E-Auto-Offensive gefährdet besonders viele Jobs in der Region

Die drohende Schließung des Continental-Werks in Limbach-Oberfrohna ist nur ein Vorbote. In Südwestsachsen wackeln viele weitere Jobs bei Autoteile-Zulieferern.

Chemnitz.

Continental stellt die Fertigung von Dieselinjektoren 2028 ein. Werden bis dahin keine Ersatzprodukte gefunden, könnte das Werk in Limbach-Oberfrohna bei Chemnitz geschlossen werden. 860 Jobs fielen dann weg. Der Auspuffanlagen-Hersteller Fischer Hydroforming wickelt indes seinen Standort in Chemnitz mit 60 Beschäftigten bereits ab. Grund dafür sind der Wandel hin zur Elektromobilität, ein stagnierender Absatz in Europa und die Dieselkrise. Nach Einschätzung von Dirk Vogel vom Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen (AMZ) werden deshalb weitere Betriebsschließungen folgen.

Derzeit gibt es in Sachsen rund 780 Zulieferer, Ausrüster und Dienstleister der Autobranche mit rund 80.000 Beschäftigten. 40 Prozent dieser Mitarbeiter produzieren laut AMZ momentan klassische Antriebsstränge, in den Großräumen Zwickau, Chemnitz und Erzgebirge sind es sogar 70 Prozent. "Dieser Bereich ist am gravierendsten vom Strukturwandel hin zur Elektromobilität betroffen", sagt Vogel. "Etwa 60 Teile werden hier künftig nicht mehr gebraucht, zum Beispiel die gesamte Abgasanlage."

Laut einer Studie des AMZ und des Chemnitz Automotive Institute ist rund jeder fünfte Job in sächsischen Betrieben, die sich auf Motoren, Getriebe, Abgastechnik und Co. spezialisiert haben, durch den Technologiewandel bedroht. Bei den Fahrwerken ist es jeder Zwanzigste. Insgesamt hat das AMZ mehr als 250 Komponenten identifiziert, die beim E-Fahrzeug wegfallen, modifiziert werden oder neu hinzukommen. Die Hybrid- und Brennstoffzellentechnologie ist da mit eingeschlossen.

Zugleich ist aber laut Studie ein Beschäftigungszuwachs durch neue Komponenten für E-Autos sowie durch neue Produkte, Technologien und Applikationen zu erwarten. So siedeln sich wegen des Umbaus des VW-Werkes in Zwickau in unmittelbarer Nähe in Meerane vier Zulieferer an: Der Autositzhersteller Adient erweitert dort seine Produktion; Volkswagen fertigt in Meerane künftig selbst Antriebsteile für eine Art Baukastensystem für Elektroautos. Darüber hinaus lassen sich dort ein Cockpit-Hersteller, bisher ebenfalls in Zwickau ansässig, und der Bordnetz-Zulieferer Leoni aus Nürnberg nieder.

Wegen der E-Auto-Offensive rechnen die Cati-Experten im Segment Elektrik/Elektronik mit einem Jobzuwachs um 17 Prozent, beim Interieur sind es bis zu acht Prozent. Unter dem Strich wird der Studie zufolge die Anzahl der Beschäftigten im sächsischen Automobilbau bis zum Jahr 2025 daher nur um maximal 1600 oder zwei Prozent sinken. "Es wird aber in den kommenden zehn Jahren eine Wanderungsbewegung von Arbeitsplätzen geben", sagt Vogel. Größter Nutznießer dieser Entwicklung werde der Dresdner Raum sein. Dort ist etwa die Hälfte der sächsischen Elektrik- und Elektronikspezialisten beheimatet.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) überrascht die drohende Werksschließung in Limbach-Oberfrohna nicht. Strukturwandel bedeute, dass sich Strukturen veränderten, sagt er. Insgesamt sehe er darin für den Freistaat aber mehr Chancen als Risiken. "Viele andere Unternehmen in Sachsen suchen händeringend neue Mitarbeiter. Deshalb bin ich mir sicher, dass alle betroffenen Arbeitnehmer auch künftig eine gute Arbeit in Sachsen finden werden."

