Führt das VW-Update zu Folgeschäden?

Eigentlich soll die Nachrüstung laut VW keine Probleme bereiten. Doch nach dem Diesel-Rückruf mehren sich die Klagen über Beeinträchtigungen. Was ist da dran?

Chemnitz.

Werner Schwarz fährt einen gepflegten VW Caddy Allrad, Baujahr 2012, mit rund 165.000 Kilometern auf dem Tacho. Als Gebrauchten hatte der Landschaftsgärtner aus Geyer diesen Diesel vor gut einem Jahr gekauft. Vergangenen August ließ er das Software-Update in seiner Werkstatt aufspielen. Nach vier Wochen blinkte die Kontrolllampe für den Dieselpartikelfilter in immer kürzeren Abständen auf. Selbst hochtourige Autobahn-Runden zum Freibrennen des Filters, auf die er zuvor verzichten konnte, brachten schließlich nichts mehr. Im November schaltete sich das Motor-Notlaufprogramm ein: 1540 Kilometer nach dem Update.

Das Problem: Um die Verbrennung zu optimieren, leiten Dieselmotoren wie zum Beispiel der EA 189 von VW Abgas zurück in den Motor. Je nach Steuerung entstehen dabei aber entweder mehr Stickoxide oder mehr Rußpartikel. Die Schummel-Software bei VW ist so ausgelegt, dass nur auf den Prüfständen möglichst wenig Stickoxid ausgestoßen werden sollte. Im Alltagsbetrieb sollte hingegen weniger Ruß entstehen. Das soll sich durch das Update aber geändert haben.

"Das neue Verbrennungsgemisch erzeugt viel mehr Ruß", sagt der Düsseldorfer Rechtsanwalt Tobias Ulbrich. "Das hat den Effekt, dass viel mehr Partikel am Abgasrückführungsventil verkrusten." Mögliche Folgen: Der Motor schaltet ins Notlaufprogramm oder lässt sich nicht mehr starten. Die Kosten für den Tausch dieses Ventils belaufen sich bei VW je nach Modell auf 700 bis 1700 Euro. "Es können sich aber auch Bröckchen dieser Verkrustungen lösen, die Injektoren beschädigen oder gar den Motor", sagt Ulbrich. Allein in seiner Kanzlei seien bei mehr als 50 Mandanten Teile des Abgasrückführungs-Systems unmittelbar oder kurz nach dem Update ausgefallen. Auch Landschaftsgärtner Schwarz ist überzeugt: Die Nachrüstung ist dafür verantwortlich, dass sich der Filter in seinem Caddy komplett zusetzen konnte.

Bei Schwarz verweigerte VW die Übernahme der 2300 Euro für den Austausch des Filters. Das sei ein Verschleißteil, hieß es. Rechtsanwalt Ublrich hat indes die Erfahrung gemacht, dass sich Volkswagen meist kulant zeigt. "VW tut alles, um zu verhindern, dass Kundenbeschwerden über mögliche Folgeschäden des Updates in die Öffentlichkeit gelangen", sagt er. Das gefährde nämlich den Rückruf, den der Konzern unbedingt durchziehen wolle. Denn wer nachbessern lasse, für den sei die Rückabwicklung des Kaufvertrags viel schwieriger.

Auch beim ADAC haben sich nach dem Update Mitglieder mit plötzlich ruckelnden oder rasselnden Motoren gemeldet. Hin und wieder gebe es danach auch Beschwerden über Schäden am Abgassystem, Kühlern, Filtern oder Injektoren, sagt ADAC-Sprecher Ole Henry. "Im Verhältnis zu den bereits upgedateten Fahrzeugen ist der Anteil dieser Meldungen aber sehr gering."

Auf Nachfrage der "Freien Presse" beteuert ein VW-Sprecher, dass das Update "keinen negativen Einfluss auf die Funktion und Wirkungsweise des Abgasrückführungssystems" habe. "Jeder Einzelfall wird von uns aber sorgfältig geprüft", sagt Nicolai Laude. "Wir verstehen, dass jemand, der kurz nach dem Update liegenbleibt, sofort an das Update als Schadensursache denkt, aber dafür gibt es Tausende andere Gründe." Schäden am Abgasrückführungssystem habe es auch schon vorher gegeben. Und beim Dieselpartikelfilter seien nicht die Rußpartikel das Problem, sondern zum Beispiel Öl, das in den Filter gelangen könne und dann nicht rückstandsfrei mitverbrannt werde. "Irgendwann wird der Filter dann zu voll und zu heiß, sodass er kaputt geht", erklärt Laude.

ADAC und Bundesverband Verbraucherzentrale fordern dennoch eine Garantie, mit der VW für Folgeschäden an Bauteilen haften würde, die aus dem Update resultieren. Eine derartige Erklärung will Volkswagen aber nicht abgeben. Die Polizei in Bayern rüstet deshalb ihre 500 VW-Autos deshalb vorerst nicht nach. Hintergrund laut der Zeitschrift "Focus": Die Beamten im Bayerischen Innenministerium befürchteten, dass die Autos mit der geänderten Motorsteuerung doch schneller kaputt gehen könnten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...