Der sichere Parkplatz fürs Fahrrad

Zwei Chemnitzer Gründer kommen demnächst mit einem neuen Produkt auf den Markt, das vielen Fahrradbesitzern die Angst vor Diebstahl nehmen kann.

Chemnitz.

Steve Winter, angehender Wirtschaftsingenieur an der Hochschule Mittweida, kennt das Gefühl, wenn das Fahrrad plötzlich weg ist, geklaut und nicht mehr auffindbar. Dem 27-Jährigen ist sein Bike auf diese Weise abhandengekommen. Zusammen mit Patrick Rabe (26), Wirtschaftsingenieur und Studienkollege von Steve Winter, wurde die Idee geboren, einen sicheren Unterstand für Fahrräder zu entwickeln. Das ist zweieinhalb Jahre her.

Für den Start ihres Projekts nutzten sie ein Gründerstipendium. Inzwischen haben die beiden jungen Sachsen in Chemnitz die Start-up-Firma RWC factory GmbH gegründet und arbeiten mit Hochdruck daran, ihre abschließbare Abstellanlage für Fahrräder mit dem Namen "Velobrix" in die Serienfertigung zu bringen. Um ihr System zu testen, haben die beiden mit dem Verkehrsverbund Oberelbe ein Pilotprojekt vereinbart. Seit Anfang Oktober steht der erste "Velobrix" für 16 Fahrräder auf dem Bahnhofsvorplatz von Coswig (Landkreis Meißen). "Wir wollen wissen, wie sich unsere Anlage bei Wind und Wetter verhält, denn bis Ende des Jahres wollen wir die Kinderkrankheiten ausmerzen", erklärt Rabe die Vorgehensweise.

Den Wirtschaftsingenieuren ging es vor allem darum, ein einfaches, robustes und leicht zu bedienendes Abstellsystem zu schaffen, das den Diebstahl der Fahrräder weitgehend ausschließt. Als Grundmodul entschieden sie sich für umgebaute Schiffscontainer, die in Hamburg erworben werden können. "Das ermöglicht uns auch die temporäre Nutzung", sagt Winter und meint damit beispielsweise den Einsatz bei Festivals. Der Container lasse sich relativ unkompliziert auf einen Lkw verladen und könne wieder abtransportiert werden.

In dem "Velobrix" ist Platz für insgesamt 16 Fahrräder auf zwei Ebenen. Die Nutzer benötigen keine Registrierung, sondern können über ein Touchscreen mit ihrer Girocard die Fahrradbox öffnen. Das Fahrrad wird mit dem Hinterrad zuerst in die Box geschoben und dann die Luke verschlossen. Die Box ist so groß, das auch Fahrradtaschen oder der Helm Platz finden. Für E-Bikes gibt es eine 230-Volt-Steckdose. "Allerdings müssen die Nutzer ihr Ladegerät mitbringen", erklärt Winter, denn es gäbe zu viele unterschiedliche Aufladesysteme. In der Pilotphase kostet das Unterstellen des Fahrrads 30 Cent in einer Stunde oder maximal zwei Euro am Tag. Aber das genaue Preissystem steht noch nicht fest. "Wir testen in Coswig erst einmal, wie das Angebot angenommen wird", sagt Rabe, der nach den ersten Wochen mit der Nutzung ganz zufrieden ist.

Um ihr Geschäft in Gang zu bringen, haben sich die beiden Gründer professionelle Hilfe in ihr Start-up geholt. So hat der Chemnitzer Unternehmer und Investor Erwin Trageser sich von der Idee der beiden Wirtschaftsingenieure überzeugen lassen. Er hat sich an der Firma beteiligt und Startkapital zur Verfügung gestellt. Zudem ist die Chemnitzer Beraterin Doris Schaller mit im Boot, die sich mit ihrer Unternehmensberatung auch auf Start-ups spezialisiert hat. Umgebaut und ausgestattet werden die Schiffscontainer im Chemnitzer Metallbauunternehmen Gerd Weißbach GmbH, einem traditionsreichen, mittelständischen Unternehmen mit über hundertjähriger Firmengeschichte.

Dass ihr Konzept Zukunft hat, davon sind die beiden Gründer fest überzeugt. Sie gehen davon aus, dass der Bedarf für sichere Stellplätze steigt, weil die Fahrräder immer wertvoller werden und die Verbindung von Fahrrad und Öffentlicher Nahverkehr wichtiger wird, auch weil solche Schnittstellen von der Europäischen Union gefördert werden. "Wir haben schon zahlreiche Anfragen von Kommunen und Verkehrsbetrieben", sagt Rabe. Bevor die Serienfertigung im nächsten Jahr beginnt, soll auch die Zertifizierung des Fahrradcontainers abgeschlossen sein. Den Einbruchtest hat der "Velobrix" bereits bestanden. "Unser wichtigstes Ziel ist, eine sichere Abstellmöglichkeit zu bieten", erklärt Winter, der selbst ein E-Bike fährt.

Für das Jahr 2020 haben sich die Chemnitzer Gründer viel vorgenommen. "Wir wollen 20 bis 30 Anlagen auf dem Markt unterbringen", sagt Rabe. Die Pilotanlage in Coswig wird von den beiden Gründern selbst betrieben. In Zukunft ist allerdings geplant, die Fahrradcontainer zu verkaufen. Dann kann der Eigentümer auch selbst über die Parkgebühren entscheiden. Ziel sei es einmal, Deutschland flächendeckend mit dem "Velobrix" zu beliefern.

Neben Modellen für den öffentlichen Bereich ist auch ein Fahrrad-Container mit normalem Schließsystem mit individuellen Schlüsseln vorgesehen, den beispielsweise Wohnungsvermieter erwerben können, um ihren Mietern sichere Fahrradstellplätze anzubieten. Das Design der Container ist dabei ziemlich variabel. "So können wir zum Beispiel auch Holzverkleidungen an den Stirnseiten anbieten", versichert Rabe.

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