Genossenschaften investieren 510 Millionen Euro in Wohnraum

Jede fünfte Wohnung in Sachsen gehört Genossenschaften. Modernisierung und Instandhaltung kosten zurzeit viel Geld. Dennoch sollen die Mieten in den nächsten Jahren nur leicht steigen.

Die sächsischen Wohnungsgenossenschaften wollen in diesem Jahr erstmals seit den Nachwendejahren wieder insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Euro investieren. Das meiste Geld davon soll in die Instandhaltung und Modernisierung von Wohnungen und in den alters- und familiengerechten Umbau fließen, sagte Verbandschef Axel Viehweger am Dienstag. So sollen vor allem Grundrisse an die Bedürfnisse von Senioren und Familien angepasst, Schwellen entfernt, Bäder erneuert und nachträglich Aufzüge eingebaut werden.

Nach Verbandsangaben ist bei etlichen der 209 Mitgliedsgenossenschaften, die in Sachsen rund 290.000 Wohnungen bewirtschaften, schon jeder vierte Mieter älter als 80. "Gerade die Nachrüstung mit Aufzügen nimmt deshalb deutlich zu, obwohl das ein sehr großer Eingriff in das Gebäude und wirtschaftlich oft nur sehr schwer darstellbar ist", sagte Vieweger. Fördergelder erhalten die Genossenschaften in der Regel für den nachträglichen Fahrstuhleinbau nicht. "Wir müssen das deshalb quersubventionieren", erklärte Verbandsreferent Sven Winkler. "Würden wir die kompletten Modernisierungs- und Aufzugskosten umlegen, wären wir schnell bei 8,50 bis 9 Euro Kaltmiete. Für den Großteil unserer Mieter sind aber 6,50 Euro die absolute Schmerzgrenze."

Im Durchschnitt haben die Genossenschafter für eine 60-Quadratmeter-Wohnung im vergangenen Jahr 4,90 Euro kalt je Quadratmeter gezahlt. Das sind acht Cent oder knapp 1,7 Prozent je Quadratmeter Wohnfläche mehr als 2017. Allerdings unterscheidet sich die Durchschnittsmiethöhe je nach Region deutlich. So wohnten die Genossenschafter mit im Schnitt 3,85 Euro kalt je Quadratmeter im Vogtland am günstigsten und mit 5,55 Euro in Dresden am teuersten. Zum Vergleich: Im Erzgebirgskreis waren es 4,43 Euro, im Landkreis Mittelsachsen 4,75 und im Landkreis Zwickau 4,83 Euro. In Chemnitz zahlten die Mieter der Genossenschaften mit im Schnitt 5,07 kalt je Quadratmeter sogar sieben Cent mehr als in Leipzig. "Das hängt damit zusammen, dass in Chemnitz wegen des hohen Leerstands mehr abgerissen werden musste und erst später in die Modernisierung investiert werden konnte, als Bauen schon teurer war", erklärte Viehweger.

Weil die Baupreise inzwischen explodiert sind, halten sich die Genossenschaften gegenwärtig mit Neubauten zurück. Für rund 109 Millionen Euro sollen dieses Jahr 456 Wohnungen entstehen nach 306 im Jahr zuvor. Die Projekte seien mit jeweils 10 bis 50 Wohnungen eher kleinteilig, um das Risiko von Leerständen zu vermeiden, sagte Viehweger. Denn die mittlerweile zum Teil deutlich über zehn Euro kalt je Quadratmeter, die zur Neubau-Refinanzierung erforderlich seien, könnten sich nicht allzu viele Sachsen leisten.

Viehweger glaubt deshalb auch, dass bei Neubaupreisen von um die 4500 Euro je Quadratmeter zum Beispiel in Dresden das Interesse großer Bauträger an Investitionen in Sachsen abnehmen wird. "Dann wird das Bauen auch für uns wieder günstiger, weil Handwerkerkapazitäten frei werden", prognostiziert er. "Ich denke deshalb, dass bei uns die Mieten in den kommenden fünf Jahren nur moderat steigen werden."

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