"Der Erfolg der Elektro-Offensive steht für mich außer Frage"

Volkswagen-Chef Herbert Diess über die Vorteile der E-Auto-Reihe ID, die Batteriefertigung und vernetzte Autos

Genf/Zwickau.

Der Automobilsalon in Genf stand ganz im Zeichen der Elektromobilität. Auch der VW-Konzern setzt darauf. Sachsen wird dabei der europaweit wichtigste Standort für die neue Antriebstechnik. Konzernchef Herbert Diess ist fest davon überzeugt, dass sich auch genügend Käufer für die neuen E-Autos finden. Hubert Kemper hat mit ihm am Rande der Messe gesprochen.

Freie Presse: VW steuert mit Ihnen schnurstracks in Richtung E-Mobilität. Was stimmt Sie sicher, dass die Kunden Ihren Kurs mitgehen?

Herbert Diess: Die Umwelt ist weltweit ein entscheidendes Thema für viele Menschen und unsere Industrie. Elektromobilität ist ohne Alternative, wenn wir die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen wollen. Und das wollen wir erreichen. In diesem Jahr werden wir die Serienversion des Volkswagen ID zeigen. Ein Fahrzeug, das als erstes den modularen E-Baukasten des Volkswagen-Konzerns (MEB) nutzen wird. Mit dem MEB erzielen wir spürbare Vorteile: in Sachen Reichweite mit bis zu 550 Kilometer und überdurchschnittlichem Raumangebot, in Sachen Betriebskosten, die durchweg deutlich günstiger liegen als bei vergleichbaren Autos mit Verbrennungsmotor, und in Sachen Konnektivität, die die Autos zu Tablets auf Rädern macht, und bei der Ladegeschwindigkeit.

Apropos "Autos zu Tablets auf Rädern machen". Mancher Kunde wird sich fragen, was mit den persönlichen Daten geschieht, die in der Cloud gesammelt werden. Wie sicher sind angesichts der engen Kooperation - etwa mit Microsoft - Daten, die außerhalb der EU und hiesiger Schutzbestimmungen gespeichert und verarbeitet werden?

Kunden wünschen auch im Auto dieselben digitalen Serviceangebote wie zuhause oder auf ihrem Smartphone. Der Datenfluss ermöglicht stete Verbesserung, Agilität, direktes Feedback von Kunden. Jeder, der ein Smartphone benutzt, akzeptiert ja auch heute schon die Nutzung seiner Daten. Sie ermöglichen passende Angebote. Nur ein Beispiel: Ein Drittel des Innenstadtverkehrs entfällt auf Parkplatzsuche. Das könnte man drastisch reduzieren, wenn freie Plätze registriert und an die Fahrzeuge weitergegeben würden - aber dafür müssen sie vernetzt sein.

Nachgefragt: Wie sicher sind die Daten?

Wer das System nicht nutzen möchte, kann es jederzeit abschalten. Und die Cloud-Technologie und Infrastruktur unseres Partners Microsoft erfüllen ein breites Spektrum internationaler Standards und Compliance-Anforderungen.

Vor allem Ihr Werk Zwickau steht und fällt mit Erfolg oder Misserfolg der Elektro-Offensive. 2020 wollen Sie rund 100.000 ID-Fahrzeuge herstellen. Wer wird die kaufen?

Für mich steht der Erfolg unserer Elektro-Offensive außer Frage. Das sehen wir schon jetzt an den sehr positiven Händlerreaktionen. Und es bestätigt sich in der Nachfrage nach unseren bestehenden E-Fahrzeugen E-Golf oder E-Up. Der E-Mobilität gehört die Zukunft. Daher richten wir in Deutschland auch unsere Werke in Emden und Hannover auf die Produktion von E-Autos aus.

Sie haben stets die Abhängigkeit vom Riesenmarkt der Batteriezellen-Technik der Asiaten beklagt. Was unternimmt Ihr Konzern, um sich davon zu lösen?

Die Batterieproduktion wird das größte Wachstumsfeld in den nächsten zehn Jahren. Das Feld beherrschen heute Zulieferer aus Korea und China. Uns hat in Europa bislang der Mut gefehlt, rechtzeitig in diese Technologie einzusteigen. Auf verschiedenen Ebenen wird jetzt diskutiert, wie wir den Einstieg schaffen können. Auch wir prüfen, in welcher Weise sich Volkswagen hier engagieren kann.

Die Debatte um Feinstaub und Fahrverbote ebbt ab, die Verkaufszahlen beim Diesel ziehen wieder an. War das eine typisch deutsche Überreaktion?

Wir haben eine sehr emotionale und vielfach unsachliche Diskussion erlebt. Das hatte teilweise Züge eines Feldzuges gegen die individuelle Mobilität angenommen. Wenn man nach Frankreich oder Italien schaut, sieht man, dass sich die Menschen das nicht gefallen lassen. Individuelle Mobilität ist ein Bedürfnis, das uns allen wichtig ist. Moderne Gesellschaften sind auf Mobilität angewiesen. Und das Automobil wird auch in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil der individuellen Mobilität sein - und zwar elektrisch und CO-neutral.

Herbert Diess 

Der 60-Jährige lenkt seit April vorigen Jahres als Vorstandsvorsitzender die Geschicke des Volkswagen-Konzerns. Herbert Diess ist bekannt für deutliche Worte - zugleich gilt er als diplomatischer und verbindlicher als sein Vorgänger Matthias Müller. Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur und Vater dreier Kinder kam im Sommer 2015 in der Führungsetage auf dem Wolfsburger Werksgelände an. Zuvor war bei BMW in Vorstandspositionen tätig, zuletzt verantwortete er dort den Bereich Entwicklung. (dpa)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
3Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    1
    Zeitungss
    13.03.2019

    Mal sehen , wer von den hohen Persönlichkeiten bei der Schließung in Mosel anwesend ist. Als Gedächtnisstütze, Niedersachsen ist Hauptaktionär bei VW und nicht Sachsen.

  • 4
    1
    Zeitungss
    11.03.2019

    Wieviel von den 600 Fahrzeugen werden von der öffentlichen Hand, also dem Steuerzahler geordert, hätte der Ordnung halber mit in den Bericht gehört. Über monatliche Zulassungszahlen in den 16 "Grafschaften" schweigt man sich bekanntlich aus, warum wohl ??? Erfolgsmeldungen in den Medien sehen anders aus.

  • 5
    1
    cn3boj00
    11.03.2019

    "Und es bestätigt sich in der Nachfrage nach unseren bestehenden E-Fahrzeugen E-Golf oder E-Up."
    Die Zulassungszahlen des E-Golf bewegen sich bei etwa 600 pro Monat. Daraus zu schließen dass man nächstes Jahr 100000 E-Autos verkaufen kann ist schon recht optimistisch. Dazu müssten sich die Preise bei höchstens 3000 Euro über denen der Verbrenner bewegen. Im Moment sind es eher 10-15000 - wie will man das hinbekommen? Dass die Preise für Akkus fallen werden steht außer Frage - aber in dem Maße? Das wird wohl erst mit alternativen Stromspeichertechnologien kommen, und die sind eher noch nicht greifbar.
    Ach ja, dass die Gelbwesten in Frankreich oder Italien z.B. wegen Dieselfahrverboten auf die Straße gehen ist mir neu. In Deutschland jedenfalls lassen sich die Menschen alles gefallen, auch massiven Betrug mit staatlicher Unterstützung.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...