung hatte sich gleich einmal ver -X- facht, haben wollte es allerdings niemand.

  • 1
    5
    SimpleMan
    02.11.2019

    Interessant finde ich hier auch noch den Vergleich von der Laufzeit der Windkraftanlagen, also 20 - 30 Jahre und die Umweltbelastungen durch Braunkohlentagebaue. Da werden wohl 20 - 30 Jahre kaum reichen, inklusive dem verschwinden von ganzen Dörfern. Meiner Meinung nach, stellt das Recycling der Windkraftanlagen ein lösbares Problem dar. Nur unverständlich, dass man es kurz vor Ablauf der Lebensdauer der Windkraftanlagen erst thematisiert.

  • 4
    0
    Nixnuzz
    02.11.2019

    Wo sind eigentlih die Getreide- und Heusilos aus GFK von vor 40 Jahren oder so geblieben? Sind die unterm Hausmüll auf der Kippe gelandet oder in irgendwelchen Verbrennungsanlagen? Heutzutage produzieren die doch nur mehr Papiermüll...

  • 5
    1
    Malleo
    01.11.2019

    Für solche lapidaren Dinge wie GFK und CFK sollen sich bitte andere kümmern.
    Das macht keine keine grünen Schlagzeilen.
    Und was sind schon 30.000to/ Jahr?

  • 3
    3
    christophdoerffel
    01.11.2019

    Da sieht man den Unterschied zwischen konventionellen und regenerativen Energien.

    Bei den erneuerbaren haben wir Kapazitätsprobleme.

    Für Atommüll, der beim Betrieb und Abriss entsteht haben wir keine Lösung.

    Für die Kohle aus dem Ruhrgebiet müssen wir für IMMER Pumpen laufen lassen und ein guter Teil des Bauschutts der beim Abriss der Kohlekraftwerke entsteht dürfte ordentlich mit Quecksilber und Dioxin belastet sein und als toxischer Sondermüll enden.



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