Bewertung des Artikels: Ø 4.4 Sterne bei 5 Bewertungen
16Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 4
    0
    kartracer
    27.09.2019

    @saxon1965, ich unterschreibe gerne Ihre 3 Beiträge, Alles richtig.
    "Warum merken nur so wenige Menschen, dass das alles systembedingt ist?!"
    Ich versuche das mal aus meiner Sicht zu verdeutlichen, vergleichen Sie bitte die HANDLUNGSWEISE, nur die Handlungsweise, eines Politikers und eines Analphabeten, was davon deckt sich, was die tatsächliche Fähigkeit unerkannt bleiben lässt?
    Hinweis, wie können Minister ihre Resorts beliebig tauschen, oder wechseln??
    Genau, die "vermeintliche" eigene Kompetenz, auch Wissen genannt, kommt aus ganz anderen Quellen, für viel Geld natürlich.
    Etwas hören oder auch lesen ist nun mal keine selbst erarbeitetes Wissen, natürlich mit Konsequenzen.
    Das könnte auch die Antwort auf Ihre Frage erklären, ich denke, Sie verstehen was ich damit meine.

  • 5
    0
    saxon1965
    27.09.2019

    @fischer1: Wer sind denn die "Verantwortlichen"? Der Aktionär, der lediglich Profit erwartet. Ist der Verbraucher, also der Autofahrer, schuldig, weil er nicht rechtzeitig das Zukunftsmodell nachgefragt hat? Oder sind gar die Politiker schuld, die doch nur machen, was ihnen das Kapital sagt oder die Straße abringt?
    Klar haben sie Recht, dass es schon längst bessere Antriebe, ich möchte sagen, viel bessere Transportmöglichkeiten geben könnte. Nur wir müssen uns mal ehrlich machen, warum es diese "Verkehrswende" bei uns und weltweit noch nicht gibt.
    Und dass Zulieferer nur Produkte herstellen, die auch nachgefragt werden, kann man denen nun wirklich nicht vorwerfen. Würden sie einen Wasserstoffantrieb herstellen, wenn ihn diesen niemand abnimmt? Weil sich mit Erdöl, Kraftstoffen, Verbrennungsmotoren, Straßenverkehr und Benzinsteuer einfach mehr herausholen lies und die Aktionäre der Automobilindustrie nun mal keine Gretas sind?!
    Warum merken nur so wenige Menschen, dass das alles systembedingt ist?!

  • 7
    1
    fischer1
    27.09.2019

    Versagen auf ganzer Linie!!
    Sorry, ich bin erstaunt, dass sich die Zulieferer der Automobilbranche nicht längst um Ersatzprodukte gekümmert haben. Diese "Kriese" - die für mich keine ist - sondern hausgemacht durch die Automobilbranche selbst, offenbart die Trägheit der Verantwortlichen sich dem Thema "Elektro/Brennstoffzelle" schon seit Jahren offensiv zu stellen! Jetzt zu Jammern, ist das ganz falsche Signal. Tesla, Toyota und Co. sind ja nicht erst seit gestern am Markt. Immerhin seit 2008 werden inzwischen massentaugliche E-Fahrzeuge, und Hybrid hergestellt, also seit nunmehr rund 10 Jahren. Jetzt hier so zu tun, dass die Krise defakto über Nacht gekommen sei, ist mehr als nur blauäugig, nein es war und ist seitens der Verantwortlichen in der gesamten deutschenAutomobilbranche grob fahrlässig. Es war für alle am Markt genügend Zeit, alternative Produkte/Antriebe/Fahrzeuge zu suchen und zu finden, davon bin ich überzeugt. Doch die Chance wurde verpasst!!

  • 7
    1
    2PLUTO6
    27.09.2019

    @Hinterfragt;
    Ich habe nicht das Abholzen des Waldes gemeint, sondern das gnadenlose Absterben der Bäume bei uns. Und die anderen Dinge die sie anführen, sind selbstverständlich genauso schädlich für unsere Umwelt, das bestreite ich nicht! Hier ging es aber um die Automobilindustrie und die Zulieferbetriebe in Sachsen. Und daß davon zig`tausende Arbeitsplätze gefährdet sind liegt bei der Umstellung auf E-Betrieb auf der Hand! Und viele Alternativen haben wir nun mal nicht mehr in Sachsen, da nach der Wende entweder fast alles zusammengebrochen ist, vieles in den Westen abgewandert ist, nicht viel Neues hinzugekommen ist und jetzt vieles in China produziert wird, was wir früher hier mal hergestellt haben!

