Dürre verursacht bei Landwirten 300 Millionen Euro Schaden

In Ost- und Nordsachsen sind die Probleme besonders groß. Der Bund erwägt langfristige Hilfen. Und die Tierhalter machen sich Sorgen ums Futter.

Dürre verursacht bei Landwirten 300 Millionen Euro Schaden

Für Sie berichtet: Oliver Hach undChristopher Ziedler

Das sächsische Agrarministerium hat jetzt erstmals eine detaillierte Schätzung zu den aktuellen dürrebedingten Ernteausfällen bekanntgegeben. Demnach belaufen sich die Schäden bei den Landwirten im Freistaat voraussichtlich auf 308 Millionen Euro. Bei einzelnen Fruchtarten sind Ausfälle von über der Hälfte zu befürchten. Grundlage der Schätzung sind unter anderem Angaben des Statistischen Landesamtes.

Das Ministerium rechnet im Ackerbau mit 215 Millionen Euro Schaden, beim Futter mit 93 Millionen Euro. Allein beim Silomais betrage der Schaden 70 Millionen Euro, bei Raps über 32 Millionen. "Bei Zuckerrüben erwarten wir einen Verlust von 54 Prozent", sagte Ministeriumssprecher Frank Meyer. Der Schaden hier: 16 Millionen Euro. Noch nicht enthalten sind in der Erfassung Sonderkulturen wie Äpfel. Hier sei der Schaden noch nicht bezifferbar. Besonders betroffen sind laut Bauernverband die Regionen Nordsachsen sowie Ostsachsen nördlich der Autobahn 4.

Probleme bereiten vor allem die Ausfälle bei den Futtermitteln. "Die Tierhalter werden Schwierigkeiten haben, mit dem Futter über den Winter zu kommen", erwartet Meyer. Dabei habe der Freistaat seinen Bauern bereits erlaubt, auf Flächen zu mähen, die für den Umweltschutz im Rahmen der EU-Subventionen eigentlich brachliegen sollen. Für Manfred Uhlemann, Hauptgeschäftsführer des Sächsischen Landesbauernverbandes, ist das dort geerntete Wildgras "hier und da eine Hilfe, aber qualitativ wertlos".

Der Verbandschef fragt: "Wo kriegen wir unser Futter her?" Die Preise gingen durch die Decke. So meldete die Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft am Freitag ein Plus von 20 Prozent innerhalb eines Monats. Gemischtbetriebe verkauften derzeit überhaupt kein Getreide, da sie jedes Kilogramm selbst benötigten.

Die Folge: Landwirte werden ihre Tierbestände reduzieren. "Der Rindfleischpreis ist in den Keller gegangen, weil Schlachthöfe damit rechnen, dass ein Überangebot am Markt ist", berichtet Uhlemann. Nach seiner Einschätzung könnte die Dürre auch Folgen für den Bestand der Milchviehbetriebe haben. Bei der Frage, ob ein Landwirt seine Milchkühe behalte, spiele neben dem niedrigen Milchpreis auch das Futter eine Rolle, sagt der Bauernverbandschef. Die Anzahl der Milchkühe in Sachsen war 2017 mit 182.000 Tieren auf dem niedrigsten Stand seit der Wende.

Die von der Dürre betroffenen Landwirte in Deutschland sollen staatliche Hilfen bekommen - und das womöglich nicht nur als Einmalzahlung. Vor einem Bund-Länder-Treffen zu den landwirtschaftlichen Folgen der Hitzewelle am Montag in Berlin gibt es Überlegungen, Bauern langfristig gegen Klimakapriolen abzusichern. So verlangt die Unionsfraktion im Bundestag die Einführung einer Risikoausgleichsrücklage für Bauern. "Diese sparen dabei in guten Zeiten zweckgebunden und steuerfrei Gewinne an, um damit für schlechte Zeiten vorzusorgen", heißt es in einem Schreiben an Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Von dort verlautete, es gebe die grundsätzliche Bereitschaft, auch über steuerliche Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft zu diskutieren.

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