Die Elektromobilität kommt in Sachsen nicht in Fahrt

Das öffentliche Ladenetz wächst im Freistaat nur langsam. Der Bedarf ist nicht da - weil trotz Zuschuss vom Staat kaum jemand E-Auto fahren will.

Chemnitz.

Die Elektromobilität nimmt kaum Fahrt auf: Volkswagen will zwar in seinem Werk in Zwickau ab 2021 bis zu 330.000 E-Modelle pro Jahr fertigen. Auch hat sich seit Anfang 2017 die Anzahl der in Sachsen zugelassenen Fahrzeuge, die nur elektrisch unterwegs sind, mehr als verdoppelt - allerdings waren es im Oktober 2018 trotzdem nur 2653. Hinzu kamen 13.189 Hybrid-Pkw. An der gesamten Fahrzeugflotte im Land machte das zusammengenommen nur einen Anteil von 0,59 Prozent aus. Bundesweit waren es rund 0,9 Prozent. Das geht aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes hervor.

Auch bei den Neuzulassungen ist der Anteil der Fahrzeuge mit Elektroantrieb weiterhin gering. 2018 wurden bundesweit insgesamt rund 3,45 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen, darunter 77.500 rein elektrische oder mit Hybridantrieb. Das entspricht einem Marktanteil von 1,97 Prozent - obwohl der Staat den Kauf eines Pkw mit Elektroantrieb mit bis zu 4000 Euro bezuschusst.

Einen Grund für den lahmenden Absatz sehen Experten in der löchrigen Ladeinfrastruktur. Seit 2017 fördert der Bund deshalb deren Ausbau. Bis 2020 stehen dafür 300 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel sind bundesweit mindestens 15.000 weitere Ladestationen, die in der Regel mehrere Ladepunkte haben.

Bislang sind aus diesem Bundesprogramm Fördergelder für die Installation von 524 Normal- und von 76 Schnellladepunkten in Sachsen bewilligt worden. Der Energieversorger Envia M und die Enso Netz erhielten am häufigsten den Zuschlag. Zahlreiche Stadtwerke engagieren sich aber ebenfalls. Das ergab eine Analyse der Statistiken aus dem Verkehrsministerium.

Bundesweit hat sich dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge die Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte in den vergangenen fünf Monaten um 20 Prozent auf 16.125 erhöht. In Sachsen gab es demnach Ende Dezember 623 - mehr als die Hälfte davon befand sich aber in den Metropolen Leipzig, Dresden und Chemnitz. Dabei ist Leipzig mit 168 Ladepunkten unangefochten Spitzenreiter. Im bundesweiten BDEW-Städte-Ranking liegt es damit auf Platz 6. Mit 834 Ladepunkten führt Hamburg diese Rangliste an, gefolgt von Berlin und München.

Im Bundesländervergleich hat Bayern mit 3618 Ladepunkten die Nase vorn. Sachsen liegt auf Rang neun. Damit ist es in Ostdeutschland führend, hinkt aber vielen westdeutschen Ländern hinterher.

Bis Februar können nun erneut Förderanträge beim Bund für die Errichtung von bis zu 10.000 Normal- und 3000 Schnellladepunkten gestellt werden. Erstmalig kommt dabei ein Tool zum Einsatz, das unter anderem Daten zum Verkehr, zur Mobilität, zur Nutzung von E-Autos und zur Sozioökonomie berücksichtigt. Das soll einen flächendeckenden und nachfrageorientierten Ausbau gewährleisten.

Derzeit werden laut BDEW mehr als drei Viertel der Ladesäulen von der Energiewirtschaft betrieben. Auch Envia M will weiter in den Ausbau investieren und bis zum Sommer 56 neue Ladestationen in Sachsen aufstellen. "Wir bauen aber weiter nur im Schritttempo aus", sagte Vorstandschef Stephan Lowis kürzlich. Für eine Masseninstallation gebe es einfach keinen Bedarf.

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