Wie kommt die Bahn aus der Krise?

Dass mehr Geld nötig ist, bestreitet kaum jemand. Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung fordert nun etwas, das vor allem auf Kosten der Passagiere geht.

Berlin (dpa) - Teurere Bahntickets für eine besseres Schienennetz: Der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Enak Ferlemann (CDU), hat die Bahn aufgefordert, ihre Preise für Fahrkarten zu erhöhen.

So könnten die nötigen Investitionen für die Schiene finanziert werden, sagte der Verkehrs-Staatssekretär der «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» («FAS»). Die Bahn wollte sich dazu auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht äußern - auch weil am kommenden Mittwoch (30. Januar) noch ein Treffen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zur Bahnkrise bevorsteht. Der Fahrgastverband Pro Bahn halte eine Diskussion über höhere Preise im gesamten Verkehrswesen aus ökologischen Gründen für denkbar, sagte Sprecher Karl-Peter Naumann am Sonntag. Preiserhöhungen seien aus seiner Sicht dann aber vor allem im Straßen- und Luftverkehr nötig.

Ferlemann schlug im Gespräch mit der Zeitung vor, dass die Bahn ihre Preise anheben oder die Sondertarife reduzieren könne. «Auch die Fernbusse werden teurer. Die Zeiten des ruinösen Wettbewerbs sind vorbei», sagte er der «FAS». Für 19 Euro quer durch Deutschland, das könne nicht der Normalfall sein.

Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung ist der Bahn AG gegenüber nicht weisungsbefugt. Er bündelt die Bahnpolitik des Bundes als Eigentümer der Bahn. Zusammen mit Verkehrsminister Scheuer verhandelt er derzeit mit der Spitze des bundeseigenen Konzerns, damit es im ersten Halbjahr Verbesserungen für die Fahrgäste hinsichtlich Service und Pünktlichkeit gibt. Zwei Treffen gab es schon, das nächste steht kommenden Mittwoch an.

Die Bahn hatte zuletzt zum Fahrplanwechsel Anfang Dezember ihre Fernverkehrspreise für 2019 um durchschnittlich 0,9 Prozent erhöht. Wegen Staus im Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen war 2018 im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät gekommen. Die Bahn ist hoch verschuldet und braucht weitere Milliarden für Investitionen.

Für den Fahrgastverband Pro Bahn schlug Sprecher Naumann vor, die Schweiz zum Vorbild zu nehmen. Dort finanziere die Straßenmaut den Bahnverkehr mit. «Kein Fahrgastverband wird jubeln, wenn es um höhere Preise geht», sagte er. «Aber das System Bahn braucht Geld.» Vorstellen könne er sich eine Lösung für alle Verkehrsbereiche in einem Gesamtpaket - unter ökologischen Gesichtspunkten. Im Bereich Straße und Luftverkehr müsse es dann aber die größten Erhöhungen geben.

Weniger Verständnis zeigt Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen: «Die Bundesregierung hat offensichtlich noch nicht verstanden, dass es darum geht, die Bahn attraktiver zu machen», teilte er am Sonntag in einem Statement mit. Höhere Preise würden seiner Ansicht nach nur dazu führen, dass Reisende auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Die Bundesregierung «muss deutlich mehr Geld in die Bahn investieren und gleichzeitig einen radikalen Neustart bei der Bahn voranbringen, damit das Geld sinnvoll genutzt wird und nicht versickert.»

Den von Bahnchef Richard Lutz vorgeschlagenen Verkauf der sehr profitablen Bahn-Auslandstochtergesellschaft Arriva lehnte Ferlemann im Gespräch mit der «FAS» ab. Scheuer hatte zuvor gesagt, er stehe einem Verkauf von Arriva «offen» gegenüber.

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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Zeitungss
    29.01.2019

    Hat noch jemand eine Idee ??? Die Verantwortlichen warten dringend auf Eingebungen. Preiserhöhungen für die bisher erbrachten Superleistungen kommen bei den noch Bahnnutzern nicht gerade gut an, wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist. Preis hoch - Leistung runter ist dem Kunden nicht ganz so gut zu vermitteln, beim Herrn Staatssekretär schon, dieser fährt allerdings nicht Bahn sondern wird im Dienstwagen gefahren.

  • 2
    2
    Interessierte
    28.01.2019

    Gibt es in diesem Land irgend etwas , was nicht in der Krise steckt , da war doch gestern wieder was , was Neuses , wofür kein Geld da ist ... (?)

