E-Offensive der Autoindustrie verschärft Druck auf Zulieferer

Noch ist die Trendwende zur Elektromobilität auf den Straßen nicht sichtbar. Doch der Strukturwandel könnte gravierender ausfallen als der Ausstieg aus der Braunkohle.

Dresden.

Eine Woche vor Beginn der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main, auf der auch das endgültige Design des Elektroautos ID.3 von Volkswagen präsentiert wird, hat der Autohersteller seine Startedition bereits unters Volk gebracht. "Das Kontingent von 30.000 Vorbestellungen ist ausgeschöpft", sagte Reinhard de Vries, Geschäftsführer Technik und Logistik von Volkswagen Sachsen, am Mittwoch auf dem Jahreskongress der ostdeutschen Automobilindustrie in Dresden. Für de Vries ist das ein Zeichen, dass sich der Absatz dynamisch entwickeln wird. Der in Zwickau gebaute ID.3 mache die E-Mobilität attraktiv und erreichbar für Millionen von Menschen, meinte er vor mehr als 200 Vertretern der Automobilbranche.

Das war auch als eine Warnung an die Zulieferindustrie zu verstehen, sich rechtzeitig auf die Trendwende zur Elektromobilität einzustellen. Allein beim Umbau des VW-Werkes in Zwickau zum Elektro-Standort mussten sich 40 direkte Zulieferer neu orientieren. In unmittelbarer Werksnähe entstehen vier neue Fabriken von Zulieferern.

Schon im Frühjahr hatte eine Studie des sächsischen Netzwerkes der Automobilzulieferer AMZ und des Chemnitz Automotive Institute (Cati) ergeben, dass ein Großteil der Zulieferer das Tempo des Wandels unterschätzt. Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie investieren Hersteller und Zulieferer in den kommenden drei Jahren rund 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität. Bereits 2023 wird es ein Angebot von 150 E-Modellen deutscher Hersteller geben. "Die Politik muss sich im Klaren darüber sein, dass der Umbruch in der Automobilindustrie deutlich radikaler sein wird als im Braunkohlebereich", sagte Jens Katzek, Geschäftsführer des Automotive Clusters Ostdeutschland (ACOD) im Vorfeld der Konferenz dem MDR.

Das nahm Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) als Vorlage, um neue Initiativen bei der Digitalisierung und der Forcierung von Industrie 4.0 anzukündigen. "Wir wollen den Strukturwandel durch Innovation. Wir wollen ein Produktionsland sein und Wohlstand durch Wertschöpfung schaffen", sagte Kretschmer. Zugleich kündigte er an, dass auch der Freistaat künftig auf seinen Baustellen Ladesäulen errichten will. 500 sollen es in absehbarer Zeit werden. Außerdem werde über E-Autos für den Fuhrpark nachgedacht.

Zu einem eigenen Förderprogramm für gewerbliche Ladesäulen konnte sich Sachsen bisher allerdings nicht durchringen, obwohl der Freistaat mit den Herstellern BMW, Porsche und VW zum wichtigsten Standort für den Bau von Elektrofahrzeugen wird. "Von einer neuen Landesregierung wünschen wir uns mehr Engagement beim Thema Ladeinfrastruktur", sagte Carsten Krebs, Pressesprecher von VW Sachsen. Gerade für Ladesäulen am Arbeitsplatz und auch im ländlichen Raum wäre eine Unterstützung hilfreich, sagte er.

Mit dem Vorurteil, das Stromnetz in Deutschland könnte eine große Zahl von E-Autos gar nicht verkraften, räumte Stefan Kapferer vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft auf. 30 Prozent des Fahrzeugbestands könne das heutige Netz ohne Probleme bedienen.

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