E-Auto: VW rüstet Werk für höhere Stückzahlen aus

Auf drei Baustellen wird in Zwickau gleichzeitig gearbeitet. Mehr Modelle und eine höhere Jahresproduktion erfordern neue Hallen. Eine davon wird konzernweit einmalig sein.

Zwickau.

Die Bagger drehen sich schon seit Wochen auf den drei Baustellen im Zwickauer Fahrzeugwerk von Volkswagen. Im Beisein von Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und Zwickaus OB Pia Findeiß (beide SPD) wurden sie am Donnerstagnachmittag aber noch einmal "offiziell", also symbolisch eröffnet. 115 Millionen Euro investiert der Konzern im Zuge des Umbaus zum E-Auto-Werk in eine neue Logistikhalle, einen Karosseriespeicher und eine Erweiterung des bestehenden Presswerkes.

Die Neubauten sind laut Planungsleiter Lars Thielemann nötig, damit die Produktionskapazität des Werkes um zehn Prozent auf 330.000 Fahrzeuge im Jahr erhöht werden kann. Ein weiterer Punkt: Mit dem Wechsel zur E-Auto-Fertigung steigt die Teilevielfalt. Statt zwei Modelle sollen künftig sechs E-Auto-Modelle vom Band rollen. Zudem wird das Werk mehr Teile vor Ort selbst herstellen, damit sinken Transportaufwand und Logistikkosten. "Die Vision vom reinen E-Standort Zwickau wird immer mehr Realität. Mit den drei Bauprojekten wird der Wandel auch über die Werksgrenzen hinaus sichtbar. Wir liegen mit der Transformation voll im Zeitplan", sagte Reinhard de Vries, Geschäftsführer Technik bei VW Sachsen.

Die Neubauten sollen im Laufe des nächsten Jahres fertiggestellt sein. Das Presswerk ist dabei die anspruchsvollste und zugleich teuerste Baustelle. 250 Betonpfähle müssen tief in die Erde gerammt werden, damit das Gebäude genügend Stabilität für die schwere Technik bekommt. Knapp 74 Millionen Euro kostet die Erweiterung, allein die Presse mit einer Kraft von 6900 Tonnen verschlingt 40 Millionen Euro. Bislang müssen viele Blechteile wie etwa Fahrzeugdächer, Kotflügel, Seitenteile und Heckklappen von anderen Werken bezogen werden. "In Zukunft können wir vieles selbst pressen", erklärt Thielemann. Der Anteil der vor Ort umgeformten Teile werde von jetzt 40 auf "nahezu" 100 Prozent steigen. Das neue Presswerk sei "einmalig" im Konzern. Zur hochmodernen Technik gehört auch, dass die Teile von Robotern in Behälter gepackt und vollautomatisch ins Lager transportiert werden.

Der neue Karosseriespeicher wird nach Fertigstellung das mit 40 Metern höchste Gebäude im Werk. Auf elf Ebenen sollen bis zu 600 Pkw-Karossen Platz finden. An der eingeschossigen Logistikhalle können bis zu 15 Lkw parallel be- und entladen werden.

Der Umbau der Produktion ist derweil in vollem Gange. Eine Montagelinie ist bereits in Betrieb genommen. Das erste E-Modell, der ID 3, wird bereits in Vorserie produziert. Derzeit laufen am Tag sechs Fahrzeuge vom Band. Bei einem weiteren Modell, dem ID Cross, ist die erste Stufe der Vorserienproduktion gestartet worden. Die Autos werden danach Langzeittests unterzogen.

Ende des Jahres soll auf der ersten von zwei Fertigungslinien die Serienproduktion des ID3 anlaufen. Die zweite Linie soll bis Ende 2020 umgestellt sein. Die bisherige Produktion der Golf-Modelle mit Verbrennungsmotor soll bereits Mitte 2020 auslaufen. Von 2021 an sollen in Zwickau pro Jahr bis zu 330.000 E-Autos der Marken VW, Audi und Seat produziert werden. Wenn der Markt mehr verlange, werde man aber in der Lage sein, etwa über Sonderschichten, auch mehr zu produzieren, so de Vries. Die Gesamtinvestition am Standort beziffert der Konzern auf 1,2 Milliarden Euro.

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