Beschäftigte mit Arbeitssituation unzufrieden

Laut einer Befragung sehen sächsische Arbeitnehmer die Bedingungen kritisch. Wirtschaftsminister Dulig fordert "Respekt und Würde" für sie ein.

Dresden.

Viele sächsische Arbeitnehmer bewerten ihre Arbeitsbedingungen eher schlecht. Dies geht aus einer Befragung hervor, die das Zentrum für Sozialforschung in Sachsen im Auftrag des Wirtschaftsministeriums durchgeführt hat. Die Umfrage, an der sich 1000 Personen beteiligten, ist eine Ergänzung zum Index Gute Arbeit, den der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) anfertigen lässt. Mit 59 von 100 möglichen Punkten siedelten die Sachsen die Arbeitsqualität im Freistaat im unteren Mittelfeld an. Deutschlandweit lag der Wert bei 63 Punkten.

Gerade beim Einkommen sehen die Sachsen laut der Studie Potenzial. Auch mit den Bedingungen bei der Arbeitsintensität sind die Arbeitnehmer eher unzufrieden. Hierbei geht es beispielsweise um Fragen, wie viel Arbeit in welcher Zeit geleistet werden muss. Die Angaben differenzieren allerdings von Branche zu Branche. Gerade im Dienstleistungssektor beklagten sich viele Beschäftigte - hierzu zählen laut Studienleiter Thomas Ketzmerick beispielsweise Friseure, Kosmetiker oder Bestatter. Von 100 möglichen Punkten des Gute-Arbeit-Index wurden hier gerade einmal 48 erreicht. Der Wert liegt also unter dem Sachsenschnitt von 59. Ebenso beim Gastgewerbe (Indexwert 49) oder im Handel und der Kfz-Branche (Indexwert 56) wird diese Marke gerissen.

Martin Dulig (SPD), Minister für Wirtschaft und Arbeit, wertete die Befragung als ein Zeichen dafür, dass die sächsischen Arbeitnehmer ihren Wert am Arbeitsmarkt kennen: "Endlich kommt auch das Thema Gute Arbeit in Sachsen an", sagte er. "Die Massenarbeitslosigkeit ist weitgehend überwunden, wir haben ein innovatives Arbeitsumfeld." Es brauche "Respekt und Würde" vor der Leistung der Arbeitnehmer. "Zulange wurde den Beschäftigten eingeredet, dass es weniger um die Bedingungen der Arbeit geht als um den Arbeitsplatzerhalt als solchen." Sachsen dürfe kein Niedriglohnland bleiben.

Der sächsische DGB-Vorsitzende Markus Schlimbach forderte von den Arbeitgebern ein Umdenken ein: "Die Arbeitgeber in Sachsen müssen endlich im 21. Jahrhundert ankommen. Wir erleben es nach wie vor noch, dass die Betriebe teilweise wie in den neunziger Jahren, als sie aufgebaut worden, gestaltet sind." Körperlich schwere Arbeit dominiere weiterhin, die Arbeitnehmer hätten kaum Chancen, dass ihnen ihre Tätigkeiten erleichtert würden: "Wir haben hier Bedarfe, die in den nächsten Jahren deutlicher in den Mittelpunkt gerückt werden müssen." Hinzu komme, dass die Angestellten "ordentlich und fair" bezahlt werden müssten - "am besten mit Tarifvertrag".

Dulig, der nicht nur Wirtschaftsminister, sondern auch sächsischer SPD-Vorsitzender ist, denkt vor dem Hintergrund der Studie über eine neue Sonderstaatsanwaltschaft in Sachsen nach. "Wir müssen unsere Spielregeln schärfen. Ich bin schon der Meinung, dass das Betriebsverfassungsgesetz so geändert werden muss, dass die Gründung von Betriebsräten erleichtert wird und die Be- und Verhinderung von Betriebsratsarbeit stärker bestraft wird." Das sei eben kein "Bagatelldelikt", der Freistaat Sachsen müsse hier Vorreiter sein.

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