Agrarminister will regionale Wertschöpfung stärken

Die Nachfrage nach Obst, Gemüse und Milchprodukten aus der Region steigt - gerade in Zeiten von Corona. Minister Günther will die regionale Erzeugung aus ihrer «Nische» holen.

Dresden (dpa/sn) - Die Corona-Krise hat nach Ansicht von Agrarminister Wolfram Günther (Grüne) das Interesse vieler Verbraucher an regionalen Produkten steigen lassen. Neben Nachhaltigkeit gehe es auch darum, sich ein Stück weit unabhängiger etwa von internationalen Lieferketten zu machen, erklärte der Minister am Mittwoch in Dresden. Im Landwirtschaftsministerium soll deshalb ein eigenes Referat aufgebaut werden, das sich um das Thema regionale Wertschöpfung in Kombination mit Ökolandbau kümmert. «Es geht darum, regionale Erzeugung aus der Nische zu holen und zu einer systemrelevanten Versorgung zu machen», so Günther.

Dafür müsse neben Erzeugern selbst auch Verarbeiter, Handel und Gaststätten ins Boot geholt werden. «Wir brauchen einen wirtschaftlichen Lückenschluss zu den Erzeugern», so Günther. Bisher sei es oft noch so, dass das tierische oder pflanzliche Rohprodukt an Großhändler außerhalb Sachsens gehe. «Und dort die eigentliche Wertschöpfung stattfindet.» Bisher könne die Nachfrage nach regionalen Produkten oft nicht befriedigt werden.

Auch der Konsum Dresden verbucht eine höhere Nachfrage nach Waren aus der Region - unter anderem bei Brot, Obst- und Gemüse oder Milchprodukten. Der Anteil des Umsatzes mit regionalen Produkten und Lieferanten sei in den ersten vier Monaten des Jahres von 22 auf etwa 26 Prozent gestiegen, so Vorstandssprecher Roger Ulke. Etwa 114 sächsische Lieferanten mit 3500 Artikeln sind den Angaben zufolge in den Regalen des Dresdner Konsums gelistet. Ein Problem für viele kleinere Lieferanten sei aber die aufwendige und teure Zertifizierung. Wenn die Regierung einen Weg finden könnte, die Lieferanten dabei zu unterstützen, «dann könnten wir viel mehr von kleinen Produzenten integrieren», so Ulke.

Die Linksfraktion forderte die Landesregierung auf, besser über Fördermöglichkeiten etwa aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds zu informieren und einen Leitfaden für die Gründung und den Betrieb von Dorfläden zu erstellen. Nicht einmal die Hälfte der Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern in Sachsen hätten noch ein Lebensmittelgeschäft mit Vollsortiment, hieß es. Die Zahl der Dorfläden sank den Angaben zufolge von 2010 bis 2017 von 32 auf 17.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    saxon1965
    06.05.2020

    Dazu braucht es aber dann auch die Verbraucher bzw. Kaufkraft und natürlich das Bewusstsein.