Volkswagen trotzt der Autokrise - andere Hersteller nicht

In der Autobranche herrscht Krisenstimmung. Doch VW fährt im ersten Halbjahr ein gutes Ergebnis ein. Das liegt nicht zuletzt an der Modellpalette.

Wolfsburg/Zwickau.

Aus der internationalen Automobilindustrie häufen sich die Hiobsbotschaften. Am Mittwoch verkündete der Stuttgarter Daimler-Konzern einen Milliardenverlust. Der japanische Autobauer Nissan streicht nach einem heftigen Gewinneinbruch 12.500 Stellen. Das ist jeder elfte Arbeitsplatz von Japans zweitgrößtem Autohersteller. Der US-amerikanische Produzent von Elektroautos Tesla schockte am Donnerstag die Börse mit tiefroten Zahlen für das zweite Quartal. Miese Stimmung also in Stuttgart, Yokohama und Palo Alto, allerdings nicht in Wolfsburg.

"Der Volkswagen-Konzern hat sich im ersten Halbjahr in einem sich insgesamt abschwächenden Gesamtmarkt sehr gut geschlagen", sagte Frank Witter, Finanzvorstand der Volkswagen AG, am Donnerstag am Stammsitz des Unternehmens in Wolfsburg. Die Entwicklung von Umsatz und Ergebnis in den ersten sechs Monaten sei erfreulich, meinte er. So stieg der Umsatz des Konzerns um 4,9 Prozent auf 125,2 Milliarden Euro an, obwohl die Auslieferungen an Kunden im ersten Halbjahr um 2,8 Prozent auf 5,4 Millionen Fahrzeuge zurückgingen. Der Gewinn vor Steuern stieg um 6,5 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro.

Der größte europäische Autokonzern profitiert inzwischen davon, dass die Modellpalette um zahlreiche sportliche Geländewagen (SUV) erweitert wurde. Dadurch steigt der Anteil der profitablen SUV-Modelle am Gesamtabsatz. Hinzu kommt, dass der VW-Konzern weltweit immer mehr Fabriken mit seinen Baukasten-Plattformen ausgerüstet hat. Die Fahrzeuge können damit kostengünstiger hergestellt werden. Der bessere Preismix der verkauften Autos konnte so den geringeren Fahrzeugabsatz mehr als ausgleichen. Beim Ausblick für das Gesamtjahr blieb der Vorstand allerdings vorsichtig. VW geht allerdings unverändert davon aus, dass die Auslieferung an Kunden den Vorjahreswert leicht übertreffen werde.

Einen wichtigen Anteil an den guten Halbjahreszahlen des Konzerns hat Porsche. Die Stuttgarter Sportwagentochter verzeichnete in der Automobilsparte ein Umsatzplus von fast 30 Prozent. Im zweiten Quartal holte Porsche vor allem in China auf, Premium- und Luxusautos laufen auch auf dem derzeit schwachen chinesischen Markt noch gut. Das operative Ergebnis kletterte um rund 15 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro.

Der Umsatz der Marke Volkswagen Pkw, zu der auch die Produktionsstätten von Volkswagen Sachsen gehören, erhöhte sich in den ersten sechs Monaten um 3,4 Prozent auf 44,1 Milliarden Euro. Auf ein starkes Produktionsjahr steuert auch die Gläserne Manufaktur von VW Sachsen in Dresden zu. Dort wurden im ersten Halbjahr 8555 e-Golf gebaut. Im Vorjahreszeitraum waren es 6193 Fahrzeuge. Das ergibt ein sattes Plus von 38 Prozent.

Im Fahrzeugwerk Zwickau läuft der Umbau zu Europas größtem Werk für Elektroautos auf Hochtouren. Die Arbeiten im Karosseriebau sind bereits fast fertig. Seit drei Wochen läuft der Umbau der Montagelinie in Halle 5 des Zwickauer Werkes. Dort wird der für die Herstellung von Elektroautos konzipierte Modulare Elektrifizierungsbaukasten (MEB) installiert. Das ist ein wesentlicher Meilenstein für den Umbau des Werkes. "Alles läuft nach Plan", teilte am Donnerstag ein Sprecher von Volkswagen Sachsen mit. Dort sollen nach den Werksferien die ersten Fahrzeuge des neuen Elektroautos ID.3 über die Linie fahren. Das neue Elektromodell soll auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) im September in Frankfurt am Main präsentiert werden. Künftig können dann in Zwickau bis zu 330.000 E-Fahrzeuge vom Band rollen.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...