Brennstoffzelle: Großinvestition in Chemnitz verzögert sich

Mit chinesischer Beteiligung soll an dem Standort ein Zentrum für Brennstoffzellen-Antriebe entstehen. Eine millionenschwere Investition. Doch mit dem Bau kann wohl erst 2019 begonnen werden. Die Gründe dafür liegen auch im Ausland.

Chemnitz.

Eigentlich sollten sich schon die Baukräne drehen, der erste Spatenstich für den Neubau der Firma Fuel Cell Powertrain (FCP) war einmal für das Frühjahr geplant. Nun verzögert sich der Baubeginn für das neue Firmengebäude, in dem moderne Brennstoffzellensysteme entwickelt, getestet und zunächst in Kleinserie gefertigt werden sollen. Doch FCP-Geschäftsführer Thomas Melczer lässt keine Zweifel aufkommen: Die Großinvestition unter Beteiligung chinesischer Kapitalgeber kommt wie geplant. "Es ist alles im grünen Bereich, wir sind auf einem guten Weg", sagte Melczer.

Das Vorhaben war im November 2017 bekannt geworden. Rund 120 Millionen Euro sollen demnach über einen Zeitraum von drei Jahren an dem Standort investiert werden. Mindestens 100 Arbeitsplätze sollen mittelfristig entstehen. Maßgeblich beteiligt war zu dem Zeitpunkt die Dewei-Gruppe aus China. Inzwischen hat laut Melczer diesen Part die Firma HET, ein Finanzinvestor aus Peking, übernommen.

Die Verzögerungen begründete der FCP-Chef vor allem mit "einer ganzen Menge an Genehmigungen", die mittlerweile in China erforderlich seien. Man habe auch zusätzliche Gutachten erstellen müssen. Er rechne damit, dass dieser Prozess spätestens im Juli abgeschlossen ist. Der Grund für das Prozedere: Die Serienfertigung der Produkte soll einmal in der Volksrepublik erfolgen. Dort spiele das Fahren mit Wasserstoff eine wesentliche Rolle in der zukünftigen Mobilität.

In dem Firmenneubau in Chemnitz sollen in Zukunft nicht nur die Brennstoffzellen, sondern auch das Antriebssystem mit E-Motor und Getriebe sowie die übergreifende Steuerung entwickelt werden. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz geplant. Die Firma FCP will sich aber nicht nur auf Brennstoffzellen-Systeme für Fahrzeuge konzentrieren. Einen Markt sieht das Unternehmen auch für stationäre Stromversorgungseinrichtungen wie Notstromaggregate. "Überall dort, wo man Strom braucht, kann man die Brennstoffzelle einsetzen", hatte Melczer einmal erklärt. Eine erste Lösung auf Brennstoffzellenbasis für einen solchen Einsatzbereich wird FCP im Juli ausentwickelt haben. Laut Melczer handelt es sich um eine Notstromversorgung mit 2,5 Kilowatt Leistung für Telekommunikationseinrichtungen wie Funkmasten. Zum Jahresende wäre die Lösung dann auch produktionsreif.

Die Firma beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit 17 Mitarbeiter. Und man sei bereits dabei, weitere Mitarbeiter einzustellen. Bewerbungen dafür bekomme man auch, sagte Melczer. "Das Thema Brennstoffzelle zieht schon."

Der Baustart ist derweil allerdings noch um einige Monate nach hinten gerutscht. Melczer geht davon aus, dass es Anfang kommenden Jahres losgehen kann "und wir dann, wenn alles gut geht, im Herbst 2019 einziehen können". Die Bauplanung sei aber bereits "in vollem Gange". Beauftragt damit ist demnach die Firma Goldbeck. Angesiedelt werden soll das Projekt auf dem Smart System Campus an der TU Chemnitz. Vorgesehen sind demnach zwei Hallen mit jeweils 3500 Quadratmeter Fläche für Testfeld, Fertigung und Logistik sowie 2500 Quadratmeter große Verwaltungsräumlichkeiten. Die Hälfte der Investitionssumme wird für Gebäude und Technik benötigt. Die übrigen rund 60 Millionen Euro sind für die Entwicklung der Produkte eingeplant.

Bei der landeseigenen Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) macht man sich derweil Hoffnungen, dass sich im Zuge der Projektrealisierung weitere Unternehmen vor Ort ansiedeln und bereits ansässige davon profitieren werden. "Wir sehen darin eine hervorragende Gelegenheit für den Standort Chemnitz - mit seinen Automobilunternehmen und Maschinenbauspezialisten", erklärte WFS-Pressesprecherin Sylvia Weiß. Das Vorhaben sei aber auch wichtig, weil damit die Forschungslandschaft Sachsen einen weiteren "Hochkaräter" erhalte. Gemeinsam mit Partnern wie der Chemnitzer Wirtschaftsförderung habe man das Vorhaben von Anfang an begleitet, hieß es.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...