Eine Visionärin im Maschinenbau

Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters hat Susanne Witt vor mehr als drei Jahren die Regie beim Hartmannsdorfer Maschinenbauer Metrom übernommen. Jetzt hat sie sich für den sächsischen Unternehmerpreis beworben.

Hartmannsdorf.

Noch ist es eine Vision: Maschinen, die in einen Schiffscontainer reinpassen, könnten während des Transports auf hoher See Teile produzieren. Doch Susanne Witt, geschäftsführende Gesellschafterin des Maschinenbauers Metrom, gehört nicht zu den Menschen, die ein Ziel wieder aus den Augen verlieren, nur weil erste Schwierigkeiten auftreten. Mit der Hamburger Firma Bionic, einer Tochtergesellschaft der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), hat sie einen Partner gefunden, um ein solches Projekt zu realisieren.

Genutzt werden soll dafür eine sogenannte Hybridmaschine, die zwei Technologien miteinander vereint. Mittels eines 3-D-Druckverfahrens wird ein Bauteil hergestellt, dessen Oberfläche danach in einer einzigen Aufspannung bearbeitet wird. Diese Methode wurde im vergangenen Jahr als innovatives Verfahren, um komplizierte Werkstücke effektiv herzustellen, mit dem Intec-Preis als zukunftsweisende Lösung ausgezeichnet. "Eine solche Maschine ist sehr variabel einsetzbar", versichert die Metrom-Chefin.

Zu ihrem Job an der Spitze der Metrom Mechatronische Maschinen GmbH in Hartmannsdorf bei Chemnitz kam die 40-jährige Wirtschaftsingenieurin durch einen Schicksalsschlag. Ihr Vater, der Forscher Michael Schwaar, hatte das Unternehmen 2001 als Ausgründung aus dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik ins Leben gerufen. Doch im Oktober 2016 starb er plötzlich und unerwartet. "Ich hatte nie vor, bei meinem Vater in der Firma zu arbeiten. Aber Metrom war sein ganzes Lebenswerk. Es war mir eine Herzensangelegenheit, das Unternehmen weiterzuführen", erzählt Susanne Witt.

2017 ist auch ihr Ehemann, ein erfahrener Vertriebsleiter aus der Branche, mit ins Unternehmen eingestiegen. "Als mein Vater die Firma gegründet hat, wusste er nicht, wie schwer es ist, seine innovativen Maschinen in den Markt zu bringen", sagt die Metrom-Chefin in dem Bewusstsein, dass sie einen langen Atem braucht. "Wir müssen unseren Bekanntheitsgrad erhöhen. Unser Produkt hat großen Erklärungsbedarf, aber die Maschine hat auch viele Vorteile", erklärt Witt. Sie bezeichnet die Maschine als eine Art Kombination zwischen Bearbeitungszentrum und Roboter. "Damit war mein Vater seiner Zeit voraus."

Die patentierten sogenannten parallelkinematischen Maschinen von Metrom sind eine der innovativsten Konstruktionen im Maschinenbau. Sie wurden entwickelt, um herkömmliche Werkzeugmaschinen an Geschwindigkeit und Präzision zu übertreffen. Durch die Bauweise wurde der mechanische Anteil an Bauelementen und beweglichen Maschinenteilen auf das Wesentliche reduziert. Dadurch wird die Zuverlässigkeit deutlich erhöht. Durch eine spezielle Kalibrierung kann beispielsweise eine Frässpindel ein Werkstück von fünf Seiten bearbeiten. "Unsere Maschine ist die einzige auf dem Markt, die das kann", versichert die Metrom-Geschäftsführerin.

Zu den Vorteilen des Maschinenkonzepts gehört auch, dass die Maschine zu einem entsprechenden Werkstück gefahren werden kann. So könnte zum Beispiel ein Rotorhersteller in der Schweiz die mobile 5-Achs-Werkzeugmaschine anfordern, um Nuten einzufräsen. "Wir vermieten unsere mobile Maschine mit Bedienung", erklärt Witt das Geschäftsmodell. Das funktioniert, weil die Maschine nur aus wenigen kompakten Baugruppen besteht. Im Vergleich zu einer konventionellen Maschine hat sie nur einen Bruchteil an Eigenmasse und bewegter Masse. Durch das einzigartige Konzept kann problemlos die Genauigkeit anspruchsvoller stationärer Maschinen erreicht werden.

Die Auftragsbücher des Maschinenbauers mit 14 Mitarbeitern sind bis Ende des Jahres voll. Aufgrund des Projektgeschäfts schwankt der Umsatz jährlich zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro. Auch in den Exportmärkten sind Metrom-Maschinen gefragt. Geliefert wird unter anderem nach China, Südkorea, Skandinavien, Frankreich und in die USA. Metrom arbeitet in zahlreichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten mit. "Wir sind gut in die Forschungsnetzwerke der Universitäten in Chemnitz und Dresden eingebunden", meint Witt.

Im Unternehmen selbst setzt sie auf flache Hierarchien und einen kooperativen Führungsstil. "Wir sind ein junges Team und alle auf Du und Du", sagt die Metrom-Chefin. Das führe gegenüber den Kunden zu schnellen Entscheidungen und mache das Unternehmen sehr handlungsfähig für spezielle Kundenwünsche. Metrom bietet ein Komplettpaket an, von der Produktion über den Vertrieb bis hin zu Service und Fernwartung. Bei Auftragsspitzen werden schon mal Zeitarbeiter eingesetzt. "Wir haben Probleme, Fachkräfte für unser Unternehmen zu finden", so Witt. Für die Zukunft wird das wohl eine der größten Herausforderung für die kleine Firma, denn das Geschäft soll ordentlich wachsen. "Langfristig haben wir auch den Bau einer weiteren Produktionshalle geplant", skizziert Susanne Witt ihre Zukunftspläne.

Der Wirtschaftspreis"Sachsens Unternehmer des Jahres" und der Wettbewerb "Sachsen gründet - Start-up 2020" sind eine Initiative der "Sächsischen Zeitung", der "Freien Presse", der "Leipziger Volkszeitung" und des Mitteldeutschen Rundfunks sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft KPMG, der LBBW und der Gesundheitskasse AOK Plus. Nähere Informationen zur Bewerbung, zur Jury sowie zu früheren Bewerbern und Preisträgern finden Sie auf der Webseite www.unternehmerpreis.de


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