IG Metall fordert sächsische Industrieholding

Die Gewerkschaft sorgt sich um die Maschinenbaufirmen im Freistaat und möchte deren Zukunftsaussichten stärken. Sachsens Regierung geht dazu erste Schritte.

Chemnitz.

Die Arbeitslosigkeit im Freistaat ist im vergangenen Monat deutlich gestiegen. Vor allem die sonst starke Maschinenbaubranche ist in großen Schwierigkeiten: Viele Unternehmen befinden sich wegen Auftragsmangel in Kurzarbeit. Für die Rettung von Firmen und Arbeitsplätzen fordert die IG Metall Leipzig deshalb eine landeseigene Industrieholding. Damit könne ein Schutzschirm für existenzbedrohte Maschinenbaufirmen aufgespannt werden. Zudem würden Knowhow und Marktpräsenz gesichert und die Wertschöpfungstiefe erhalten.

Der Vorschlag: Ein Paket aus landeseigenen Mitteln und Förderung durch die Sächsische Aufbaubank (SAB) sowie einem Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Das Land Sachsen beteiligt sich an der Industrieholding oder an zu rettenden Einzelgesellschaften mit 25,1 Prozent und stellt zudem ein Mitglied im Beirat oder Aufsichtsrat. Erhält ein Unternehmen einen neuen Eigentümer, so können diese auch bei einer Mehrheitsbeteiligung nur gemeinsam mit dem Land Sachsen entscheiden. So soll die Kontrolle des Freistaates gewährleistet bleiben. Altgesellschafter hingegen bleiben mit einem Minderanteil von 15 bis 25 Prozent beteiligt. "Besonders wichtig ist, dass neue Investoren weitgehende Beschäftigungsgarantien gewährleisten", sagte Bernd Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig. Nur mit dieser Vorgabe sollten im Gegenzug Fördermittel der SAB sowie Zuschüsse zugesichert werden. Zur Umsetzung und Koordination schlägt Kruppa ein Gremium vor, das aus der SAB, dem Sächsischen Wirtschaftsministerium, dem Verband der sächsischen Metall- und Elektroindustrie, der IG Metall sowie externen Beratern besteht.

Bereits zu Jahresbeginn hatte Kruppa die Idee einer sächsischen Industrieholding. Damals spitzte sich die Krise um den LeipzigerSchleifmaschinenproduzenten Schaudt Mikrosa mit rund 160 Mitarbeitern zu. Die Maschinen, die zu großen Teilen an Zulieferer der Autoindustrie verkauft wurden, waren wegen der Umstellung auf E-Mobile nicht mehr gefragt. Der Schweizer Mutterkonzern United Grinding verkündete daraufhin das Ende der Produktion und das Aus für 100 Arbeitsplätze. Mikrosa erhielt nicht die Chance für eine Transformation. "Das Modell der sächsischen Industrieholding bietet für betroffene Unternehmen eine reale Überlebenschance", ist sich Kruppa sicher.

Die sächsische Staatsregierung kann sich eine stärkere staatliche Unterstützung vorstellen. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hatte sich in seiner Regierungserklärung Ende April dafür ausgesprochen, systemrelevante Unternehmen auch mit Hilfen des Staates zu retten. Auch der Bund hat bereits Möglichkeiten einer Staatsbeteiligung ins Spiel gebracht, die für Sachsen richtig und wichtig erscheinen und derzeit juristisch geprüft werden, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Solche finanziellen Großprojekte seien aber nur Hand in Hand mit dem Bund und dem Landtag möglich.

2Kommentare

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    mops0106
    19.05.2020

    Chemnitz war schon immer das fünfte Rad am Wagen und wird es auch bleiben dank unserer Stadt- und Landesverantwortlichen.

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    Mike1969
    19.05.2020

    Wo war die Hilfe für UNION Bohrwerke aus Chemnitz, dass diese am Standort in Chemnitz bleibt. IHK Leipzig interessiert sich doch am Ende nur um sich selbst und die Unternehmen in Leipzig. Hier geht es nicht um den Maschinenbau Sachsens. Und sowas schreibt auch leider die Freie Presse auch noch, was mich enttäuscht. Dies ist ja auch ein Chemnitzer Unternehmen...