Wie die Dürre Fischzüchtern, Bauern und Forstwirten zusetzt

Auch wenn es in den nächsten Tagen erst mal kühler und wohl auch feuchter werden wird - die Folgen des Hitzesommers werden noch lange nachwirken. Und vielleicht auch für tiefgreifende Veränderungen sorgen.

Dresden.

Keine Frage, das war kein normaler Sommer. Besonders zu spüren bekamen dies alle, die mit der Natur arbeiten. Doch welche Folgen hatte der Hitzesommer für Sachsens Bauern, Forst- und Teichwirte? Der Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft im Landtag wollte sich gestern ein Bild machen und ließ eine Reihe von Sachverständigen zu Wort kommen. Zwar blieb am Ende auch die eine oder andere Frage unbeantwortet, doch es gab viel Erhellendes in der Anhörung.

Etwa von Andreas Bitter. Der Vorsitzende des Sächsischen Waldbesitzerverbandes machte klar, dass die Folgen bei den Forstbetrieben auch noch in den nächsten zwei bis drei Jahren zu spüren sein werden. Bitter zufolge kam es 2018 zu einer Verkettung verhängnisvoller Umstände: Der Sturm zu Jahresbeginn hinterließ schwere Schäden in den Wäldern. Hitze und Dürre schwächten später die Bäume und ließen Nachpflanzungen verkümmern. "Das waren beste Entwicklungsbedingungen für den Borkenkäfer", erklärte Bitter. Das habe es noch nie gegeben.

Eine Folge seien dramatisch gesunkene Holzpreise. Den Mitgliedern, die eher kleinere Flächen haben, fehle so das Geld, um das Borkenkäferproblem anzugehen. Bitter kommt für die Waldbesitzer auf einen Schaden von 107 Millionen Euro. Rechne man die Zuwachsverluste in den Folgejahren hinzu, stünden 255 Millionen Euro zu Buche.

Hartwig Kübler, Vereinschef Familienbetriebe Land und Forst Sachsen und Thüringen, berichtete von "gravierenden Ausfällen" bei Futterpflanzen. Das werde man auch im nächsten Jahr merken, sagte Kübler. Der Raps hätte bis 10. September ausgebracht werden müssen. Doch das trockene Wetter machte einen Strich durch die Rechnung. "Jetzt macht das keinen Sinn mehr", sagte er und ergänzte: "Wir bekommen ein Problem mit den Fruchtfolgen."

Ein Problem, da waren sich die Experten einig, haben vor allem die Tierhalter, die auf Raufutter (Gras, Heu, Silage) für ihre Wiederkäuer angewiesen sind. Kai Pönitz, Biolandwirt im Nebenerwerb und Weidetierhalter aus Seifersdorf bei Freiberg, sagte, dass die Preise fürs Raufutter "durch die Decke gingen". Thomas Dorroch, Vorstand der Zwönitzer Agrargenossenschaft meinte, "dass selbst in meiner Nachbarschaft Betriebe Tiere schlachten müssen, weil das Futter nicht reicht". Dabei sei das Erzgebirge eine nicht so stark betroffene Region.

Für Wolfgang Vogel, Präsident des Landesbauernverbandes, ist die Situation "überall dramatisch". "Ohne Wasser geht nun mal nichts." Er kenne Betriebe, die 80 Prozent weniger geerntet hätten und solche, bei denen im November das Futter alle ist. Es gebe auf der anderen Seite aber auch Betriebe, die den Futtermais in die Biogasanlage stecken, kritisierte er. Was ihn auch ärgert: An den Preisen für Lebensmittel in den Kaufhallen habe sich nichts geändert, es gebe auch nicht weniger Produkte. "Die Bevölkerung merkt gar nicht, was draußen los ist."

Bei der ostsächsischen Fischzucht Rietschen ist nicht mehr viel los in den Teichen. Teile der "wertvollen" Beifische wie Zander seien von Reihern gefressen worden, die ob der niedrigen Wasserstände leichtes Spiel haben, wie Firmenchef Karsten Tusche sagte. Ein Siebtel der Karpfenteiche seien notabgefischt worden. "Wir gehen jeden Tag kontrollieren." Noch in der Vorwoche sei der Wasserstand um drei Zentimeter gesunken. Wie hoch der Verlust sein wird, kann er noch nicht sagen. "Es ist aber die schwierigste Situation, die ich bislang erlebt habe." Andreas Stummer, Chef des Landesfischereiverbandes, berichtete von Fischkrankheiten, die sich im Zuge der Wasserknappheit, hoher Temperaturen und fehlenden Sauerstoffs leicht ausbreiten könnten. Es sei nun fraglich, ob die Teichwirtschaft noch in fünf Jahren in der jetzigen Form Bestand haben werde.

Doch was tun, um die Folgen zu lindern? Waldbesitzer-Vertreter Bitter fordert finanzielle Hilfe über ein neu zu schaffendes Landesprogramm für die nächsten drei Jahre. Landwirtschaftsvertreter wie Vogel und Pönitz sprachen sich für die Schaffung steuerlich begünstigter Rücklagen und Gefahrenversicherungen aus, "damit wir nicht in einem Jahr wieder hiersitzen".

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