  • 7
    5
    saxon1965
    27.09.2019

    @2PLUTO6: Stimmt! ABER was davon ist menschengemacht, wieviel davon CO2 beeinflusst und welche Rolle kann Deutschland im Weltmaßstab spielen?
    Für mich ist der stattfindende Klimawandel Fakt. Aber alleine werden wir die Welt nicht retten, wenn s. g. Schwellenländer erst in 50 Jahren begreifen, dass sie die selben Fehler gemacht haben.
    Außerdem denke ich, dass wir die Erderwärmung nicht aufhalten können, da sie naturgemacht ist. Der menschliche Einfluss wird überschätzt.
    Aber für eine gesündere Umwelt (Wasser, Luft etc.), den sparsamen Umgang mit Ressourcen und den Schutz der Natur (Ökosysteme) sollten wir auf alle Fälle sorgen!

  • 7
    4
    Hinterfragt
    27.09.2019

    @2PLUTO6;
    Das der Wald immer mehr abgeholzt wird, hat nichts mit dem Klimawandel zu tun!
    Da haben ganz andere Interessen einen Einfluss.

    Sie haben u.a. von dem Großbrand ind der Chemiefabrik in Frankreich gehört und die Bilder der Wolke gesehen?
    Will man jetzt auch die Chemieindustrie verbieten, denn "gesund" für's Klima kann diese Wolke auch nicht sein.
    Oder nehmen wir die durch Kriege brennenden Ölquellen , wobei hier könnte man SOFORT reagieren, wenn man nur wollte ...

  • 6
    8
    Blackadder
    27.09.2019

    Sorry, Freie Presse, aber die Überschrift liest sich für mich, wie: "Erfindung des Automobils gefährdet viele Kutscherjobs in der Region"

  • 10
    6
    2PLUTO6
    27.09.2019

    Fakt ist, wir haben einen Klimawandel! Wer das ignoriert oder schön redet, soll auf der Stelle mal in den Wald gehen, oder braucht nur mit offenen Augen durch die Lande fahren. Da rede ich noch nicht mal von den Gletschern oder den Polkappen die weit weg sind.
    Fakt ist auch, daß es so mit dem gesamten Verbrennungsmotorenverkehr auf der Welt nicht weiter gehen kann. Unsere Nachfahren wären eines Tages mal froh, wenn sie das Öl zum Heizen hätten, was wir im Moment jeden Tag sinnlos auf der Straße verbraten!
    Fakt ist auch, daß die E-Mobilität nur eine undurchdachte und eigentlich undurchführbare Zwischenlösung ist!
    Richtig und wichtig ist, daß die Menschen endlich anfangen, über andere Lösungen nachzudenken! Daß aus der Autokrise heraus irgendwann in Sachsen, Arbeitsplätz auf dem Spiel stehen, muß eigentlich jedem bekannt sein. Wir haben es einfach versäumt, nach der Wende in Sachsen, auch an andere Industriezeige zu denken als nur an den Automobilbau! Jetzt holt uns die Realität ein.

  • 5
    1
    saxon1965
    27.09.2019

    Es ist und bleibt ein Politikum! Solange nicht ehrlich und tatsächlich Wirtschaftspolitik gemacht wird, die zu aller erst das Gemeinwohl und damit die Masse der Menschen im Blick hat und das weltweit, solange wird man Probleme auf dem Rücken des "kleinen Mannes" abwälzen, Steuergelder (Bürgergeld) privatisieren und weder unsere Erde retten noch für Frieden sorgen.
    Das kapitalistische System und damit die s. g. Marktwirtschaft lebt für Profite der Geldanleger, also vom Wachstum (bedingt durch Zins und Zinseszins) und der Schaffung von Nachfrage, auch durch Kriege.
    Der s. g. Strukturwandel, hin zur E-Mobilität ändert nichts. Umweltzerstörung findet dann nur auf anderen Ebenen, anderen Ortes statt.
    Wenn wir für eine bessere Umwelt sorgen wollen, für mehr Lebensqualität, mehr weltweite Gerechtigkeit, dann werden wir nicht um einen Systemwechsel kommen. Und wer meint, nur in diesem kapitalistischen System wäre es möglich den Menschen Essen, Bildung, Gesundheit und Lebensqualität zu ermöglichen der lügt! Vielleicht müssen wir auf Konsum verzichten, leben dafür aber länger auf einer lebenswerten Erde?

