Händler auf der Suche nach dem Sicherheitsnetz

Sächsische Einzelhändler haben sich mit Onlineshops ein zweites Standbein aufgebaut. Von Rabattschlachten nach amerikanischem Vorbild halten sie jedoch wenig.

Chemnitz.

Der Onlineshop von Haushaltwaren Schlottig aus Marienberg ist in der Weihnachtszeit sehr gefragt. Pyramidenflügel und -wellen, Lichtertüllen oder Vorlagen für Laubsägearbeiten sind Artikel, nach denen man im stationären Handel andernorts lange suchen muss. Doch auch mit Gartengeräten, Haushaltsartikeln oder Werkzeugen wird gut Umsatz gemacht. Der Shop ist auch bei Ebay gelistet. Mittlerweile steuern Onlinekunden aus Deutschland und Österreich etwa 20 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Eine Steigerung ist geplant. "Ich möchte nicht mehr ohne Onlineshop sein", meint Bernd Schlottig. Der "Cyber Monday" hat bei dem Familienunternehmen jedoch keine großen Wellen geschlagen. Cyber Monday und Black Friday läuten in den USA den Start des Weihnachtsverkaufs ein. Beim Cyber Monday können die Kunden ausschließlich online einkaufen, beim Black Friday lokal und online.

Familie Schlottig hat zwar Erfahrung mit Ebay-Rabattaktionen, hält sich dabei jedoch zurück. Die Aktionen laufen häufig folgendermaßen ab: Der Händler verkauft durch den Rabatt mehr und erlöst so mehr Umsatz. Ebay erhält rund zehn Prozent Provision vom Bruttoumsatz. "Solche Aktionen sind gut, sie bringen aber wenig Marge und man braucht dazu eine umfangreiche Lagerhaltung", sagt Bernd Schlottig. Denn keiner weiß vorher, wie viele Artikel bestellt werden. Wird etwa ein Bohrhammer von Bosch innerhalb von zwei Tagen mehr als hundert Mal bestellt, dann muss diese Anzahl unbedingt vorrätig sein, der Onlinekunde erwartet unbedingt eine schnelle Lieferung. Erwirbt der Händler vor der Aktion eine große Menge eines Artikels, kann aber nur einen Bruchteil verkaufen, sitzt er auf Vorrat und Kosten.

Auch der Chemnitzer Schuhhändler Kay-Uwe Günther reduziert die Preise hochwertiger Schuhe ausschließlich in seinem Geschäft Lagatta. "Rabattaktionen machen wir in unserem Onlineshop nicht mit", sagt der Schuhexperte mit 20-jähriger Händlererfahrung. Auch er verweist darauf, dass das, was für den Händler dabei unterm Strich übrig bleibt, viel zu wenig ist.

So wie Haushaltwaren Schlottig ist eine Vielzahl sächsischer Händler im Internet präsent. Das reicht von der einfachen "Visitenkarte" im Netz über allgemeine Angaben zum Unternehmen, zu Sortiment und Öffnungszeiten bis hin zum eigenen Shop oder Verkauf über Marktplätze wie Amazon oder Ebay. Ein Trend - denn der Verkauf übers Internet entwickelt sich nach wie vor rasant. Im vergangenen Jahr setzten die virtuellen Läden insgesamt 46,9 Milliarden Euro um und damit 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit liegt das Wachstum deutlich über dem des Einzelhandels mit 3,1 Prozent. Allein digitale Güter und Dienstleistungen waren den Kunden 12,97 Milliarden Euro wert. "E-Commerce und Versandhandel stehen für mehr Auswahl, Service und modernes Einkaufserlebnis", sagte der Präsident des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel, Gero Furchheim. Unangefochtene Nummer eins war 2015 Bekleidung. Mit einem Umsatz in Höhe von zehn Milliarden Euro verzeichnete diese Warengruppe ein Plus von 18 Prozent. Dahinter platzierten sich Elektro- und Telekommunikationsartikel mit einem Umsatzplus von 33 Prozent auf 7,554 Milliarden Euro. Platz drei geht an Bücher und E-Books. Hier ging jedoch der Umsatz um acht Prozent zurück. Deutlich mehr als in den Vorjahren wurden Möbel, Lampen und Dekoartikel online gekauft. Der Umsatz in diesem Bereich stieg um 15 Prozent auf 2,674 Milliarden Euro. Auch der Lebensmittelhandel legt zu. Diese enormen Wachstumsraten haben dem Onlinehandel bereits die wenig schmeichelhafte Aura beschert, Totengräber des stationären Handels zu sein. Nach Ansicht der IHK Chemnitz stimmt das aber so nicht. "Ein Händler muss dort präsent sein, wo seine Zielgruppe ihn erwartet", sagte die IHK-Geschäftsführerin Handel, Ilona Roth. Das kann stationär, online oder eine Mischung aus verschiedenen Kanälen sein. Die Verkaufsplattform Ebay unterstützt seit kurzem Händler bei ihren ersten Online-Schritten. Dahinter steckt Kalkül: Je mehr Händler ihre Waren anbieten, desto attraktiver ist Ebay. Die Händler wiederum können so deutlich mehr Kunden bedienen und ihren Aktionsradius verbreitern. Eine Art Pilotprojekt ist das niedersächsische Diepholz. Die Stadt mit rund 16.700 Einwohnern war Mitte dieses Jahres Siegerin bei dem vom Handelsverband Deutschland und Ebay ausgerufenen bundesweiten Städte-Wettbewerb. 29 Händler beteiligen sich bislang. "Für viele ist es der erste Onlinekontakt, die Hemmschwelle ist groß", sagte Ebay-Sprecherin Daphne Rauch. Diepholz wiederum will so den inhabergeführten Einzelhandel stärken, ein besonderes Merkmal der Stadt. "Damit dies so bleibt, müssen die Einzelhändler das Potenzial des E-Commerce ausschöpfen", sagte Bernd Öhlmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung.

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