Designpreis "Tradition und Form": Wer setzt neue Maßstäbe?

Das 24. Jahr in Folge lobt der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker den Preis "Tradition und Form" aus. Die "Freie Presse" vergibt wieder einen Sonderpreis. Und es gibt noch eine ganz neue Anerkennung.

Olbernhau.

Robert Weigel, der 2012 in Jöhstadt die kleine Drechslerei am Schwarzwassertal von seinem Vater übernahm, führt eine von rund 240 "Männelmacher"-Firmen im Erzgebirge. Mitglied im Berufsverband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller ist er nicht. Dennoch will er sich "auf jeden Fall" wieder an dem Wettbewerb "Tradition & Form" beteiligen. Das 24. Jahr in Folge hat der Verband jetzt zur Teilnahme an diesem Wettstreit aufgerufen. Seit 1995 ist er eine Plattform für Hersteller und Gestalter, um zu zeigen, wie man in einer über 200 Jahre alten Branche mit neuen Produkten neue Wege einschlagen kann. Jedes Jahr belegen innovative Arbeiten, dass der Erfindergeist längst nicht ausgeschöpft ist - selbst wenn dabei nicht immer Preiswürdiges entsteht.

Der 29-jährige Weigel hat bereits viermal Arbeiten eingereicht, wobei das Hauptaugenmerk seiner Firma auf Tradition liegt. Dass man dabei dem klassischen Engel und Bergmann auch filigran geklöppelte Elemente aus feinsten Edelstahlfäden verpassen kann, hat zwar nicht für einen Hauptpreis gereicht, entmutigt den Erzgebirger aber nicht. "Sicher ist man zunächst enttäuscht. Aber für mich ist noch wichtiger als ein Preis die Möglichkeit, mich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dazu trägt ja vor allem auch die ,Freie Presse' bei", sagt Weigel. Er werde deshalb dieses Jahr wieder eine Neuheit einreichen. Was das sein wird, verrät er noch nicht.

Nicht beteiligen will sich diesmal Kerstin Drechsel, die Chefin der 1990 vor ihr gegründeten Werkstätten Flade in Olbernhau, die vor allem für kleine Flachshaarkinder- und -engel bekannt ist. Die Olbernhauerin heimste schon etliche Preise ein, 2017 auch einen für "Hervorragende Traditionspflege". Eine kleine Manufaktur könne nicht jedes Jahr mit einer innovativen produktionsreifen Neuentwicklung aufwarten. Das ändere aber nichts daran, dass sie den Wettbewerb für eine gute Sache hält. "Man kann sein Produkt ins Gespräch bringen, eine Idee einem breiten Publikum präsentieren", sagt Drechsel. Diese Möglichkeit werde von vielen Herstellern unterschätzt. "Ich sehe das als eine Art Marktcheck, zum einen, wie das Fachpublikum, also die Jury urteilt, zum anderen wie die potenziellen Kunden in Form der Freie-Presse-Leser reagieren. Aber natürlich muss man auch den Mut aufbringen, sich einer solchen Diskussion zu stellen."

Matthias Schalling, Vorsitzender des Kunsthandwerkerverbandes, hofft, dass viele Firmen bis 8. Juni Wettbewerbsbeiträge einreichen. Im vergangenen Jahr hatte die Jury über insgesamt 19 Arbeiten zu befinden, immerhin 14 wurden für die Endrunde nominiert. Nur die nominierten Produkte haben letztlich Chancen auf einen der drei Hauptpreise des Verbandes sowie die Sonderpreise des Landrates, der Sparkasse und der "Freien Presse". Die "Freie Presse" ist dabei der einzige Preisstifter, der nicht Experten, sondern die Leser über die gelungenste Arbeit entscheiden lässt. Zusätzlich kann auch 2018 ein Nachwuchspreis für junge Hersteller oder Gestalter vergeben werden sowie ein Preis für hervorragende Traditionspflege.

Erstmals wird in diesem Jahr noch ein weiterer Sonderpreis für Traditionspflege ausgelobt: für ein Erzeugnis aus dem Bereich erzgebirgisches Holzspielzeug. Der Verbandsvorstand hat das auf Empfehlung der Jury beschlossen, weil sich der Wettbewerb eigentlich auch an Spielzeughersteller richtet. Doch nicht nur deren Zahl ist nach 1990 stark zurückgegangen. Auch für den Wettbewerb werden kaum Neuentwicklungen aus der Holzspielzeugbranche eingereicht. Für Dieter Uhlmann, Geschäftsführer des Verbandes, liege das auch daran, dass die Herstellung von modernem Holzspielzeug nicht so zwingend an das Erzgebirge gebunden sei, wie die Produktion von Pyramide und Räuchermann. Deshalb solle mit dem zusätzlichen Preis gewürdigt werden, wer sich auf diesem Gebiet besonders verdient gemacht hat.

Laut dem Verbandsvorsitzenden Matthias Schalling soll der Wettbewerb Ansporn sein, gute Produkte abzuliefern und damit die Kunden zu überraschen. Da er auch Nichtmitgliedern offen steht, die entsprechend der Wettbewerbssatzung produzieren, sei er auch "eine gute Gelegenheit, sich zu begegnen und vom anderen zu lernen". Auch für ihn selbst sei es immer wieder spannend, wenn die nominierten Exponate dann in der Zeitung veröffentlicht würden.

Die "Freie Presse" unterstützt so das zehnte Jahr in Folge die Bemühungen der Kunsthandwerker um innovative Neuentwicklungen und damit den Fortbestand der Branche, die im Erzgebirge für mehr als 30.000 verschiedene Artikel steht und einen Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro erzielt. Zehn Prozent davon sind Osterartikel, 20 Prozent umfassen Produkte, die das ganze Jahr über Wohnräume schmücken, das Gros ist Weihnachtsware.

Bewerben kann sich jeder Hersteller, auch Nichtmitglieder im Kunsthandwerkerverband. Abgabetermin ist der 8. Juni. Die "Freie Presse" veröffentlicht alle nominierten Arbeiten für eine Leserabstimmung im Juli.

www.erzgebirge.org/

 

traditionform.aspx

 

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