  • 11
    5
    KTreppil
    27.09.2019

    Wenn die FFF Generation dann in der Region keine Ausbildungsplätze und Jobs mehr findet, werden einige hoffentlich begreifen, dass von nix nix kommt. Das Pendeln wird aber auch schwieriger werden, sollte die Reichweite der E-Autos noch immer nicht weiter entwickelt sein. Aber die Sache mit dem Fachkräftemangel wird sich dann erledigt haben. Man braucht dann keine mehr in der Region.
    So, nun habe ich mal ordentlich schwarz gemalt. Aber was das Klima betrifft, wird ja auch Weltuntergangsstimmung erzeugt.
    Ich hoffe es kommt nicht so weit, man atmet die derzeitige Hysterie weg und kommt mal wieder zum vernünftigen Denken zurück. Aber viel Zeit bleibt nicht mehr...

  • 5
    4
    Mike1969
    27.09.2019

    Unsere Landesregierung und die Politik machen sich Gedanken um die Lausitz?! Da ist eh nur Braunkohle. Wie wäre es mal mit Milliarden für die Wende der Region vom Verbrenner zum Elektro?! Hier leben viel viel viel mehr Menschen als in der Lausitz! Oder ist die Region Dresden und der Politik wirklich sooooo Scheißegal ???

  • 10
    5
    tbaukhage
    26.09.2019

    Wenn hier Arbeitsplätze verloren gehen, dann liegt es daran, dass moderne Autos nicht mehr von deutschen Unternehmen, sondern von anderen gebaut werden, weil die einfach schneller waren und mehr KnowHow entwickelt haben, als diejenigen, die bis zum Schluss versucht haben, den Verbrenner am Leben zu erhalten. Schuld am Arbeitsplatzverlust ist nicht eine neue Technologie, sondern die Trägheit derer, die nicht einsehen wollen, dass ihr bisheriges Erfolgsmodell abgelaufen ist.

    Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen manche Mauern und andere Windmühlen.

  • 16
    8
    franzudo2013
    26.09.2019

    Die Grünen können nicht denken. So wie Wind und Sonne kein Stromnetz aufrecht erhalten können, so wenig kann Elektromobilitaet funktionieren.
    Es hat als Nischen Option seine Berechtigung, aber es ist keine grundsätzliche Lösung.

  • 33
    12
    Einspruch
    26.09.2019

    Die Verbraucher haben zumindest die Macht, diesen E Auto Müll nicht zu kaufen. Warten wir mal ab.

  • 19
    3
    cuzco6170
    26.09.2019

    Bin schon gespannt ob es um Conti L-O einen ähnlichen Kamof gibt wie um Siemens Görlitz.

  • 25
    22
    Sterntaler
    26.09.2019

    Wenn es tatsächlich an der E-Auto-Offensive liegt geht es also schon los mit dem Wirtschaftsabschwung auf Grund der Klimahysterie. Und das ist sicher nur ein erster kleiner Vorgeschmack. Man darf gespannt sein was passiert, wenn die ersten Eltern der Freitagshüpfer die Kündigung bekommen, nix mehr mit neuem Smartphone und Flugreisen in den Süden, Heizung im Kinderzimmer im Winter abgedreht usw. usf. Man bekommt, was man bestellt hat und wird dafür zahlen. Leider wird es wie immer vor allem auch Unbeteiligte treffen. Ich freue mich schon wieder auf das Vetogeschrei der Klimapaniker, na dann mal los. Frei nach Christian Lindner, FDP: "Ich gebe gerne ein stehendes Ziel ab."



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...