Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit nehmen ab

Die gute Lage auf dem sächsischen Arbeitsmarkt führt zu weniger Neugründungen. Die so entstandenen Firmen sind jedoch erfolgreicher als in den vorangegangenen Jahren.

Chemnitz.

In Sachsen wurden im vergangenen Jahr 1419 Frauen und Männer bei ihrer Existenzgründung durch die Arbeitsagenturen oder Jobcenter gefördert, um ihre Arbeitslosigkeit zu beenden. Im Vergleich zum Vorjahr waren das knapp 100 Gründungen weniger, bei denen die Arbeitsagenturen einen Gründungszuschuss und die Jobcenter das Einstiegsgeld bewilligt haben. Das geht aus einer aktuellen Statistik der Chemnitzer Regionaldirektion Sachsen der Bundesanstalt für Arbeit (BA) hervor.

So wenig Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus gab es in Sachsen noch nie. Zehn Jahre zuvor waren es noch über 10.000 geförderte Existenzgründungen. Den Höchststand gab es im Jahr 2004 mit damals 26.310 Gründern. "Der deutliche Rückgang der Existenzgründungen ist auf die gute Arbeitsmarktlage und Rechtsänderungen zurückzuführen", sagte Frank Vollgold, Pressesprecher der Regionaldirektion. So hätte es im vergangenen Jahr drei arbeitslose Bewerber pro freie Stelle gegeben, im Jahr 2005 seien es 44 Bewerber für ein freies Jobangebot gewesen.

Früher gab es beim Erfüllen aller Voraussetzungen einen Rechtsanspruch auf einen Gründungszuschuss, heute ist es eine Ermessensentscheidung der Agentur für Arbeit. So haben sich im vergangenen Jahr 5440 Menschen im Freistaat aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit abgemeldet, aber nur etwa jeder Vierte - die 1419 Geförderten - erhielt einen positiven Bescheid. Von 2007 bis 2011 lag die Zahl der Abmeldungen in die Selbstständigkeit bei rund 15.000 - drei Mal höher als aktuell. Damals wurden noch drei Viertel aller Gründungen durch die BA bezuschusst.

"Wegen der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt erhalten gut vermittelbare Bewerber meist nicht die Förderung der Arbeitsagentur", sagte Franca Hess, Gründungsberaterin bei der Chemnitzer Industrie- und Handelskammer (IHK). In Stellungnahmen gibt die IHK Einschätzungen zu Anträgen auf Gründungszuschüsse ab. Das war im vergangenen Jahr 109 Mal der Fall.

Bei der IHK Chemnitz ist nach Auskunft von Hess kein signifikanter Rückgang in der Gründungsberatung zu spüren. Bei persönlichen Einstiegsgesprächen, denen meist noch keine konkrete Gründungsabsicht zugrunde liegt, stieg die Nachfrage leicht an, von 376 Terminen 2017 auf 424 Gespräche im vergangenen Jahr. Die Gründungsberatung der IHK wurde 606 Mal in Anspruch genommen, ein leichtes Plus von einem Prozent. "Viele entscheiden sich zunächst für den vermeintlich sichereren Weg, behalten ihren Job und gründen einen Nebenerwerb", sagte die Gründungsberaterin der IHK Chemnitz.

In der Statistik der Bundesagentur für Arbeit ist auffällig, dass die Qualität der Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus zugenommen hat. 97,5 Prozent der Gründer mit Gründungszuschuss sind auch sechs Monate nach dem Auslaufen der Förderung weiterhin selbstständig. Beim Einstiegsgeld liegt die Verbleibquote bei 93,4 Prozent. "Früher haben sich mehr Menschen nach ausgelaufener Förderung wieder arbeitslos melden müssen und ihre Selbstständigkeit aufgegeben", sagte BA-Sprecher Vollgold.

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