Das Azubi-Ticket kommt - aber nur im Jahresabonnement

Ab August können Lehrlinge in Sachsen den neuen Tarif nutzen. Das Land stellt dafür jährlich 14 Millionen Euro bereit. Eingeführt wird zudem ein neues Ticket für Schüler. Den Linken reicht das nicht.

Riesa.

Monatelang haben Wirtschaftsministerium, Landkreise und Verkehrsverbünde darum gerungen, und selbst in der Regierungskoalition sorgte das Thema für Streit, nun jedoch steht das Azubi-Ticket. In Riesa stellten am Donnerstag Verkehrsminister Martin Duhlig (SPD) und Burkhard Ehlen, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO), die Details vor.

Das Azubi-Ticket gilt ab 1. August für alle, die eine Ausbildung an einer berufsbildenden Schule absolvieren. Es kostet 48 Euro für das Gebiet des ausstellenden Verkehrsverbundes. Das Ticket lässt sich aber auf weitere Verbundgebiete erweitern - zum Preis von jeweils fünf Euro. In Sachsen gibt es fünf Verkehrsverbünde. Wer sachsenweit fahren will, zahlt also 68 Euro. Das Angebot, mit dem sich Busse, Nahverkehrszüge und Straßenbahnen nutzen lassen, ist aber nur im Abonnement erhältlich - Lehrlinge müssen sich für zwölf Monate binden. Bislang zahlten Azubis im Durchschnitt mehr als 100 Euro.

Minister Dulig sprach von einem "richtig guten Angebot". Der Weg dahin sei nicht einfach gewesen, aber die Mühe habe sich gelohnt. VVO-Chef Ehlen erklärte: "Das Azubi-Ticket zeigt, dass die Verbünde an einem Strang ziehen und Projekte erfolgreich umsetzen können. In einem halben Jahr haben wir die wichtigsten Fragen rund um den Vertrieb geklärt."

Zur Finanzierung des Angebots muss der Freistaat in die Kasse greifen. Im Landeshaushalt sind dafür 14 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Damit trägt das Land etwa die Hälfte der Ticketkosten. Die andere Hälfte übernehmen die Nutzer mit dem Kaufpreis. Ohne das Geld vom Land würde das Ticket für einen Verbund 99 Euro kosten, haben die Verbünde ermittelt. Allerdings ist das nur eine Hochrechnung.

Bekannt ist demnach zwar, dass es in Sachsen rund 100.000 Azubis gibt. Doch wie viele davon bislang die ermäßigten Monatskarten kaufen, wisse man nicht, weil diese auch von Schülern genutzt würden, so VVO-Pressesprecher Christian Schlemper. Hinzu komme, dass es bisher in den Verbünden jeweils unterschiedliche Tarife für Schüler und Lehrlinge gibt, die verschieden stark in Anspruch genommen werden.

Wie das Verkehrsministerium mitteilte, wird zum Schuljahresbeginn ab 19. August außerdem ein Schülerfreizeit-Ticket zu einem monatlichen Abopreis von zehn Euro eingeführt. Das Ticket gilt demnach jeweils verbundweit ganzjährig in der Schulzeit ab 14 Uhr sowie an Wochenenden und in den Schulferien ganztags. Dafür stellt der Freistaat den Verkehrsverbünden für die Jahre 2019 und 2020 insgesamt 7,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Kritik kam von Sachsens Linken. Der Landtagsabgeordnete Marco Böhme erklärte, das Azubi-Ticket gehe an der Lebenswirklichkeit vorbei. Denn es sei nur im Jahres-Abo erhältlich. Obwohl die Azubis meist nicht ganzjährig in den Betrieb oder die Berufsschule fahren, müssten sie für den gesamten Zeitraum zahlen. Es reiche auch nicht, dass Schüler nur ein Freizeitticket bekommen. Denn die Eltern müssten trotzdem weiterhin bis zu 250 Euro im Jahr für die Beförderung ihrer Kinder in die Schule berappen, so Böhme.

Dulig sagte, das Azubi-Ticket sei ein "großer Schritt" in die richtige Richtung, weitere Schritte zu einem "echten Bildungsticket" müssten aber folgen. Es bleibe sein Ziel, dass Schüler einmal für zehn bis 15 Euro im gesamten Netz fahren könnten.

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