Digitalisierung wird Sachsens Arbeitsmarkt stark verändern

Maschinenbau und Landwirtschaft gehen schweren Zeiten entgegen, Dienstleistungen legen zu. Das sagen Experten für den Osten voraus. Insgesamt bleiben sie optimistisch.

Chemnitz.

Die Wirtschaftsforscher der Bundesagentur für Arbeit erwarten für die nächsten knapp zwanzig Jahre einen Arbeitsplatzabbau in zentralen Bereichen der ostdeutschen Wirtschaft. Dazu zählen der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Land- und Forstwirtschaft, die Abfallbranche und das Baugewerbe. Trotz großer regionaler Unterschiede erwarten sie aber selbst im Fall einer tiefgreifenden Digitalisierung per Saldo keine nachteiligen Effekte für die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Auf der Basis von Modellrechnungen simulieren die Forscher unterschiedliche Entwicklungspfade. Demnach sind die Unterschiede nach Branchen sehr groß. Regional hängt alles davon ab, wie stark Zukunftsbranchen vor Ort vertreten sind.

So soll die Beschäftigtenzahl in der Informations- und Kommunikationsbranche nach Erkenntnissen der Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bundesweit um knapp zehn Prozent zulegen - der Osten kann aber nur unterdurchschnittlich profitieren. 123.000 neue Arbeitsplätze werden in dieser Branche entstehen. 79.000 Menschen mehr als heute werden als Dienstleister in privaten Haushalten tätig sein. Diesen Anstieg führt das IAB auf steigende Einkommen im Zuge der Digitalisierung zurück. Dadurch würden Dienstleistungen für die Haushaltsführung stärker nachgefragt. Im Osten wird allerdings auch in diesem Bereich ein unterdurchschnittlicher Zuwachs vorhergesagt.

Die Gebiete, in denen die erwartete Dynamik Ostdeutschlands im Bundesvergleich leicht überdurchschnittlich ausfällt, sind das Gastgewerbe, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, die Arbeitnehmervermittlung und -überlassung, Erziehung und Unterricht, Kunst, Unterhaltung und Erholung sowie sonstige Dienstleistungen.

Einen Abbau von Arbeitsplätzen sagt das IAB im verarbeitenden Gewerbe, im Verkehrs- sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen voraus. In vielen Bereichen fällt die Prognose für Ostdeutschland schlechter aus als für den Bundesdurchschnitt. So sollen im Fahrzeugbau bis 2035 bundesweit 2,4Prozent der Arbeitsplätze verloren gehen - in Ostdeutschland aber mehr als 2,6 Prozent. Dahinter steht die Prognose einer steigenden Technisierung im Arbeitsprozess, etwa durch den Einsatz von Robotern.

In der Grundfrage, ob die Digitalisierung zu einem Arbeitsplatzabbau in Größenordnungen führt, nehmen die IAB-Forscher eine optimistische Haltung ein. Die Folgen der Digitalisierung seien vielfältig: Die Produktion werde effizienter, neue Produkte entstünden, auch neue Einkommen. Im volkswirtschaftlichen Kreislauf passten sich Löhne und Preise, Arbeitsangebot und -nachfrage an die neue Lage an.

"Für Sachsen ist die Digitalisierung eher Chance als Bedrohung", schätzt Joachim Ragnitz vom Dresdner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung ein. In seinen Augen hilft die Digitalisierung mit, vor allem den Fachkräftemangel aufgrund des demografischen Wandels auszugleichen. Das Problem, dass auch Arbeitsplätze wegfallen, werde überschätzt. (mit dpa)

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