Geyer wird zum Mekka der Rohstofferkundung Mitteleuropas

Europa soll attraktiver für die Suche nach Bodenschätzen werden. Die EU investiert 5,6 Millionen Euro in ein entsprechendes Forschungsprojekt. Im Erzgebirge wurde Vorarbeit geleistet. Es geht um neue Dimensionen.

Geyer.

Die Bürger von Geyer und umliegender Orte, die sich am Donnerstagabend zu einer Bürgerversammlung im Huthaus an der Binge eingefunden hatten, waren baff. Eigentlich sollten sie erfahren, welche Ergebnisse die zwischen 2013 und 2016 erfolgten Erkundungsflüge per Hubschrauber mit bis zu zehn Meter langen Flugsonden gebracht hatten.

Ein 110 Quadratkilometer großes Gebiet war dazu immer wieder überflogen und untersucht worden - von Wissenschaftlern des Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF), die sich als Partner die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover und die TU Bergakademie Freiberg geholt hatten. Mit einer sanften geophysikalischen Erkundungsmethode, also ohne direkte Eingriffe in den Boden, suchten sie aus der Luft nach Hinweisen auf Rohstoffe. Fast 6000 Flugkilometer wurden dazu 2013/14 und 2016 innerhalb weniger Wochen absolviert - über der Region zwischen Ehrenfriedersdorf, Gelenau, Lauter-Bernsbach, Grünhain-Beierfeld, Lößnitz, Elterlein, Raschau-Markersbach, Thum, Zwönitz, Auerbach/E., Drebach, Geyer und Schwarzenberg.

Was die Zuhörer überraschte war, dass Geyer in den nächsten Jahren nun eine Art Mekka der modernsten Rohstofferkundung wird - zusammen mit dem Ort Sakatti in Finnland sowie Gerena und Minas de Riotinto in Spanien. Alles, was seit 2013 dazu im Erzgebirge lief, waren quasi Vorarbeiten, mit denen sich das HIF als Projektpartner qualifizierte. "Wir haben die EU durch unser Projekt im Erzgebirge überzeugt, diesen Weg der Rohstofferkundung zu fördern", sagte HIF-Projektleiter Richard Gloaguen.

Damit Europa attraktiver wird für die Erkundung von Rohstoffen und dafür schonende Technologien entwickelt werden, investiert die EU in den nächsten drei Jahren 5,6 Millionen Euro in ein neues Forschungsprojekt, an dem sich 17 Partner aus sieben Ländern beteiligen. Es heißt "Infact" und wird vom Freiberger HIF koordiniert, auf das 1,6 Millionen Euro der Fördersumme entfallen. Wie Projektleiter Gloaguen sagte, befinden sich viele Erzlagerstätten in abgelegenen Regionen und großen Tiefen. "Wir stehen vor der Herausforderung, schonende Technologien zur Erkundung zu entwickeln." Dadurch solle Europa als Standort für aktive Rohstofferkundung attraktiv werden. Zugleich könnte in der Folge eine bessere Versorgung mit Ressourcen innerhalb der EU möglich werden. "Obwohl Europa einer der weltweit größten Verbraucher von Rohstoffen ist, wird die Erkundung neuer Lagerstätten durch soziale, politische und technische Hürden erschwert. Diesen Herausforderungen wollen wir uns stellen", sagte Gloaguen.

Die Forscher wollen dabei die Erkundung aus der Luft weiter vorantreiben. Sie arbeiten etwa an Multisensor-Drohnen, damit mehr mineralogische Informationen als bisher zeitgleich gewonnen werden können. EU-weit fehlten bisher Möglichkeiten, um neue Technologien unter realen Bedingungen zu testen. Im engen Kontakt mit den Bürgern, Behörden und Bergbauunternehmen sollen deshalb die drei Referenzgebiete in Nord-, Mittel- und Südeuropa eingerichtet werden: eins davon ist Geyer. Ein Erkundungsantrag geht bald an das Sächsische Oberbergamt. Die Erkundung soll von Helikoptern, Drohnen und Flugzeugen aus erfolgen.

Nach Ende des Projekts sollen die Gebiete Forschungseinrichtungen und Unternehmen langfristig zugänglich sein, um selbst neue Technologien zu testen und zertifizieren zu lassen, sagte Moritz Kirsch, promovierter Geologe am HIF. Er betont, wie wichtig die Beteiligung der Bürger sei und dass sich neue Technologien heute nur im Einklang mit den Menschen entwickeln ließen. Geplant sei am Ende unter anderem ein Handlungsleitfaden für die Politik mit dem Ziel, Europa für Bergbau und Investoren interessanter zu machen.

"Die Geophysik kann die herkömmliche Erkundung nicht nur ergänzen, sondern vereinfachen, denn wir brauchen nicht mehr so viele Bohrungen", nannte Kirsch eine Erkenntnis aus dem Geyer-Projekt. "Wir sind in einer Region unterwegs gewesen, die zu DDR-Zeiten gut erkundet wurde. Deshalb haben wir uns auf die Gebiete zwischen den damals erfolgten Probebohrungen konzentriert - ein riesiges Terrain nordöstlich von Grünhain, über das wir gar nichts wussten." Wir haben dort leitende Schichten festgestellt, die Erzkörper sein können", so Kirsch. Die in Geyer erzielten Untersuchungsergebnisse wurden in eine dreidimensionale geologische Karte übertragen, die Informationen bis in 1500 Meter Tiefe enthält, sagte Kirsch. Während 2013/14 die weltweit am häufigsten angewandten Untersuchungsmethoden zum Einsatz kamen, wurde 2016 eine in Jena entwickelte, weltweit neue Sonde getestet.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...