Berufsausbildung mit Abitur feiert ein Comeback

Für einige Industrieberufe gibt es den Bildungsweg schon, ab 2019 können dann Jugendliche erstmals auch einen Handwerksberuf und das Abi in einem Ritt machen. Die Erwartungen sind groß.

Chemnitz.

Vor der Wende war es fester Bestandteil des Bildungsangebots, danach verschwand es. Nun aber ist das Modell der Berufsausbildung mit Abitur zurück. Im Industriebereich gibt es längst erste Angebote in Sachsen. Nun folgt auch das Handwerk. Ab dem Schuljahr 2019/20 soll in Bautzen und Zwickau die Ausbildung zum Elektroniker mit Abi möglich sein. Das kündigte Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Chemnitz, gestern an. "Wir haben sehr für den zweiten Standort Zwickau gekämpft. Nun müssen wir sehen, dass eine Klasse zusammenkommt", meinte Wagner. Erste Interessenten gebe es bereits und es stünden auch genügend Betriebe bereit, hieß es.

Vorgesehen ist demnach eine Mindestklassenstärke von 20 Auszubildenden. Die Ausbildung dauert vier Jahre. Das erste halbe Jahr findet ausschließlich gymnasialer Unterricht an einem Beruflichen Schulzentrum statt, erst danach beginnt auch die berufliche Ausbildung. "Für die Jugendlichen ist das schon eine Herausforderung", sagte Olaf Richter, HWK-Geschäftsführer für Bildung. Zum Vergleich: Die normale Berufsausbildung zum Elektroniker dauert dreieinhalb Jahre.

Für die Kammer ist das ein wichtiger Schritt - um die Anerkennung des Handwerks in der Gesellschaft zu verbessern und um zu zeigen, dass man attraktive Karrieremöglichkeiten biete. "Die Chancen im Berufsleben sind so viel größer", sagt Wagner. Es gebe viele innovative Betriebe, wo auch "viel mit Köpfchen gemacht" werde. Duale Berufsausbildung mit Abitur in Sachsen (Dubas) wird der Bildungsweg offiziell genannt. Im Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz gibt es seit einem Jahr ein entsprechendes Angebot. Am Beruflichen Schulzentrum für Wirtschaft II in Chemnitz können Jugendliche die Ausbildung zum/zur Industriekaufmann/-frau und das berufliche Gymnasium kombinieren. Auch hierfür sind vier Jahre angesetzt, die Berufsausbildung beginnt allerdings erst ab dem zweiten Jahr. Die erste Klasse startete nach IHK-Angaben 2017 mit 20 Schülern, fünf sind inzwischen abgesprungen. Der zweite Jahrgang in diesem Jahr zählt 19 Schüler. Das Ganze sei gut angenommen worden, berichtete Thomas Nelamischkies, Referatsleiter Bildung bei der IHK. Es sei aber wirklich nur etwas für "leistungsbereite und motivierte" junge Leute. Denn Abi- und IHK-Abschlussprüfung müssten zur gleichen Zeit absolviert werden. Auch in den beiden anderen Großstädten wird Dubas angeboten. In Dresden sind es die IHK-Berufe Fachinformatiker, IT-Systemelektroniker und Mechatroniker, in Leipzig der Industrie-, Werkzeug- und Zerspanungsmechaniker. In der Messestadt laufen die Ausbildungen bereits seit sieben Jahren als Pilotprojekt. Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Leipzig, spricht von einem "innovativem Ausbildungsmodell in Sachsen", das sich bewährt habe und in diesem Schuljahr in den "Regelschulbetrieb übergegangen sei.

Die HWK Chemnitz verzeichnet derweil noch einen anderen Trend: Zunehmend mehr junge Leute entscheiden sich nach Abgang vom Gymnasium nicht sofort für ein Studium, sondern erst einmal für eine Ausbildung im Handwerk. In den letzten zwei Jahren habe sich der Anteil der Lehrlinge mit Abi-Abschluss auf 15 Prozent verdoppelt. Man habe inzwischen eine Mitarbeiterin, die den Kontakt zu den Gymnasien halte. "Das trägt jetzt Früchte", so Richter.

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