Brückner: Krise bei Autobauern trifft Sachsen besonders

Volkswagen, BMW, hunderte Zulieferer: Kaum ein Wirtschaftszweig prägt Sachsen so sehr wie die Automobilindustrie. Der Strukturwandel macht der Branche zu schaffen. Die Wirtschaft sorgt sich.

Dresden (dpa/sn) - Die Krise der Autobranche trifft Sachsen nach Einschätzung der Vereinigung Sächsischer Wirtschaft besonders hart. Die Automobil- und Zulieferindustrie sei für den Freistaat mit mehr als 105 000 Arbeitsplätzen in rund 800 Betrieben von großer Bedeutung, sagte Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner der Deutschen Presse-Agentur. Er sprach von einer «extrem schwierigen Situation» der Branche. «Der Auftragseingang ist bei uns innerhalb eines Jahres um knapp 20 Prozent eingebrochen. Im Bundesdurchschnitt waren es nur neun Prozent.» Die Entwicklung belastet auch die Zulieferer, deren Aufträge ebenfalls zurückgingen.

Brückner sieht Sachsen aufgrund der Wirtschaftsstruktur vor speziellen Herausforderungen: Es gibt mehr Zulieferer als im Bundesdurchschnitt, zudem ist die Branche kleinteiliger und nachrangiger in der Lieferkette. Bei den Autobauern, die in Sachsen Standorte haben, geht es vor allem um Produktion. «Vertrieb, Forschung und Entwicklung sowie Produkt- und Standortentscheidungen finden nach wie vor außerhalb unserer Region statt», so Brückner.

Die Autobranche steht im neuen Jahr vor vielen Aufgaben: Einer schwächelnden Konjunktur, Veränderungen in der Mobilität sowie die politischen Vorgaben zur Klima- und Energiewende. «Natürlich müssen die Unternehmen ihre Hausaufgaben machen», sagte Brückner. Dafür brauche es aber eine Balance zwischen Ökonomie, Ökologie - und sozialen Aspekten. So müssten etwa auch die Sorgen der Menschen auf dem Land ernst genommen werden. «Dort wird man ein bezahlbares Auto auch künftig brauchen.» Sachsens Arbeitgeberpräsident warnte vor einem Strukturbruch und forderte die Politik auf, nicht an unrealistischen Vorgaben festzuhalten. Um das Klimaproblem zu lösen, brauche es weiterhin Technologieoffenheit, betonte er.

Brückner rechnet damit, dass die Krise in der Autoindustrie das gesamte Wirtschaftswachstum in Sachsen bremst. «Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass die Konjunktur auch 2020 schwach ist.» So sei der Mitarbeiterzuwachs in der Metall- und Elektroindustrie als größtem Industriezweig erstmals seit 2009 ins Stocken geraten. Zudem habe die Kurzarbeit in den vergangenen Monaten - ausgehend von niedrigem Niveau - zugenommen und erreiche derzeit den höchsten Stand seit Ende 2014. «Diese Anzeichen sehen wir mit Sorge.»

Auch was die Exporterwartungen für 2020 angeht, gibt sich der Arbeitgeberpräsident angesichts von ungeklärtem Brexit und Handelskonflikten mit USA und China eher skeptisch. Insgesamt hätten 2019 weniger Waren von Sachsen ins Ausland verkauft werden können. «Das sind keine guten Nachrichten, haben wir unser Wachstum doch zuletzt ganz wesentlich unserer erfolgreichen Exportwirtschaft zu verdanken gehabt.» Brückner fordert deshalb verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen und Unterstützung für den Mittelstand, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können.

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