Bruno Banani: Unterwäsche ist nicht alles

Für die Chemnitzer Firma ist das Lizenzgeschäft mit Parfüm, Schmuck und Schuhen immer wichtiger geworden. Slips und Badehosen wird es auch weiterhin geben - künftig verstärkt in speziellen Läden.

Chemnitz.

Den schwarz-gelben Pappaufsteller, der neben den Ständern mit Unterwäsche im Konferenzraum von Bruno Banani steht, kann man nicht übersehen. Es sind die Vereinsfarben des Fußballklubs Borussia Dortmund (BVB), die hier leuchten. Der Chemnitzer Unterwäschehersteller hat ein Kooperationsgeschäft mit dem Bundesligaklub laufen: Die BVB-Fan-Edition beinhaltet Damen- und Herrendüfte, die Flakons spiegeln die Farben des Vereins wider. "Wir sind ganz vorn mit dabei, mit Bandenwerbung und im Verkauf in den Fanshops", erzählt Bruno-Banani-Chef Jan Jassner.

Und wenn man so will, steht der BVB-Aufsteller auch ein Stück weit für die Entwicklung der Firma, die am Montag ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Ein Familienbetrieb, der einst mit der Produktion von Designerunterwäsche eine Marktlücke schließen wollte und der sich mit spektakulären Marketingaktionen vom Textilproduzenten zu einem international tätigen Lifestyle-Produkte-Anbieter entwickelt hat. Parfum spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die Marke Bruno Banani ist, so sagt Jassner, der meistverkaufte Duft hierzulande. Die Firma fertigt die Duftartikel dabei nicht selbst. Dafür sorgt der Kosmetikkonzern Coty. Bruno Banani stellt als Lizenzgeber nur den Markennamen zur Verfügung. Aktuell hat der Unterwäschehersteller Verträge mit zwölf Lizenzpartnern. Das Portfolio reicht von Schmuck bis zu Schuhen und Gürteln. Das Lizenzgeschäft macht Jassner zufolge heute mehr als die Hälfte des Umsatzes aus. "Wir wachsen aber auch im Kerngeschäft weiter", versichert der 45-Jährige, der gemeinsam mit Vater Wolfgang und Vertriebschef Jose Borge Sanchez die Geschäfte der Firma führt.

Das Kerngeschäft, das sind Unterwäsche und Bademoden für Männer und Frauen. Doch nur die hochwertigen Herrenunterwäscheteile und Badehosen aus Mikrofaser werden in Chemnitz zugeschnitten und genäht. Alles andere lässt die Firma in China fertigen. Das gilt auch für die preiswertere Standardware, etwa Slips im Doppel- und Dreierpack. Solche Packungen würden zunehmend stärker nachgefragt. "Sie drehen sich schneller."

Es war am 1. November 1993, als der aus dem baden-württembergischen Aalen stammende Textilmanager Wolfgang Jassner die Firma Bruno Banani Underwear GmbH gründete und mit 15 Mitarbeitern startete. "Es gab zu dieser Zeit keine junge, fetzige Marke im Unterwäschebereich", hat Jassner mal gesagt. Das Konzept ging auf. Peter Werkstätter, Geschäftsführer beim Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (VTI), spricht von einer "beispiellosen Erfolgsgeschichte in Ostdeutschland".

Dass der Name heute mehr als 65 Prozent der Deutschen bekannt ist, daran dürften auch ungewöhnliche Marketingaktionen ihren Anteil haben. Ob im All, in der Wüste, auf dem Meeresgrund oder im Teilchenbeschleuniger - Bruno Banani ließ seine Unterwäsche medienwirksam an ausgefallenen Orten testen. Schlagzeilen brachte auch die Olympiateilnahme des Rennrodlers Fuahea Semi aus Tonga, der den Namen Bruno Banani annahm. Mit der Chemnitzer Firma soll der Namenstausch nicht abgesprochen gewesen sein. Dennoch habe man den Rodler fünf Jahre lang begleitet, berichtet Jan Jassner. "Eine tolle Geschichte." Doch zuletzt war es ruhiger geworden um den Hersteller. Man habe Zeit gebraucht, um sich etwas zu konsolidieren, sagt der Firmenchef. "Wir haben aber noch ein paar neue Dinge im Kopf", fügt er hinzu.

Bei allem Erfolg: Das Geschäft ist nicht einfach. Die Textil- und Modebranche leide seit Jahren unter stagnierenden Umsätzen im Einzelhandel und einem starken Verdrängungswettbewerb, dem auch Bruno Banani ausgesetzt sei, heißt es im letzten Jahresabschluss der Firma. Die Vertriebswege ändern sich, der stationäre Handel stagniert. Filialisten wie Zara, H&M und Primark verdrängen den klassischen Fachhandel. Darauf habe man reagieren müssen. Die Firma eröffnete neben einem Onlineshop auch eigene Läden, sogenannte Outlets. Das sei kein Modell für die Innenstadt. Man gehe damit auf die grüne Wiese und an grenznahe Standorte. Zwölf Outlets betreibt die Firma, weitere Neueröffnungen soll es ab 2020 geben.

60 Mitarbeiter sind derzeit in Chemnitz tätig, etwa 20 weniger als vor noch vor fünf Jahren. Die Läden dazugerechnet, kommt man auf 117 Beschäftigte. 125 Millionen Euro Umsatz hat die Firma inklusive des Lizenzgeschäfts laut Jassner im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis 31. Oktober) erzielt, gut acht Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Exportanteil liegt bei 35 Prozent. Für VTI-Mann Werkstätter gehört die Firma nach wie vor zu den Vorzeigeunternehmen. "Hier wird Tarif gezahlt."

Und die nächsten 25 Jahre? Derzeit sieht Jassner die Firma beim Sortiment gut aufgestellt. "Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt. Wir schauen aber weiter optimistisch in die Zukunft", sagt er.

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