  • 2
    0
    Zeitungss
    28.01.2019

    Herr Ferlemann, Sie sind weltfremd oder berechnend? Was Jahrzehnte verbockt wurde von Kräften wie Dürr, Mehdorn & Co, soll der Kunde richten um deren Machenschaften zu kompensieren, von deren GAGE für das Ergebnis wollen wir gar nicht reden. Das nenne ich weltfremd. Berechnend dagegen könnte Ihr Blick in den Bahnvorstand sein, wenn nach Ablauf Ihrer Tätigkeit dort ein Posten als Versorgungsfall in Aussicht ist, die Bahn ist dafür wie gemacht und auch begehrt. Leider muss der Bahnkunde auch dafür aufkommen, was in Ihren Kreisen das geringste Übel ist und auch gepflegt werden sollte, aber keinesfalls in der Öffentlichkeit.
    Dieser Vorschlag kommt ausgerechnet aus dem Haus, wo der Hausherr die Fäden schon lange an die Lobbyisten übergeben hat und somit nur noch hochbezahlter Handlanger ist. Wenn man bedenkt, dass in 25 Jahren ein Verkehrsunternehmen dieser Größe zur Unfähigkeit in allen Bereichen verkommen ist, sollte der Vorschlag einer Preiserhöhung für diese Dienstleistung jedem Bürger und Nutzer der Bahn ein dringendes Bedürfnis sein. Verantwortliche für die derzeitigen Zustände gibt bekanntlich keine, die beobachten es bestens versorgt aus der Ferne.

  • 13
    1
    Zeitungss
    27.01.2019

    Gute Frage diese Überschrift. Mit den gegenwärtigen "Vertretern" der Eigentümer (das Volk) und die damit beauftragten Personen, überhaut nicht. Der Vorstand bestand und besteht nur noch aus Leuten, welche der Bahnbetrieb ein Buch mit sieben Sigeln ist, Beispiel Pofalla als Versorgungsfall. Die früheren Führungen von Reichs- und Bundesbahn mussten ihr Handwerk noch erlernen und kannten sich aus. Leider wurden diese Leute von der Politik und den Lobbyisten eingebremst und letztlich entsorgt. In einer Satiresendung wurde kürzlich in den Ring geworfen, Frau Klöckner könnte als nächsten Karrieresprung auch BVM, lachen ist da allerdings nicht mehr angebracht und ich lache gerne. Wer mal kurz rund 22 000 Leute für die Bahn einstellen will, über Ausbildung spricht man nicht, zeigt eigentlich, was in den Führungsriegen los ist. Man kann nur hoffen, dass die eigentlichen Eigentümer (das VOLK) es doch noch einmal mitbekommen, obwohl der Zug schon lange (1994) ABGFAHREN ist.
    In diesem Sinne allen Nutzern des Unternehmens Zugluft, eh Zukunft, eine erfolgreiche Woche auf den Gleisen der Deutschen Bahn.

  • 12
    3
    franzudo2013
    27.01.2019

    Erster Schritt wäre, nur noch Experten ohne Parteibuch in den Vorstand zu berufen.
    Zweiter Schritt wäre die tatsaechlich Trennung von Netz und Betrieb.
    Wird aber nichts mehr. Nachdem die Sachwerte von Generationen mehrfach gefleddert wurden, ist kaum noch Substanz da. Ausser den Nieten in Nadelstreifen, für die kein Schrotthaendler etwas gibt.

  • 18
    0
    Klemmi
    27.01.2019

    "Für 19Euro queer durch Deutschland", normal ist das für meine Begriffe nicht, aber ist das Desaster nicht ein Resultat der Verkehrspolitik der letzten Jahre, in der CDU/CSU stark involviert war? Ein lang hochgelobtes Preissystem mit Frühbucherrabatt und Schnäppchen, der spontanreisende Kunde greift dagegen tief in die Tasche. Hinzu kommt ein unfairer Wettbewerb. Die Bahn zahlt ordentlich Steuern und Trassengebühren, im Gegenzug ist Kerosin weiterhin steuerfrei und der grüne "Geiz-ist-geil-Bus" fährt zum Nulltarif auf den Autobahnen. Vielleicht sollten CDU/CSU, insbesondere Scheuer und Ferlemann sich den Spiegel der Selbstkritik vor die Nase halten (im Übrigen ein längst überfälliger Schritt der etablierten Partein). Mit einem maroden Schienennetz, einer sturen Aufteilung von subventionierten Nahverkehr und eigenwirtschaftlichen Fernverkehr, den einige Regionen nur vom Erzählen kennen, fragwürdigen Preissystemen und unfairen Wettbewerb sowie einer wahnwitzigen Konzernsplittung mit einem immensen Verwaltungsapparat und einer lächerlichen Förderpolitik des Bundes wird es weiterhin eine Abwärtsspirale bleiben. Die Forderung einer Neugestaltung des Preissystems teile ich, aber unter dem Gesichtspunkt der Erschwinglichkeit für Jedermann. Der Appell Ferlemanns hingegen, wirkt wie ein Dementieren eigener Versäumnisse und Fehlentscheidungen.



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