Chemnitzer Anlage hilft Blackout in Tschechien zu verhindern

Die Windenergie aus Norddeutschland hat zunehmend das tschechische und polnische Stromnetz überlastet. Jetzt sind auch in Chemnitz Stromsperren errichtet worden. Die funktionieren - und kosten die Verbraucher viel Geld.

Chemnitz.

Die Luft knistert auf dem Gelände des Umspannwerkes des ostdeutschen Netzbetreibers 50 Hertz. Es surrt und brummt - und zwar umso lauter, je stärker der Wind ein paar Hundert Kilometer weiter weht oder je stärker die Sonne scheint. Denn dann müssen die beiden Phasenschiebertransformatoren (PST) in Chemnitz-Röhrsdorf Höchstarbeit leisten: Sie sorgen ähnlich wie ein Ventil dafür, dass der an der Küste und im Osten produzierte Ökostrom nicht die mit dem sächsischen Netz verbundenen tschechischen Stromtrassen überschwemmt.

Rund 100 Millionen Euro hat 50 Hertz in die beiden Kolosse, die jeweils rund 800 Tonnen wiegen, investiert. In etwa die gleiche Summe steckt das Unternehmen noch einmal in Transformatoren an der polnischen Grenze in Brandenburg - Kosten, die die Stromkunden über die Netzentgelte bezahlen müssen.

Doch auch die Netzbetreiber in Tschechien und Polen mussten Transformatoren installieren, um Blackouts durch den ungewollten deutschen Ökostromzufluss zu verhindern, der zudem die eigenen Stromexporte blockierte. "Die mit 50 Hertz gemeinsam gefundene Lösung ist sehr effektiv", sagt Jan Kalina, Vorstandsvorsitzender des tschechischen Netzbetreibers Ceps. "Sie ist ein Meilenstein in der Erhaltung der Versorgungssicherheit."

Die Röhrsdorfer Transformatoren sind jetzt seit Januar in Betrieb. Sie können stufenweise den Stromdurchfluss regulieren. 40 Terawattstunden werden laut Dirk Biermann, Geschäftsführer bei 50 Hertz, über das eigene Netz exportiert. Bisher hatte sein Unternehmen, wenn zu viel Ökostrom aus dem Norden auf seinem Weg zu den Kunden im energiehungrigen Süden Umwege über Polen und Tschechien nahm, weil in Deutschland leistungsfähige Leitungen fehlen, Kraftwerke herunterfahren und Windräder notabschalten müssen. "Das ist aber nicht besonders intelligent, wenn es nur um Strom geht, der zu viel nach Tschechien oder Polen fließt, man zugleich aber die Stromproduktion in Deutschland gar nicht reduzieren will", erklärt Biermann. "Eigentlich geht es doch nur um den optimalen Weg, den der Strom nehmen soll." Die neuen Transformatoren steuerten jetzt - und zwar koordiniert - nicht nur den Stromabfluss über die Grenze. Mit ihnen ließen sich auch noch weitere inländische Leitungen so regeln, dass die Kapazitäten des bestehenden deutschen Netzes effizienter ausgelastet werden.

Im Hamburger Raum will 50 Hertz deshalb laut Biermann weitere PST installieren. Das alles helfe, das Herauf- und Herunterfahren von Kraftwerken und das Notabschalten von Windrädern zu reduzieren, sagt er. Denn deren Betreiber erhalten für derartige unfreiwillige Pausen eine Entschädigung. Allein im Jahr 2015 kosteten die Eingriffe ins Stromnetz 50 Hertz 350 Millionen Euro. 2016 und 2017 waren es je 180 Millionen Euro, die über die Netzentgelte an die Verbraucher weitergereicht werden. Um wie viel diese Belastung durch den Einsatz von Transformatoren gesenkt werden kann, kann das Unternehmen aber nicht beziffern. Die Anzahl der Eingriffe hänge von zu vielen Unwägbarkeiten ab, heißt es. Für Biermann können die PST ohnehin nur ein Zwischenschritt sein. "Wegen des weiteren Ökostromzubaus im Norden führt am zügigen Netzausbau definitiv kein Weg vorbei", sagt er.

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