Der letzte neue Wismut-Stollen im Erzgebirge ist vollendet

Vor 27 Jahren wurde in Schlema der letzte Hunt mit Uranerz aus den Tiefen der Erde gefördert. Ab 2011 haben Bergleute trotzdem noch einmal eine ganz neue Strecke unter Tage ausgebaut. Wozu, das wurde gestern vorgeführt.

Der mittelalterliche Markus-Semmler-Stollen erhielt auf knapp 1,2 Kilometer Länge einen neuen Verlauf.

Für Sie berichtet: Gabi Thieme

Als die Wismut in den 1950er- und 60er-Jahren unter der Gemeinde Schlema im Erzgebirge bis nahe an die Erdoberfläche Uranerz abbaute, begann sich der Ort langsam zu senken - um bis zu sechs Meter. Und mit ihm auch der Markus-Semmler-Stollen. Der war schon ab dem Jahr 1503 als reiner Entwässerungsstollen 60 Meter unter der Erde gebaut worden, um das ganze Schneeberger Revier im natürlichen Gefälle bis zur Mündung des Stollens in die Mulde bei Hartenstein zu entwässern. Doch damit war vor rund 50 Jahren im Bereich des heutigen Kurparks Schluss. Teile des Stollens waren hier eingebrochen. Für die Ableitung des Wassers mussten damals Rohrleitungen gebaut werden. Teils wurde es auch aufwendig nach über Tage gepumpt.

Im Rahmen ihrer Sanierungstätigkeit erhielt die seit 1990 bundeseigene Wismut nach langer Diskussion um Nutzen und Kosten 2010 den Auftrag, einen Teil des Markus-Semmler-Stollens unter Bad Schlema neu aufzufahren, um wieder eine dauerhafte Ableitung des Wassers im natürlichen Gefälle zu schaffen. Diese letzte große bergmännische Sanierungsmaßnahme unter Tage wurde gestern mit einem Jahr Verspätung abgeschlossen.

Die Arbeiten für den 1,2 Kilometer langen neuen Stollen mit einem Querschnitt von etwa 5,5 Quadratmetern hatten 2011 begonnen und bis 2014 gedauert - wegen komplizierter geologischer Bedingungen länger als geplant. 12.000 Kubikmeter Gestein die beim Vortrieb der Strecke anfielen, wurden in der 1,5 Kilometer entfernten Halde 309 eingelagert, die inzwischen ebenfalls vollständig saniert ist. Fast die gesamte Strecke musste dann zur Sicherheit mit Spritzbeton ausgekleidet werden. Die Sohle wurde durchgehend mit einer 20 Zentimeter dicken Schicht betoniert, erläuterte Carsten Wedekind, Bereichsleiter Sanierung im Raum Aue/Königstein. Anschließend wurden Gleise für die jährlichen Wartungs- und Kontrollfahrten verlegt. Der gesamte Vortrieb sei in drei Schichten, das Betonieren in zwei Schichten, erfolgt, "und zwar so, dass die Bad Schlemaer gar nicht viel davon mitbekamen", gibt sich auch Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler) erleichtert. Gestern rauschten nun angesichts langer Trockenheit "nur" etwa 350 Kubikmeter Wasser pro Stunde durch den Stollen unter dem seit 2004 anerkannten Kurort. Im Schnitt werden es 570 Kubikmeter und in Spitzen, wie bei der Jahrhundertflut 2002, bis zu 2000 Kubikmeter pro Stunde sein. Ein Territorium mit fast 40 Quadratkilometern Einzugsgebiet wird damit sicher entwässert.

7,6 Millionen Euro stellte nach Angaben von Geschäftsführer Michael Paul der Bund für den sogenannten Südumbruch zur Verfügung, eine der zeit- und kostenintensivsten Sanierungsmaßnahmen im Erzgebirge. Der Name Südumbruch rührt daher, weil der Stollen südlich des ehemaligen Deformationsgebietes aufgefahren wurde und damit das Senkungsgebiet unter dem Kurpark umgeht. Oberberghauptmann Bernhard Cramer, Leiter des Sächsischen Oberbergamtes in Freiberg, bezeichnete die gestern abgeschlossene Maßnahme "als enorm wichtigen Schritt für die Sicherheit an der Erdoberfläche". Überhaupt seien der Umfang und die Herausforderungen bei der Sanierung der Wismut in Bad Schlema weltweit einmalig.

Die verbliebenen Sanierungsmaßnahmen in der Grube Schlema-Alberoda werden laut Wismut nach derzeitigem Plan 2024 abgeschlossen. Danach müssen aber 15 Kilometer offene Grubenbaue einschließlich notwendiger Tagesöffnungen auf unbestimmte Zeit unterhalten und kontrolliert werden.

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