Auf Sachsen rollt neue Abrisswelle zu

Die sächsischen Genossenschaften haben 2018 erstmals wieder mehr Wohnungen abgerissen als neu gebaut. Doch das ist nur der Anfang.

Chemnitz/Dresden.

Der Leerstand bei den sächsischen Wohnungsgenossenschaften hat sich erstmals seit Jahren wieder erhöht. Ende 2018 standen laut Verband VSWG mehr als 22.000 oder rund acht Prozent der Genossenschaftswohnungen leer. Der Leerstand fällt je nach Region aber unterschiedlich aus: Während in Leipzig, Dresden und Chemnitz etwa zwei bis sieben Prozent der Genossenschaftswohnungen unvermietet sind, sind es in den Landkreisen Vogtland, Mittelsachsen, Erzgebirge und Zwickau zwischen 11 und 15 Prozent. Es sei aber zu befürchten, dass diese Quoten mit erhöhter Geschwindigkeit steigen werden, sagte VSWG-Chef Axel Viehweger. Das liege vor allem an der Altersstruktur. Bei etlichen Genossenschaften sei ein Viertel der Mieter älter als 80 Jahre. Die zu erwarteten Kündigungen in den nächsten Jahren könnten kaum durch Neueinzüge kompensiert werden. Abriss sei dann unvermeidbar.

Seit der Wiedervereinigung wurden in Sachsen nach Verbandsangaben fast 34.000 Genossenschaftswohnungen abgerissen. Für diesen Abriss gab es je 70 Euro je Quadratmeter Zuschuss vom Staat. Wegen des Bevölkerungsrückgangs vor allem in den ländlichen Regionen und des Bedarfs an anders geschnitten Wohnungen rechnet Viehweger allerdings damit, dass in den kommenden zehn Jahren noch einmal bis zu 30.000 Genossenschaftswohnung zurückgebaut werden müssen. Das wäre fast jede Zehnte.

Wie das finanziert werden soll, sei aber noch völlig unklar, weil die Förderprogramme auslaufen, sagte Viehweger. "Ohne Förderung geht aber kein Rückbau. Deshalb liegen viele Projekte auf Eis, weil noch niemand weiß, wie das künftig einmal ausgestaltet sein wird", sagte VSWG-Referent Sven Winkler.

Angesichts der Altersstruktur der Genossenschaftsmieter, der steigenden Leerstände und des deshalb notwendigen vermehrten Abrisses hält Viehweger die politische Diskussion um Wohnungsnot in Sachsen für verantwortungslos. "Selbst in Dresden oder Leipzig haben wir keinen Wohnungsmangel", sagte er. "Die Politik handelt unverantwortlich, wenn sie den Leuten suggeriert, sie könnten überall für fünf Euro je Quadratmeter Kaltmiete wohnen. Ein Recht darauf gibt es einfach nicht." Vielmehr sei es volkswirtschaftlich absolut unsinnig, in 20 Kilometer Entfernung Wohnungen mit Steuergeld abzureißen, um dann in der Innenstadt mit Steuergeld neu zu bauen, sagte Viehweger.

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