Görlitz soll ein Zentrum für Wasserstoff-Technologie werden

Mit einem Zukunftspakt wollen Siemens, der Freistaat Sachsen und die Fraunhofer-Gesellschaft den Strukturwandel in der Lausitz anschieben. Auch Chemnitzer Forscher sind federführend beteiligt.

Görlitz/Chemnitz.

Ein "Zukunftspakt Siemens Görlitz" wird am Montag vereinbart - bei einem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Siemens-Chef Joe Kaeser in der ostsächsischen Stadt. Entstehen soll ein Innovationscampus, bei dem es vor allem um neue Technologien rund um den industriellen Einsatz von Wasserstoff geht. Erstes Vorhaben ist ein Testzentrum für Wasserstofftechnologien, das Siemens zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft aufbauen wird.

In dem Zentrum sollen Anlagen zur Herstellung von Wasserstoff, sogenannte Elektrolyseure, erforscht, getestet und Fachkräfte für die Bedienung der Geräte ausgebildet werden. Siemens gehört zu den weltweit führenden Herstellern für Anlagen zur Elektrolyse von Wasserstoff. "Die Nutzung von Wasserstoff wird eine neue Industrie. Für den Freistaat Sachsen ergibt sich durch diese Aktivitäten ein struktureller Vorteil", sagte Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer.

In das Zentrum, das Teil eines neuen Instituts für Energiesysteme und Geothermie der Fraunhofer-Gesellschaft werden soll, werden in den nächsten Jahren rund 30 Millionen Euro investiert, die Hälfte davon finanziert Siemens, die andere Hälfte der Freistaat. Insgesamt sollen dabei 100 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Koordination und den Aufbau des Zentrums übernimmt die Leitung des Chemnitzer Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU). Das IWU arbeitet bereits seit acht Jahren mit einem Institutsteil in Zittau zusammen, das Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz. 25 Mitarbeiter erforschen dort die Entwicklung von Leichtbautechnologien. In Zittau wurde auch eine Konzeptstudie über "Perspektiven und Potenziale einer sektorübergreifenden Wasserstoffwirtschaft in der Wirtschaftsregion Lausitz" erstellt.

Im zur Kraftwerksparte von Siemens gehörenden Werk in Görlitz werden große Gasturbinen hergestellt. Weil das Kraftwerksgeschäft schleppend verläuft, will Siemens diese Sparte ausgliedern und auch das Görlitzer Werk mit mehr als 700 Mitarbeitern umstrukturieren. Dazu gehört auch, neue Technologien zu entwickeln. Ursprünglich sollte das Werk sogar geschlossen werden.

Wasserstoff ist für die Industrie eine der Möglichkeiten, klimaneutral zu produzieren. Voraussetzung ist allerdings, dass der Strom zur Herstellung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen wie Windkraft oder Sonnenenergie kommt. Hergestellt wird Wasserstoff in den Elektrolyseuren, die das Wasser unter Strom setzen und so Wasserstoff und Sauerstoff trennen. In einem weiteren Produktionsschritt lässt sich Wasserstoff zu synthetischen Kraftstoffen verarbeiten.

Für die Stahlindustrie gilt Wasserstoff als Brennstoff der Zukunft, weil damit das Hochofenverfahren mit Kokskohle ersetzt werden könnte. Mit Wasserstoff könnte Stahl ohne die Entstehung von CO2 hergestellt werden. Thyssen-Krupp hatte vor kurzem angekündigt, bis zum Jahr 2050 rund zehn Milliarden Euro in die kohlendioxidfreie Stahlerzeugung zu investieren.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Interessierte
    21.07.2019

    Weil man Chemnitz tot machen und zur Computerstadt machen will ...
    Dazu kommt noch das Freital mit der neuen Einrichtung ...
    Und dann noch das Ergebirge , wo Freiberg und Zwickau dazu gehören ...
    In Chemnitz war nur Industrie , wie Auto - und Schwermaschinenbau , was nach Bayern abgewandert ist und ´man´ nun nichts mehr hat , nicht mal mehr eine Zuganbindung ...

  • 1
    0
    Mike1969
    15.07.2019

    Ich finde es gut, dass Chemnitzer Forscher so gefragt sind in Zittau und jetzt auch Görlitz. Nur was bekommt der Chemnitzer Forschungsstandort dafür zurück? Was haben die Chemnitzer davon, dass wenig von dem Forschungsbereichen nicht hier zu lassen. Dresden hat insgesamt 22 Frauenhofer Institute. Chemnitz nur 1,5 bzw. 2 (wenn dies alles noch so ist), wieso wird da nichts von Dresden mal abgegeben?



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