Der Instrumentenbau der Zukunft: Innovativer und jünger

Fehlende Fachkräfte, eine ländliche Region und überholte Materialien: Der vogtländische Musikwinkel kämpft mit unterschiedlichen Problemen. Nun sollen eine Millionenförderung und Zukunftsprojekte helfen.

Markneukirchen (dpa/sn) - Geld vom Bund und frische Ideen für den Instrumentenbau im Vogtland: Mehr als vier Millionen Euro aus einem Bundesprogramm stehen bis 2021 für Projekte bereit, die dem traditionellen Handwerk eine Zukunft schaffen sollen. Eine zunehmende Digitalisierung, ein Lifestyle-Konzept, das junge Leute in die Provinz lockt, und eine Forschungsstelle für alternative Materialien im Musikinstrumentenbau könnten dabei helfen, sagte Gunter Ziegenhals vom verantwortlichen Bündnis «I-Ma-Tech» am Montagnachmittag in Markneukirchen.

«Das Geld kann aber nur eine Basis schaffen», ergänzte der Professor am Institut für Musikinstrumentenbau. Insgesamt 22 Einzelprojekte sind in Arbeit. Man hoffe, in der zweiten Förderphase ab 2022 ebenfalls zu überzeugen. Im günstigsten Fall könnten insgesamt 15 Millionen Euro in den Musikwinkel fließen. Die Fördermittel stammen aus dem Programm «WIR! - Wandel durch Innovation in der Region», das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bereitgestellt wird.

Der Fachkräftemangel in der ländlichen Region gehört zu den Hauptsorgen. Viele der Instrumentenbauer seien in einem fortgeschrittenen Alter, stellte Instrumentenbaumeisterin Kerstin Voigt fest, die «I-Ma-Tech» ebenfalls unterstützt. «Wir erwarten in den nächsten Jahren massive Einbrüche. Etliche Betriebe müssen geschlossen werden, weil sie niemand weiterführt.» Deshalb sei die Neuansiedlung junger Instrumentenbauer für die rund 2500 Beschäftigten in über 126 Werkstätten überlebenswichtig.

Ein weiteres Problem seien Einschränkungen für die verwendeten Materialien, die für die Instrumentenbauer existenziell seien, darunter Blei, Chrom und Nickel. «Der Einsatz wird erschwert oder ist gar verboten. Wir brauchen dringend neue, alternative Lösungen», so Voigt. Umweltaspekte gefährdeten wiederum die traditionelle Verwendung tropischer Hölzer.

In einem Teilprojekt von «I-Ma-Tech» soll laut Ziegenhals daher untersucht werden, wie sich eine entsprechende Forschung in der vogtländischen Region ansiedeln könnte, die diesem Materialproblem durch neue Technologien ein Ende macht. «Hier braucht es auch moderne ausbildungsformen.» Im Moment orientiere sich die Ausbildung an Erkenntnissen aus dem letzten Jahrhundert.

«Uns schwebt ein Campus vor. Die finanzielle Förderung jetzt könnte den Startschuss bilden», meinte Ziegenhals. Die Lehr-, Meister- und Hochschulausbildung für Instrumentenbauer, die im Moment an unterschiedlichen Orten stattfindet, könne dann zusammen mit einer Forschungsabteilung konzentriert werden. So wolle man mit der jahrhundertealten Tradition in die Zukunft blicken.

«Das Interesse am vogtländischen Musikinstrumentenbau steigt seit Jahren», sagte Frank Bilz vom Verein «Musicon Valley» in Markneukirchen, der seit zehn Jahren für die touristische Vermarktung des Musikwinkels verantwortlich ist. Internationale Orchester, Musikvereine und andere Interessierte buchen die Besuche bei den Instrumentenbauern und in den Schauwerkstätten. Allein das Fachpublikum liege bei 5000 Besuchern im Jahr. «Wir haben klein angefangen. Inzwischen führen wir bis zu zwei Reisegruppen in der Woche durch unsere Räume und zu den Instrumentenbauern.»

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